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19.02.2010
 

Drohende Ausrottung

Die Hälfte aller Primatenarten ist gefährdet

Gorillas, Lemuren, Orang-Utans - die Weltnaturschutzunion IUCN schlägt Alarm: Etwa die Hälfte aller bekannten 634 Primatenarten ist vom Aussterben bedroht. Vor allem in Südostasien leben Primaten gefährlich.


Brandrodung, Jagd, Wilderei: Der Mensch bedroht die Existenz seiner nächsten Verwandten, der Affen. 48 Prozent aller 634 bekannten Primatenarten befinden sich auf der Roten Liste, warnt die Weltnaturschutzunion IUCN. 25 Arten - darunter Gorillas, Krallenaffen und Lemuren - sind sogar so sehr gefährdet, dass sie aussterben könnten, sollte nichts zu ihrem Schutz unternommen werden.

"Primaten sind die am stärksten bedrohte Gruppe der Wirbeltiere", sagte Russell Mittermeier, Chef der IUCN-Primatengruppe. Vor drei Jahren noch galt nur ein Drittel aller Primatenarten als bedroht.

Die geringsten Chancen zu überleben, hat wahrscheinlich der Hellköpfige Schwarzlangur der ausschließlich auf der Insel Cat Ba in Nordvietnam lebt. Von ihm existieren nur noch 60 bis 70 Tiere. Zwei weitere Arten haben nur noch rund hundert Vertreter: Der Nördliche Wieselmaki, eine Lemuren-Art aus Madagaskar. Und der Östliche Schwarze Schopfgibbon, der in Nordvietnam lebt.

Platz drei der am meisten bedrohten Primaten belegt der Cross-River-Gorilla aus dem Grenzgebiet von Nigeria und Kamerun. Nach Angaben der IUCN gibt es von seiner Art mittlerweile nur noch weniger als 300 Tiere.

Vor allem in Vietnam und Laos ist die Lage besonders trostlos

Dennoch: Die Anzahl der Tiere sei nicht immer zugleich das Maß für die Bedrohung einer Art, so die IUCN-Experten. Entscheidend sei auch, wie gut die Regierungen die schwindenden Tierpopulationen vor Abholzung und Jagd beschützten. Ein Beispiel seien die verbliebenen 6000 Orang-Utans auf Sumatra. Bislang hatte man geglaubt, dass die Tiere auf der größten Insel Indonesiens überleben würden. Weil aber Maßnahmen zu ihrer Erhaltung nur schleppend oder gar nicht umgesetzt wurden, sanken ihre Zahlen dramatisch. Deshalb seien sie ebenfalls auf der Liste der 25 vom Aussterben bedrohten Primaten gelandet.

Den umgekehrten Fall habe man beim Hainan Gibbon. "Eigentlich ist er der seltenste Primat", sagte Simon Stuart, Chef der IUCN-Kommission für das Überleben der Arten. "Die chinesische Regierung hat aber einige sehr strenge Erhaltungsmaßnahmen eingeleitet, weswegen er nicht mehr auf der Liste auftaucht. Viel mehr kann man einfach nicht mehr machen."

Zudem sei es eine Sache, eine Art vor dem Aussterben zu bewahren - und eine andere, sie sich wieder erholen zu lassen, so Stuart. Weltweit ist die Zerstörung des Lebensraums, vor allem durch Brandrodung, die Hauptursache für Ausrottung von Arten. In Südostasien jedoch, ist die Jagd für den Verzehr als auch für die traditionelle Medizin, gepaart mit der Wilderei, eine noch größere Bedrohung. "Das tropische Asien ist für ein Tier, das größer als ein Hase ist, der mit Abstand übelste Ort zum Leben", so Stuart. Vor allem in Vietnam und Laos sei die Lage besonders trostlos.

Mit der Liste der 25 hoffen die IUCN-Experten sowohl Öffentlichkeit als auch Regierungen auf den dringenden Bedarf nach Erhaltungsmaßnahmen aufmerksam zu machen. Vor allem im Hinblick auf die nächste Biodiversitätskonferenz im japanischen Nagoya, im Oktober. "Wir haben die Möglichkeiten, die Krise zu erfassen", sagte Mittermeier. "Aber bislang haben wir versagt, auch entsprechend zu handeln."

lub/AFP

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