Von Jochen Bölsche
In schneeweißem Schutzanzug mit Kapuze und Atemschutzmaske schlägt sich der Spezialtrupp der Bundeswehr durchs bayerische Unterholz. Der gespenstisch anmutende Erkundungseinsatz in freier Wildbahn gilt einem Feind mit acht Beinen und einer gefährlichen Waffe.
Die Männer vom Münchner Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr, das eigentlich zur Abwehr exotischer Seuchen und bioterroristischer Angriffe gegründet worden ist, machen regelmäßig Jagd auf heimische Zecken. Als Überträger tückischer Krankheiten wie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose gefährden die blutsaugenden Parasiten die Soldaten - und nicht nur die: Alljährlich erkranken rund 327.000 Bundesbürger durch Zeckenspeichel an Borreliose, einer Krankheit, deren Therapie laut Umweltbundesamt (UBA) "oft langwierig und nicht immer erfolgversprechend" ist.
Das Risiko wächst. In diesem Jahr, berichtet Oberfeldarzt Gerhard Dobler, habe sein Trupp binnen zwei Stunden 350 Zecken gesammelt, doppelt so viele wie noch im Vorjahr zur selben Zeit. Obendrein zeigten Analysen, dass die blutrünstigen Spinnentiere heuer ungleich stärker mit Viren verseucht seien als 2008.
Der Zeckenalarm ist vermutlich eine Folge des Klimawandels
Wie in Bayern ist Ixodes ricinus, besser bekannt als Gemeiner Holzbock, auch anderswo auf dem Vormarsch. Früher war die Gefahr einer FSME-Infektion, die eine im Extremfall tödliche Hirnhautentzündung auslösen kann, überwiegend auf Süddeutschland und auf Regionen unterhalb von 800 Metern begrenzt. Doch seit langem weitet sich die Risikozone stetig aus - gen Norden sowie in Höhenlagen bis zu 1500 Metern.
In Baden-Württemberg, warnt die Stuttgarter Umweltministerin Tanja Gönner, sei das FSME-Infektionsrisiko durch Zeckenstiche binnen zehn Jahren um das Zehnfache gestiegen. "Klare Indizien", meldet das Nationale Referenzlabor für Zeckensticherkrankungen in Jena, deuteten auf die Ursache: den Klimawandel, der mit feuchtwarmen Wintern die Blutsauger begünstigt.
Wie der Zeckenalarm hat eine Fülle ähnlicher Inlandsnachrichten im Vorfeld der Kopenhagener Klimakonferenz den Deutschen eine bedrückende Einsicht vermittelt: Die globale Erwärmung betrifft nicht nur Eisbären in der Arktis oder Bewohner ferner Atolle, sondern auch sie selbst. Zwar scheint in den letzten Jahren der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur ins Stocken geraten zu sein; Wissenschaftler machen dafür die schwankende Sonnenstrahlungsaktivität und veränderte pazifische Tiefenwasserströme verantwortlich. Europa jedoch gehört weiterhin zu den Regionen im Plusbereich.
Die Gefahr von Überflutungen entlang der Nordseeküste wächst
Wohl nie zuvor haben so viele Berichte über bedrohte Nordseedeiche und versiegende Wasserläufe, über gefährdete Ernten oder bislang unbekannte Schädlinge verdeutlicht, was die Erhöhung der Durchschnittstemperatur in der Bundesrepublik um 0,9 Grad im letzten Jahrhundert schon bewirkt hat - und was die vorhergesagte Steigerung um 1,5 bis 3,5 Grad bis 2100 noch alles heraufbeschwören könnte.
Beigetragen zum Bewusstseinswandel haben sicherlich massenwirksame Fernsehbilder - etwa von Angela Merkel, die schon 2008 im knallroten Anorak vor den schmelzenden Gletschern Grönlands posierte, oder spektakuläre Szenen wie der Unterwasser-Auftritt des Kabinetts der vom Untergang bedrohten Malediven, das im Oktober im Taucheranzug einen Appell zur Schadstoffreduzierung verabschiedet.
Noch näher gehen vielen Deutschen aber wohl Debatten über Inlandsrisiken, beispielsweise die wachsende Gefahr von Überflutungen entlang der Nordseeküste - durch die Ausdehnung der erwärmten Wassermassen, durch das beschleunigte Abschmelzen der Polkappen und durch häufigere Nordweststürme, die das Meerwasser immer tiefer in die trichterförmige Deutsche Bucht pressen.
"So etwas wie Deutschlands Malediven"
Noch vor drei Jahren hatten Politiker Forderungen nach einer Erhöhung aller Deiche unter Hinweis auf Sparzwänge und auf die "unsichere Datenbasis" (so Niedersachsens Forschungsstelle Küste) zurückgewiesen. Für die hannoversche CDU/FDP-Landesregierung, so spottete damals die oppositionelle SPD, finde der Klimawandel offenbar "nur in China und Indien" statt.
Mittlerweile hat sich auf breiter Front die Ansicht durchgesetzt, dass vor allem die Nordseeküste mit ihren flachen Halligen "so etwas wie Deutschlands Malediven" ("Zeit Wissen") darstellt. Schleswig-Holstein, wo langfristig 350000 Tieflandbewohner durch den Meeresspiegelanstieg gefährdet sind, sieht sich, so der Geesthachter Klimaforscher Hans von Storch, nun vor der Alternative, "die Deiche zu erhöhen oder den einen oder anderen Polder im Extremfall volllaufen zu lassen".
Mittlerweile hat das meerumschlungene Bundesland für seine Deiche schon mal einen Klimazuschlag von 50 Zentimetern ( Nordsee) beziehungsweise 30 Zentimetern (Ostsee) beschlossen.
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Ist der Grünen-Thread langweilig geworden? Nein, den Kampf, wenn man ihn so überhaupt nennen kann, der heimischen Behörden gegen den islamischen Terror verurteile ich nicht. Aber in diesem Thread geht es um den Konsumverzicht [...] mehr...
Was sind die "politischen" Ziele des IPPC? Förderung des Eishockeyspiels? mehr...
Ach, das war jetzt eine rhetorisch dumme Frage, es hilft C02 zu reduzieren wenn es weniger abgeholzte Tropen- und Regenwälder gäbe, also mehr Bäumchen, weiß jedes Kindergartenkind bereits.... Mit dem Klimawandel drohen [...] mehr...
Die Oekofreaks sind tatsächlich schlimm. Im Grunde genommen bestand (bei der Wahl 2000) zwischen Bush/Cheney einerseits und AlGore mit seinen Okeofreaks andererseits kein Unterschied: beide wollten den totalen Überwachungsstaat. [...] mehr...
Hier für die gesamte Erdgeschichte der letzten 65 Mio Jahre: http://www.lothar-beckmann.de/Globalklima/weltklimakurve.htm Und hier ein schönes Beispiel dafür wie man sich die Klimakurven schönrechnen kann, wenn man bestimmte [...] mehr...
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