Peking/Neu Delhi/London - Es sind nur zwei Wortmeldungen, aber sie sind symptomatisch dafür, wie sich die Diskussion um den Kampf gegen den Klimawandel kurz vor Beginn der Uno-Konferenz in Kopenhagen radikalisiert.
Der US-Politiker John Sensenbrenner sagte, die kürzlich gestohlenen und veröffentlichten E-Mails von Klimaforschern "lesen sich eher wie Forschungsfaschismus als wie wissenschaftlicher Fortschritt". Der Republikaner ist kein ideologischer Wirrkopf aus der dritten Reihe, sondern der führende Vertreter seiner Partei im Ausschuss für Energieunabhängigkeit und globale Erwärmung im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten.
Der Diebstahl Tausender E-Mails von einem Server der britischen University of East Anglia sorgt seit Ende Oktober für erheblichen Wirbel: Notorische Leugner des menschgemachten Klimawandels sehen in den Mails einen Beleg für eine angebliche Verschwörung der Forschergemeinde. Tatsächlich aber ist in dem gewaltigen Datensatz kein einziger Hinweis auf eine systematische Manipulation von Forschungsergebnissen aufgetaucht. Dennoch lässt der Chef des bestohlenen Instituts derzeit sein Amt ruhen, und viele andere Forscher sind von der Affäre frustriert. Ihr Eindruck: Sie stehen in der öffentlichen Wahrnehmung unter Schummel-Verdacht, obwohl es die Klimawandel-Leugner sind, die seit Jahren mit Manipulationen und irreführenden Argumenten einen wirksamen Umweltschutz zu sabotieren versuchen.
Der US-Klimaforscher James Hansen hat jetzt verbal zurückgeschlagen: Im Gespräch mit der britischen Zeitung "The Guardian" sagte er, der Klimawandel sei ein Thema, bei dem es die in der Politik sonst üblichen Kompromisse nicht geben dürfe. "Das ist analog zum Thema der Sklaverei, der Abraham Lincoln entgegentrat, oder zum Nationalsozialismus, den Winston Churchill bekämpfte", sagte Hansen. "Bei solchen Dingen kann man keine Kompromisse schließen. Man kann nicht sagen: 'Lasst uns einen Kompromiss finden und die Sklaverei um 50 oder 40 Prozent reduzieren.'"
Leider gebe es derzeit auf der Welt keine Führungspersönlichkeit, die das erkenne und sage, was wirklich notwendig sei. Deshalb sei es auch am besten, wenn der Kopenhagen-Gipfel spektakulär scheitern würde, so Hansen. Der Direktor des Goddard Institute for Space Studies der Nasa, der in den achtziger Jahren als einer der ersten Wissenschaftler überhaupt vor den Gefahren des Klimawandels warnte, hält die gesamte Idee eines globalen Emissionshandels für verfehlt. Ein solches System, in dem die Industriestaaten ärmeren Ländern Emissionsrechte abkaufen würden, sei vergleichbar mit dem Ablasshandel der katholischen Kirche im ausgehenden Mittelalter. "Die Bischöfe haben eine Menge Geld eingenommen, und die Sünder haben ihre Erlösung erhalten", so Hansen. "Beide Seiten mochten dieses Arrangement - trotz seiner Absurdität."
China und Indien lehnen globale Emissionsziele ab
Unterdessen haben China und Indien jetzt auch offiziell abgelehnt, beim Klimagipfel in Kopenhagen verbindliche Ziele zur Senkung der Treibhausgasemissionen mitzutragen. Zheng Guoguang, Chinas oberster Meteorologe, sagte zwar, dass der Klimawandel "unkalkulierbare" Schäden in seinem Land verursachen könne. Allerdings fügte er hinzu: "Für ein riesiges Entwicklungsland wie China ist es praktischer und dringlicher, sich an den Klimawandel anzupassen, als zu versuchen, ihn zu verlangsamen."
Zwar kritisierte Yang Ailun von Greenpeace China Zhengs Worte als "nicht sehr verantwortungsbewusstes Signal" und betonte, dass Zheng damit nicht auf Parteilinie liege: Die offizielle Politik Chinas sei es, sowohl die Anpassung an den Klimawandel als auch die Senkung der Treibhausgasemissionen voranzutreiben. Doch dass Zheng seine Meinung ausgerechnet in einem Magazin der Kommunistischen Partei veröffentlicht hat, spricht nicht unbedingt dafür, dass er sich weit abseits der Parteilinie befindet.
Zheng begründete seine Haltung unter anderem mit der Nahrungsmittelversorgung Chinas: Die Getreideproduktion könnte in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts um 37 Prozent einbrechen, falls man keine "angemessenen Anpassungsmaßnahmen" ergreife. Sollte es dann im Zuge des Klimawandels auch noch häufiger zu Naturkatastrophen kommen, könne das katastrophale Folgen haben.
Zuletzt hatte China zwar eine Senkung der Treibhausgasemissionen angekündigt, will sich aber keine absolute Zielmarke setzen, so wie es andere Staaten vorhaben. Stattdessen sollen die Emissionen relativ zur Wirtschaftsleistung sinken. Für jeden erwirtschafteten Yuan soll der Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 bis 45 Prozent verringert werden. Vergleichsjahr ist 2005.
Indien marschiert nun in die gleiche Richtung. Verbindliche Vorgaben zur Emissionsbegrenzung werde man bei der Klimakonferenz in Kopenhagen ablehnen, sagte der Umweltminister Jairam Ramesh am Donnerstag im Parlament in Neu Delhi. Indien wolle seinen CO2-Ausstoß ebenfalls im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung senken - im nächsten Jahrzehnt um 20 bis 25 Prozent, so Ramesh. Es handele sich hierbei um eine interne Verpflichtungserklärung ohne rechtliche Folgen.
Voraussetzung für eine Reduzierung der umweltschädlichen Emissionen seien zudem finanzielle und technologische Hilfen. Der Minister bestätigte damit Befürchtungen europäischer Diplomaten im Vorfeld der Klimakonferenz in der kommenden Woche, dass die vier großen Schwellenländer China, Indien, Brasilien und Südafrika verbindliche Ziele zum Klimaschutz vorerst weiter ablehnen. Am Mittwoch hatte sich bereits abgezeichnet, dass auch Brasilien und Südafrika diesen Weg einschlagen wollen.
Der Klimaforscher Ottmar Edenhofer sieht unter diesen Vorzeichen kaum Chancen für verbindliche Klimaschutzziele. "Kopenhagen wird ein erster Schritt", sagte der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin. Er wäre zufrieden, wenn zunächst eine verbindliche Obergrenze für die künftigen Emissionen weltweit festgelegt würde. Diese müsse zwischen 770 und 800 Milliarden Tonnen Kohlendioxid liegen. Im nächsten Jahr könnte dann ausgehandelt werden, wie viel jeder Nation noch von dieser Gesamtmenge zustehe.
mbe/Reuters/AFP/AP
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Tja, was man Sie was schlimmer wird, Wortklauben oder Datenklauben..... Keine Ahnung was Sie meinen, der lineare Trend zeigt einen Anstieg von etwas mehr als 0.4 Grad Celsius Warum 1940 oder 1970? Von 1930-1970 ist [...] mehr...
Kausalketten im Nachhinein konstruieren zu können, heißt nicht in jedem Fall, dass die Ereignisse tatsächlich in der Abfolge als solche im Vorhinein geplant waren (schönes Beispiel wäre das Minenfeld der Evolution). Ich hatte [...] mehr...
... und falls das Klima sich nicht reglementskonform entwickeln will, dann ist fristgemäß bis spätestens 31.12.09... Beamtenspeech pur ... hoffentlich kriegen Sie Ihre Kaffeepause eben so zuverlässig geregelt mehr...
[QUOTE=Blackjack51;4733832][QUOTE=denkmal!;4733314]Also ich bin meinen chinesischen Solarzellen absolut zufrieden. Sie überteffen sogar die angegebenen Werte. ---Zitat--- Hast du die Panels messen lassen? Das können nur wenige [...] mehr...
Ich weiß nicht wie ehrlich "Die Welt" ist. Ich weiß nicht mal ob die Welt weiß was PR ist und was nicht. (hoffentlich erscheint nur dieses) mehr...
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