Aus Kopenhagen berichtet Christoph Seidler
Noch in der Nacht hatten die Europäer einen ersten Entwurf der dänischen Gipfelpräsidentschaft abgelehnt, auch ein zweites Papier fand nicht die Zustimmung der 30 Staats- und Regierungschefs aus allen Teilen der Welt, die seit Stunden um einen Kompromiss ringen, der für alle tragbar ist. Doch nun scheinen sich die Dinge zu bewegen - in eine gute Richtung. Zumindest ein Minimalkonsens scheint möglich. Das sind die wichtigsten Punkte des Papiers:
Besonders umstritten ist offenbar die Frage, ob das Abschlussdokument eine Art Ultimatum zum Abschluss eines völkerrechtlich bindenden Klimavertrages enthalten soll. In einer älteren Fassung des Papiers hatte es zunächst geheißen, das solle idealerweise innerhalb von sechs Monaten passieren - spätestens aber bis zum Ende des kommenden Jahres. Das fordern unter anderem die Europäer, aber auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Ein Entwurf des Papiers, der später besprochen wurde, enthielt diese Frist aber nicht mehr.
In dem neuen Entwurf heißt es außerdem, dass sich die Staaten der Welt bis zum Jahr 2016 darüber verständigen sollen, ob sie den Anstieg der Erderwärmung sogar auf anderthalb Grad begrenzen wollen. Diese Aussage dürfte allerdings eher deklamatorischen Charakter haben.
Beschlossen ist das Papier ohnehin noch nicht. Wie hart die Staats- und Regierungschefs daran arbeiten, zeigt sich auch an einem protokollarischen Detail: Das übliche Familienfoto der politischen Führer wurde am Nachmittag auf unbestimmte Zeit verschoben - auf Wunsch der Uno, um mehr Zeit für die Verhandlungen zu gewinnen. Am Abend ging die dann Konferenz offiziell in die Verlängerung. Uno-Klimachef Yvo de Boer kündigte am Abend an, dass sich das Plenum des Klimagipfels voraussichtlich ab 23 Uhr mit dem Entwurf für das politische Statement befassen werde. Es wird also eine lange Nacht in Kopenhagen.
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