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14.12.2009
 

Kampf gegen Erderwärmung

Brasilien führt Klimaschutz-Index an

Aus Kopenhagen berichtet Markus Becker

Kohlekraftwerk in Nordrhein-Westfalen: Brasilien und Schweden beim Klimaschutz vornZur Großansicht
dpa

Kohlekraftwerk in Nordrhein-Westfalen: Brasilien und Schweden beim Klimaschutz vorn

Deutschland und die EU verlieren ihre Führungsrolle in der internationalen Klimapolitik - das ist das Ergebnis des neuen Klimaschutz-Index der Umweltorganisation Germanwatch. Wirklich gute Noten gab es für kein Land. Aber die großen Schwellenländer Brasilien, Indien und China holen auf.

Kopenhagen - And the winner is: nobody. Wieder einmal blieben die ersten drei Plätze des Klimaschutz-Index der Umweltorganisation Germanwatch vakant. "Die Messlatte ist eine Politik, die einen gefährlichen Klimawandel - also eine Erwärmung um mehr als zwei Grad - vermeiden könnte", sagt Germanwatch-Mitarbeiter Jan Burck. Und gemessen an diesem Standard tue nach wie vor kein Land der Welt genug.

Allerdings verzeichnet der Index, der am Montag beim Uno-Klimagipfel in Kopenhagen vorgestellt wurde und in den vergangenen Jahren weltweit Beachtung fand, eine erstaunliche Entwicklung: Die großen Schwellenländer holen beim Klimaschutz rasant auf. Brasilien, noch vor wenigen Jahren als Regenwald-Killer und Kohlendioxid-Schleuder verschrien, ist in der Rangliste inzwischen von Platz acht auf Rang vier geklettert und hat damit die Führungsposition übernommen. Dahinter folgen Schweden, Großbritannien und Deutschland. Auf Platz acht landete Frankreich, und gleich dahinter steht mit Indien ein weiteres großes Schwellenland. China steht zwar wegen seiner enormen CO2-Emissionen nur auf dem 52. von 60 Plätzen, bekommt aber Bestnoten für seine Klimapolitik.

Der Klimaschutz-Index, der auf den Berichten von 130 internationalen Experten und Zahlen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) basiert, beurteilt nicht nur die Entwicklung der Treibhausgasemissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, sondern auch, wie engagiert die Länder dazu beitragen, die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten. Und hier ist eine Entwicklung zu beobachten, die noch vor wenigen Jahren geradezu unmöglich erschien: Große Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien haben sich inzwischen freiwillig dem Klimaschutz verpflichtet.

Schwellenländer holen auf

"Die EU hat die Vorreiterrolle, die sie jahrelang innehatte, verloren", sagt Christopher Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Die großen Schwellenländer fangen an, eine ernsthafte Klimaschutzpolitik zu betreiben." Neben China, Indien und Brasilien zählten vor allem Mexiko, Südkorea, Indonesien und Südafrika zum Kreis jener Länder.

Zu mehr dürften die Schwellenländer allerdings von sich aus kaum bereit sein. "Für weitergehende Maßnahmen müssen die Industrieländer Finanzhilfen leisten", so Bals. Damit spricht er den zentralen Punkt der Klimaverhandlungen in Kopenhagen an: Die großen Schwellenländer - von den auf ihre Unabhängigkeit bedachten Chinesen vielleicht abgesehen - fordern enorme Finanz- und Technologietransfers, um ihr Wirtschaftswachstum nicht mit Klimaschutzmaßnahmen zu schädigen. Der Sudanese Lumumba di-Aping, Sprecher der G77 genannten Gruppe der Entwicklungsländer, hat Kanzlerin Angela Merkel deshalb sogar Blockadepolitik in Sachen Klimaschutz vorgeworfen. Die Industriestaaten erwarten ihrerseits, dass die Entwicklungsländer überprüfbare Ziele zur Reduzierung ihrer Treibhausgas-Emissionen akzeptieren.

"Es ist spannend zu sehen, dass Schwellenländer wie Brasilien einige Plätze aufsteigen - das sendet auch ein klares Signal an die Klimaverhandlungen und zeigt, dass sie sich verstärkt selbst in der Pflicht sehen, den Klimawandel zu bekämpfen", sagte Matthias Duwe, Direktor des Climate Action Network Europe. "Ich wünschte mir, dass mehr europäische Länder ein ähnliches Engagement an den Tag legen würden."

Deutschland fällt zurück

Kritik üben die Experten insbesondere an Deutschland, das vom fünften auf den siebten Platz abgerutscht ist. 2007 war Deutschland sogar noch zweitbester Klimaschützer. Bals macht dafür vor allem die Umsetzung der Meseberger Beschlüsse von 2007 für die verschlechterte Platzierung verantwortlich. Zudem habe die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt eine Politik betrieben, die den Interessen der Autoindustrie sehr entgegengekommen sei. "Die Experten bewerten die deutsche Blockierung strikterer EU-CO2-Richtwerte für Autos sowie die fehlende Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie negativ", so Bals.

Zumindest bis Ende 2007 sei Deutschland auf dem Weg gewesen, bis 2020 seine CO2-Emissionen um 30 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Die versprochenen 40 Prozent hätten dagegen nicht in Reichweite gelegen. Die Wirtschaftskrise und die damit verbundene Rezession könnten das aber ändern: Inzwischen, so hat es Germanwatch errechnet, könnte Deutschland eine Reduzierung von 40 Prozent zu den Kosten der 30-Prozent-Marke erreichen. Sogar "deutlich höhere Ziele als 40 Prozent" seien möglich, meint Bals.

Auch andere Industrieländer tun aus Sicht der Umweltschützer bei weitem nicht genug - wie etwa die USA. Sie schneiden zwar dank eines "beginnenden Umdenkens" fünf Plätze besser ab als im vergangenen Jahr, liegen aber noch immer abgeschlagen auf Rang 53 - direkt hinter China, das die USA als weltgrößter Emittent von Treibhausgasen inzwischen überholt hat. Allerdings ist der durchschnittliche Pro-Kopf-Ausstoß in den USA weiterhin etwa doppelt so hoch wie in Deutschland - und fünf- bis siebenmal so hoch wie in China.

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insgesamt 25 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
16.12.2009 von Old Joe: Schon abenteuerlich

wie Brasilien ganz ploetzlich auf Platz 1 gehieft wird. Man will wohl so etwas wie die Vergabe des Friedensnobelpreises an Obama nachahmen. Riesige Erdoelvorkommen auf offener See in 5000 m Tiefe wurden gerade mit viel Feiern [...] mehr...

15.12.2009 von TheBear: Klimaleugner nicht verbrennen!

Halt! Logischer Fehler: Die "Klimabefürworter" können doch nicht die "Klimaleugner" verbrennen, das würde nämlich den CO2 Ausstoss vermehren. mehr...

14.12.2009 von donlotti: Rettet die Welt II

Zustimmung Organisationen wie Germanwatch verbieten würde dem Klima wahrscheinlich mehr helfen als das Geschwafel dieser Leute. ---Zitat--- @Semper fi: Wäre doch gut, wenn die Politiker es nicht so ernst meinen. Für die [...] mehr...

14.12.2009 von Cephalotus: Statistiken

Wer es detaillierter haben nmöchte sieht doch auch Zwischenergebnisse und kann die für sich selbst gewichten. Ich kenne Berichte und Bücher von germanwatch (oder worldwatch) schon ein bißchen länger und halte die für ganz [...] mehr...

14.12.2009 von anders_denker: Apfel mit Birnen?

So richtig schlüssig ist für mich nicht, woran diese "Bewertungen" erstellt werden. Ein kuddelmuddel bei dem nicht unbedingt erreichtes zählt, sondern vorhaben. Gleichwohl wird undifferenziert gewertet... natürlich [...] mehr...

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Weltklimaverhandlungen

Wichtige Punkte

Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.

Worum geht es?

Wer sind die wichtigsten Akteure?

Wie ist der Stand in Europa?

Was sind die Knackpunkte der Verhandlungen?

Was, wenn die Verhandlungen scheitern?


Wer wie viel CO2 reduzieren will

EU

Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.

Russland

USA

Japan

Brasilien

China

Indien

Australien

Der lange Weg zum Klimaschutz

1988

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gründen den Weltklimarat (IPCC). Der IPCC selbst betreibt keine Wissenschaft, er sammelt stattdessen Daten zum Klimawandel und entwickelt Strategien zur Anpassung. Das Gremium hat bisher vier sogenannte Sachstandsberichte verfasst, der nächste ist für 2014 geplant. Der IPCC ist nicht direkt in das Klimasystem der Uno eingebunden, liefert aber den wissenschaftlichen Hintergrund für die Verhandlungen.

1992

1994

1997

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2009





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