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20.12.2009
 

Kopenhagen-Pleite

Merkel setzt auf die Klimawende 2010

Bundeskanzlerin Merkel: "Besteht der feste Wille, das Abkommen Ende 2010 zu fixieren"Zur Großansicht
dpa

Bundeskanzlerin Merkel: "Besteht der feste Wille, das Abkommen Ende 2010 zu fixieren"

Die Hoffnungen auf ein Signal aus Kopenhagen wurden enttäuscht, das Ergebnis des Gipfels ist ein Desaster, die Opposition lästert über die einstige "Klima-Queen". Doch Angela Merkel bemüht sich um Zweckoptimismus - und weckt Erwartungen an die Gipfel in Bonn und Mexiko im kommenden Jahr.

Berlin/Washington - Monatelang haben die Vereinten Nationen Erwartungen geschürt, Kopenhagen könne der Wendepunkt im Kampf gegen den Klimawandel sein. Doch dann schafften es die Staats- und Regierungschefs bei dem Mammut-Gipfel gerade einmal, sich auf einen Minimalkompromiss zu einigen.

Die 193 Teilnehmerstaaten nahmen lediglich zur Kenntnis, dass die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt werden soll. Auf verbindliche Maßnahmen, um dies zu erreichen, verständigten sie sich nicht. Selbst Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon räumte ein, die Konferenz habe die Hoffnungen nicht erfüllen können.

Nun setzen Spitzenpolitiker und Experten auf das nächste Klimatreffen - in Mexiko im November 2010. Kanzlerin Angela Merkel warnte in der "Bild am Sonntag" vor überzogener Kritik: "Kopenhagen ist ein erster Schritt hin zu einer neuen Weltklimaordnung, nicht mehr, aber auch nicht weniger." Das Ergebnis sei ein Anfang, um bis zur Klimakonferenz in Bonn offene Fragen zu klären. Vom 31. Mai bis zum 11. Juni findet in Bonn ein Vorbereitungstreffen für Mexiko statt.

Merkel setzt darauf, dass das dieses Mal gescheiterte verbindliche Klimaschutzziel im kommenden Jahr verabschiedet wird: "Es besteht der feste Wille aller, die hier beteiligt sind, dann dieses Abkommen Ende des Jahres 2010 zu fixieren."


Auch der Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, rechnet bei den Konferenzen in Bonn und Mexiko-Stadt mit bindenden Klimavereinbarungen, die am 1. Januar 2013 in Kraft treten sollen. Klimaschützer richten ihre Hoffnung unter anderem darauf, dass die USA bis zum Gipfel in Mexiko-Stadt im November ein Gesetz zur Treibhausgasreduktion verabschiedet haben könnten. Mexiko könne zudem die sehr schwierige Aufgabe des Brückenbauens viel besser erfüllen als Dänemark, sagte Kim Carstensen, Chef der Klima-Kampagne der Umweltschutzorganisation WWF.

"Es läuft auf drei bis vier Grad hinaus"

Der Klimaberater von Merkel, Hans Joachim Schellnhuber, sagte, noch sei nichts verloren. "Mit den derzeitigen Zusagen, sind wir aber sehr weit vom Zwei-Grad-Ziel entfernt. Es läuft auf etwa drei bis vier Grad hinaus", sagte der Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung. "Die Vereinbarung hilft wenig, den Temperaturanstieg zu bremsen, es ist bei weitem noch nicht genug. Aber das Spiel ist noch nicht abgepfiffen". In Bonn und Mexiko gehe es weiter.

Um die ärmsten Länder vor den Klimafolgen zu schützen, sollen nun zumindest ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar aufgebracht werden. Doch die geplanten Soforthilfen für die nächsten drei Jahre wurden von den USA nach Angaben Merkels gestutzt. Die EU will weiter knapp 2,4 Milliarden Euro bereitstellen. Sie bleibe auch bei ihrem Angebot, bei einem Abkommen den Treibhausgasausstoß bis 2020 um 30 Prozent zu reduzieren. Bis dahin sei es das EU-Ziel, die bereits festgelegten 20 Prozent zu erzielen.

Umweltminister Norbert Röttgen kündigte an, Deutschland werde beim Klimaschutz weiterhin eine führende Rolle spielen. Er sagte der "Bild"-Zeitung, Deutschland stehe zu seinen Klimaschutzzielen und werde sich auf der nächsten Ministerkonferenz im Juni in Bonn "aktiv dafür einsetzen", dass der Prozess weiter vorangetrieben werde. Trotz der Enttäuschungen von Kopenhagen dürfe das Ziel eines umfassenden, weltweiten Klimaschutzabkommens nicht aufgegeben werden.

In Kopenhagen sei zwar nur wenig erreicht worden, aber die Alternative von wenig wäre nichts gewesen, sagte der Umweltminister. Immerhin hätten in dem Schlussdokument jetzt auch China und die USA "das Zwei-Grad-Ziel anerkannt, die Bereitschaft zur Überprüfbarkeit ihrer Maßnahmen erkennen lassen und sich zu finanziellen Anschubhilfen für Klimaschutz in Entwicklungsländern bekannt".

cte/Reuters/APD/dpa

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