Von Cinthia Briseño
Gleiches gilt, wenn sozial lebende Tiere, wie Affen, plötzlich angegriffen werden. Dann müssen sie rasch ihre Lage einschätzen können: Haben wir eine Chance, unser Revier zu verteidigen und die Feinde zu vertreiben, weil wir mehr sind, oder ist wegen der eigenen Unterzahl Rückzug angesagt? Dass verschiedenste Tierarten einfache arithmetische und logische Aufgaben lösen können, wissen Forscher schon lange.
Andreas Nieder und seine Kollegen von der Universität Tübingen haben nun untersucht, welche Nervenzellen Affen nutzen, wenn sie Mengen vergleichen. "Wir konnten genau beobachten, wie einzelne Zellen arbeiten, wenn die Rhesusaffen eine Größer- oder Kleiner-als-Regel befolgen", erklärt Nieder im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die Forscher fanden heraus, dass der sogenannte präfrontale Kortex, der Frontallappen der Großhirnrinde, der sich an der Stirnseite des Gehirns befindet, für das Lösen der Aufgabe zuständig ist.
Frontallappen verarbeitet Rechenaufgaben
Am Computer mussten zwei Rhesusaffen ihr mathematisches Können unter Beweis stellen: Sie bekamen erst eine Punktmenge und anschließend einen sogenannten Regelhinweis gezeigt. Ein roter Kreis stand für die Größer-als-, ein blauer für die Kleiner-als-Regel. Dann mussten sich die Affen unter zwei verschiedenen Punktmengen für eine von beiden entscheiden und angeben, wo die größere oder wo die kleinere Punktmenge zu sehen war, je nachdem, welche Regel sie befolgen sollten.
Die Regeln wählte der Computer nach dem Zufallsprinzip aus. Nach einer gewissen Zeit beherrschten die Tiere die Aufgabe souverän, berichten die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Während des Experiments überwachten die Forscher die Aktivität von 484 zufällig gewählten Nervenzellen im präfrontalen Kortex. Dabei stellten die Wissenschaftler erstaunlicherweise fest, dass 20 Prozent dieser Gehirnzellen sich ausschließlich auf die Rechenregel konzentrierten, unabhängig davon, wie groß die zu vergleichenden Punktmengen waren. "Etwa die eine Hälfte der Nervenzellen sahen wir arbeiten, wenn die Affen die Größer-als-Regel befolgen sollten", sagt Nieder. "Die andere Hälfte der Neuronen feuerte dann, wenn der Rhesusaffe den Kleiner-als-Punkt zu sehen bekam."
Verräterische Aktivitätsmuster
Während der Versuche zeichneten die Forscher mit Hilfe von Elektroden im Gehirn die elektrische Aktivität der einzelnen Neuronen auf. Anhand der Aktivitätsmuster konnten die Forscher später sogar vorhersagen, für welche Punktmenge sich der Affe entscheiden würde.
"Wir konnten deutlich zeigen, dass die elektrische Aktivität der Neuronen für das Lösen von komplexen Aufgaben dieser Art entscheidend ist", sagt Nieder. In dieser Erkenntnis sieht der Forscher wichtige Ansätze für die Hirnforschung beim Menschen. Es gehe nicht nur darum, die Verarbeitung von Zahleninformationen zu erforschen. Die Untersuchungen seien notwendig, um einen Zugang zu den komplexen Denkprozessen des Gehirns zu finden.
Auf die Kritik des Vereins Ärzte gegen Tierversuche, den Affen würde völlig ohne Grund für lange Zeit der Kopf fixiert, erwidert Nieder: "Wir gehen mit großer Sorgfalt mit den Tieren um und bemühen uns, die Belastung so gering wie möglich zu halten." Es gebe keine andere Möglichkeit, die elektrische Aktivität einzelner Nervenzellen zu messen. "Sie ist aber letztendlich die physikalische Ursache geistiger Prozesse." Zudem würden die Affen die Elektroden im Gehirn nicht spüren, weil es dort keine Schmerzrezeptoren gebe. Die Versuche seien von den Behörden zuvor begutachtet und genehmigt worden.
Die Großhirnrinde im Stirnbereich ist eine besonders wichtige Steuerzentrale des Gehirns. Schädigungen in diesem Bereich können zu starken Persönlichkeitsveränderungen führen: "Menschen nach einem Schlaganfall oder nach Verletzungen des Frontallappens haben mitunter große Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, oder Regeln zu ändern", sagt Nieder. "Auch soziale Regeln verstehen und befolgen sie teilweise nicht mehr."
Mit Material von dpa
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Wie man es auch bei Ihnen, GM64, immer wieder feststellt: Es gibt verschiedene Arten von Intelligenz (wobei ich immerwieder bemerke dass naturwissenschaftliches Verständnis nicht zu Ihren Gaben zählt). Es besteht ein himmelhoher [...] mehr...
Hallo bianca, ich finde Ihren Anspruch als sehr menschlich, aber das wird niemanden, von dieser Art der Forschung abhalten. Es geht vor allem um Geld und um dieses Geld für die Forschung zu erlangen, werden von den Gebern [...] mehr...
@kathi2011 jaja, wo wären wir ohne die Grundlagenforschung...das typische Argument. Ich bezweifle nicht, dass Grundlagenforschung früher nicht anders ging und auch einiges gebracht hat, aber die Zeiten haben sich eben geändert. [...] mehr...
schön für Gandalf, leider bekommen Sie für diese Begutachtung keinen Preis, dazu müssten Sie nämlich erst mal den Artikel verstehen, in dem es primär nicht darum geht zu zeigen, dass Affen zählen können... mehr...
Mein Kater Gandalf kann auch auf vier zählen. Das weiss ich ganz sicher, weil er ständig vorbeugend alles an vorhandenen Schüsseln begutachtet und sich dann vor eine hinsetzt. Erst wenn alle Plätze besetzt sind gibt sogar er [...] mehr...
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