Rund 300.000 Jahre war es staubtrocken im Mittelmeer - doch dann kam die Flut. Vor 5,33 Millionen Jahren brach sich das Wasser vom Atlantik her seine Bahn und füllte das langsam ausgetrocknete Mittelmeer wieder auf.
Wie gewaltig diese Flutkatastrophe war, haben Wissenschaftler um Daniel Garcìa-Castellanos vom CSIC-Institut in Barcelona nun simuliert. Aus dem Atlantischen Ozean ergossen sich damals durch die Straße von Gibraltar so immense Wassermassen in das Mittelmeerbecken, dass der Meeresspiegel zeitweise um bis zu zehn Meter am Tag stieg. Die Flut war vermutlich durch ein Absinken von Erdplatten in der Gegend von Gibraltar ausgelöst worden.
Die Flutung des damals weitgehend ausgetrockneten Mittelmeerbeckens vor etwa 5,3 Millionen Jahren habe langsam begonnen und sich über mehrere Tausend Jahre hingezogen, heißt es in der Studie, die im britischen Fachjournal "Nature" (Bd. 462, S. 778) veröffentlicht wurde. Der größte Teil der Wassermassen - etwa 90 Prozent - sei jedoch innerhalb eines kurzen Zeitraums von ein paar Monaten bis zu maximal zwei Jahren aus dem Atlantik ins Mittelmeer geflossen. Der Strom fraß in der Meerenge von Gibraltar einen 250 Meter tiefen und 200 Kilometer langen Kanal in den Untergrund.
Etwa 300.000 Jahre vor der großen Flut war das Mittelmeer von den anderen Weltmeeren abgeschnitten worden und durch Verdunstung weitgehend ausgetrocknet. Wissenschaftler bezeichnen diesen Abschnitt der Erdgeschichte als die "Messinische Salinitätskrise". Die Phase ging mit der Flutung des ausgetrockneten Beckens zu Ende.
Die Flut aus dem Atlantik muss man sich nach Ansicht der Forscher nicht wie einen riesigen Wasserfall vorstellen, sondern eher wie einen mächtigen Strom, der sich auf einer Breite von mehreren Kilometern über eine Schräge ins Mittelmeer ergoss. Die Wissenschaftler stützten sich bei ihrer Untersuchung unter anderem auf Daten der Erdbebenforschung und auf die Ergebnisse von Probebohrungen, die im Rahmen eines Tunnelprojekts in der Straße von Gibraltar vorgenommen worden waren.
lub/dpa
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