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11.03.2010
 

Reaktion auf Kritik

Akademien-Verband soll Weltklimarat renovieren

Von Axel Bojanowski

Weltklimarat: Streit über Rajendra Pachauri
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Corbis

Der Klimarat der Vereinten Nationen kommt auf den Prüfstand. Ein Zusammenschluss nationaler Wissenschaftsakademien, der InterAcademy Council, soll Empfehlungen für die künftige Arbeit des Gremiums aufstellen. Ob die Vorschläge aber umgesetzt werden, entscheidet der Klimarat selbst.

Der InterAcademy Council (IAC) war bisher selbst Insidern kein Begriff. Öffentlich in Erscheinung getreten ist der IAC, der aus den 15 Präsidenten nationaler Wissenschaftsakademien oder gleichrangiger Organisationen besteht, praktisch noch nie. Doch das dürfte sich bald ändern: Der IAC soll jenes Gremium sein, das den Klimarat der Vereinten Nationen (IPCC) künftig kontrolliert, wie Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon am Mittwoch bekanntgab. Aufgabe des IPCC ist es, das Wissen der Klimaforschung regelmäßig zusammenzufassen.

Das Verfahren, mit dem der IPCC seine Klima-Sachstandberichte erarbeite, komme nun auf den Prüfstand, sagte Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zu SPIEGEL ONLINE. Edenhofer war Mitglied der Uno-Kommission, die das Kontrollgremium für den Klimarat ausgewählt hat. Bis Oktober solle der IAC Vorschläge erarbeiten, wie der IPCC-Prozess verbessert werden könnte. Ob die Empfehlungen dann umgesetzt werden, entscheide aber der IPCC selber, so Edenhofer. Eine ständige Kontrolle des Klimarates sei nicht vorgesehen.

"Die Berufung des IAC als Prüfungsgremium ist zu begrüßen", meint der Klimatologe Guy Brasseur, Leiter des Deutschen Climate Service Centers, einer Klimaberatungsagentur des Bundes. "Wir brauchen ein transparenteres IPCC-Verfahren." Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE waren zunächst andere Uno-Organisationen für die IPCC-Überprüfung vorgesehen, darunter das Umweltprogramm Unep. Auf Telefonkonferenzen und einer abschließenden Sitzung im britischen Oxford entschieden sich die Uno-Delegierten jedoch für den IAC.

IAC soll Unabhängigkeit der Prüfung demonstrieren

Mit der Wahl des IAC soll offenbar demonstriert werden, dass die Kontrolle des IPCC unabhängig von der Uno erfolgt. Die Mitglieder des IAC beraten die jeweiligen Regierungen ihrer Länder. Sie eigneten sich deshalb auch für Empfehlungen an die Vereinten Nationen, meint Edenhofer.

Eine Renovierung des IPCC-Verfahrens war zuletzt vielfach gefordert worden. Der Klimarat war unter anderem in die Kritik geraten, weil sein letzter Sachstandsbericht von 2007 eine falsche Prognose über das Abschmelzen der Gletscher im Himalaja enthält.Dem Klimabericht zufolge könnten die Gletscher bis zum Jahr 2035 verschwunden sein. Die Quelle dafür blieb unklar. Die richtige Jahreszahl sollte aber vermutlich 2350 lauten. Der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri sprach daraufhin von einem "bedauerlichen Fehler", lehnte aber eine Entschuldigung ab.

Viele Wissenschaftler übten in den vergangenen Wochen Kritik am IPCC. Sie verlangen tiefgreifende Reformen des Klimarates, bis hin zu dessen Auflösung. Auch Rufe nach einem Rücktritt Pachauriswurden laut.

Neue Methoden für alte Probleme

Der IAC soll den Auswahlprozess der Studien nun überprüfen. Insbesondere solle geklärt werden, ob sogenannte Graue Literatur für künftige IPCC-Berichte noch zugelassen werden sollte. Dabei handelt es sich um Beiträge, die nicht in Fachblättern veröffentlicht wurden, die von Wissenschaftlern begutachtet werden - etwa Berichte von Regierungen oder unabhängigen Organisationen.

Manche Forscher halten solche Quellen für hilfreich, um auch aus ärmeren Ländern Informationen zu erhalten. Unep-Chef Achim Steiner etwa hatte betont, dass er ein Verbot von Grauer Literatur nicht unterstütze. Doch auch grundsätzliche Fragen will der IAC nun erörtern: Wie sollen die Unsicherheiten der Forschungsergebnisse im IPCC-Report behandelt werden? Wie soll der Ausleseprozess der Literatur gestaltet werden? Wie soll die Wissenschaft von den möglichen politischen Konsequenzen ihrer Erkenntnisse abgegrenzt werden?

Letztere Frage wird in IPCC-Kreisen derzeit heiß diskutiert. Denn in den künftigen Berichten werden die Folgen des Klimawandels und etwaige Anpassungsmaßnahmen vermutlich größeren Raum einnehmen als in vorigen Berichten. Das bringe Probleme mit sich, meint Edenhofer: "Wir dürfen uns nicht zu Ersatzpolitikern degradieren lassen." Es sei nicht die Aufgabe des IPCC, politische Empfehlungen auszusprechen.

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