Aus Kopenhagen berichtet Gerald Traufetter
Pachauri ist der Chef des Uno-Weltklimarates IPCC. Er hat mit mehr als tausend Wissenschaftlern herausgearbeitet, dass die globalen Temperaturen um nicht mehr als zwei Grad steigen dürfen - was nichts anderes bedeutet, als dass die Menschheit nur noch 750 Gigatonnen Treibhausgase ausstoßen darf.
Und jetzt das: Am Ende des Gipfels ringt der Wissenschaftler sichtlich darum, der Kopenhagener Vereinbarung irgendetwas Positives abzugewinnen. "Das Papier ist nur der Beginn der Arbeit an einem echten Vertrag", sagt er SPIEGEL ONLINE. Er lege, und das sei das einzig Positive, zwei Fundamente: Einerseits das Zwei-Grad-Ziel. "Das ist für uns Forscher ein Erfolg. Erstmals ist es in ein politisches Ziel umgesetzt", sagt der Energieexperte. Andererseits habe man jetzt ein Regelwerk, mit dem künftig die Einhaltung der Emissionsreduzierungen überwacht werde. "Da hat sich zum Glück nicht die Sprache Chinas durchgesetzt", sagt Pachauri.
"Wertvolle Zeit verspielt"
Doch dann geht er hart ins Gericht mit den mehr als 10.000 Delegierten, die bis weit ins Wochenende hinein um das Abkommen gerungen haben. "Ich finde darin keine einzige konkrete Zahl", klagt der IPCC-Chef. Man habe wertvolle Zeit verspielt. "Und jedes Jahr, das wir verlieren, lässt die Summen explodieren, die uns die Begrenzung des Klimawandels später kosten wird."
Doch damit nicht genug: Der Inder hat in Kopenhagen einen gefährlichen Stimmungswandel ausgemacht. "Bei der letzten Klimakonferenz in Bali lag eine positive Atmosphäre über allem, endlich das Problem anzupacken", sagt er SPIEGEL ONLINE. Dieser Geist sei fast vollständig verloren.
Die Gründe dafür liegen auf der Hand: US-Präsident Barack Obama müsse wegen des schwebenden Klimagesetzes im Senat Rücksicht auf die Innenpolitik nehmen. Die Chinesen, die mit einem von früher unbekannten Maß an Selbstbewusstsein aufgetreten seien, würden an ihrem nächsten Fünf-Jahres-Wirtschaftsplan arbeiten. "Dies hat in Kopenhagen eine echte Einigung verhindert", sagt Pachauri.
Er hofft nun, dass in den Verhandlungen des kommenden Jahres diese beiden Hindernisse weggeräumt seien. "Wenn dann noch die Weltwirtschaft wieder anspringt, bekommen wir hoffentlich wieder eine neue Dynamik in den Prozess", macht er sich Mut. Die Chinesen hätten signalisiert, mehr Treibhausgase einsparen zu wollen.
"Klimawandel kann nur global gelöst werden"
Doch bis dahin steht erstmal Manöverkritik im Vordergrund. Denn nach der desaströsen Verhandlungsnacht werden die Stimmen lauter, die eine neue, effektivere Institution fordern als jene Mammutkonferenz der 192 Staaten. Diese Kritik aber teilt Pachauri nicht: "Wir haben keine Alternative. Der Klimawandel ist ein globales Problem und kann folglich nur im Einvernehmen aller gelöst werden", sagt er - auch weil es um die Finanzierung der Klimaschäden geht. "Deshalb müssen alle Staaten mit am Tisch sitzen."
Bis das geschafft ist, macht Pachauri das, was er seit Jahren tut: Er wird mit dem IPCC weiter die wissenschaftliche Botschaft über den Klimawandel verbreiten und damit die Politik vor sich hertreiben. "Die Politiker müssen sich der Wahrheit stellen und handeln", sagt er - und hofft dabei auch auf die Wirkung des nächsten IPCC-Berichts.
Der wird 2014 erscheinen und - wenn es nach Pachauri geht - die Diskussion noch einmal ordentlich anfeuern. Dann könnten die in Kopenhagen erzielten Vereinbarungen hoffentlich schon im gleichen Jahr überprüft und überarbeitet werden.
Eine Pause aber gönnt er weder sich noch dem Rest der Welt: "Wir müssen gleich nach den Weihnachtsferien die Verhandlungen für verbindliche Ziele aufnehmen. Sonst verlieren wir das Momentum von Kopenhagen vollständig." Wenn die Diplomaten und Politiker aus ihrem Erschöpfungsschlaf aufwachten, würden sie den Ernst der Lage begreifen.
Und als ob das nicht genug sei, warnt Pachauri, der Hüter jenes nüchternen Zahlenwerks über den schlechten Zustand der Erde, die Staatslenker noch einmal ausdrücklich davor, den Klimawandel als ein Problem zukünftiger Generationen abzutun: "Die Auswirkungen werden sie noch in ihrer eigenen Amtszeit zu spüren bekommen."
Auf anderen Social Networks posten:
Tja, was man Sie was schlimmer wird, Wortklauben oder Datenklauben..... Keine Ahnung was Sie meinen, der lineare Trend zeigt einen Anstieg von etwas mehr als 0.4 Grad Celsius Warum 1940 oder 1970? Von 1930-1970 ist [...] mehr...
Kausalketten im Nachhinein konstruieren zu können, heißt nicht in jedem Fall, dass die Ereignisse tatsächlich in der Abfolge als solche im Vorhinein geplant waren (schönes Beispiel wäre das Minenfeld der Evolution). Ich hatte [...] mehr...
... und falls das Klima sich nicht reglementskonform entwickeln will, dann ist fristgemäß bis spätestens 31.12.09... Beamtenspeech pur ... hoffentlich kriegen Sie Ihre Kaffeepause eben so zuverlässig geregelt mehr...
[QUOTE=Blackjack51;4733832][QUOTE=denkmal!;4733314]Also ich bin meinen chinesischen Solarzellen absolut zufrieden. Sie überteffen sogar die angegebenen Werte. ---Zitat--- Hast du die Panels messen lassen? Das können nur wenige [...] mehr...
Ich weiß nicht wie ehrlich "Die Welt" ist. Ich weiß nicht mal ob die Welt weiß was PR ist und was nicht. (hoffentlich erscheint nur dieses) mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Natur | RSS |
| alles zum Thema Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH