Er ist das Gesicht für die Krise der Klimawissenschaften: Rajendra Pachauri, der Chef des Uno-Weltklimarats IPCC. Ausgezeichnet mit dem Friedensnobelpreis, hat der Inder das Unheil für seine Zunft nicht wahrhaben wollen. Bis zuletzt soll der Ingenieur sich einer internationalen Überprüfung der Ergebnisse des mehrere tausend Seiten langen Rapports zum Zustand des Weltklimas widersetzt haben. "Er musste regelrecht bedrängt werden", sagt ein Insider.
Am Wochenende dann zeigte er erste Anzeichen eines Stimmungswandels: Es tue ihm leid, eine Studie, die den vom IPCC postulierten Gletscherschwund im Himalaja in Frage stellte, als "Voodoo-Wissenschaft" bezeichnet zu haben. Nur: Zurücktreten wolle er nicht.
Der IPCC kommt nicht zur Ruhe. Die Kritiker haben ein neues Kapitel in ihrer Fehlersuche aufgeschlagen. Es betrifft den dritten Teil des im Februar 2007 veröffentlichten Reports, der sich mit den Maßnahmen gegen den Klimawandel auseinandersetzt. Und damit bekommt das Problem auch eine deutsche Dimension. Denn einer der federführenden Autoren dieses Kompendiums war Ottmar Edenhofer, Umweltökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und ranghöchster deutscher IPCC-Funktionär.
Sein Kollege, der renommierte niederländische Wirtschaftsforscher Richard Tol, greift ihn frontal an. Im dritten Teil des Berichts, sagt Tol, steckten Fehler - und die hätten eine eindeutige Tendenz: "Sie alle bewerten viel zu optimistisch, wie teuer die Klimapolitik in der Zukunft sein wird", sagt der Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Freien Universität Amsterdam zu SPIEGEL ONLINE. Während Edenhofer die Arbeit seiner Kollegen, etwa jene zu den Himalaja-Gletschern, als schlampig bezeichnet, müsse er sich genau diesen Vorwurf selber gefallen lassen, so Tol.
Fünf von sechs Studien nicht wissenschaftlich begutachtet
Die Unregelmäßigkeiten sind nicht so augenfällig wie etwa die falsche Prognose zum Himalaja. Wer sie durchschauen will, muss sich in der Diskussion unter Klimaökonomen schon gut auskennen. Tol kann genau das von sich behaupten und beharrt darauf, dass es sich um schwere handwerkliche Fehler handelt. Dazu hat er in den Protokollen des IPCC recherchiert und festgestellt: "Obwohl Prüfer der Kapitel auf die Fehler hingewiesen haben, tauchen diese dann doch im Bericht auf."
Man habe sich zudem auf Quellen verlassen, die nicht dem sogenannten Peer-Review-Verfahren, also der Prüfung durch Kollegen, unterzogen worden waren. Stattdessen hätten die IPCC-Autoren bewusst Studien herausgepickt, die eine für sie genehme Botschaft beinhaltet hätten. Andere seien schlicht unter den Tisch gefallen, kritisiert Tol.
Dabei geht es etwa um die Frage, ob Klimapolitik einen Wirtschaftsaufschwung und neue Arbeitsplätze generieren könne. Das wird im IPCC-Bericht äußerst optimistisch gesehen und mit sechs Studien belegt. Fünf von ihnen sind sogenannte Graue Literatur - also nicht wissenschaftlich begutachtet.
Dabei kam eine Übersichtsstudie, die noch rechtzeitig vor der Veröffentlichung des IPCC-Berichts vorlag und insgesamt 94 Untersuchungen zu dem Thema beinhaltete, zu einem ernüchternden Resultat: Der Arbeitsmarkt werde durch ökologische Umbauten um höchstens 0,64 Prozent wachsen - bei einer Fehlerbreite von 1,33 Prozent, was eine sinnvolle Aussage in eine positive oder negative Richtung eigentlich verbietet.
In Tols Augen haben Edenhofer und Co-Autoren dabei gegen ein IPCC-Prinzip verstoßen, wonach Graue Literatur nur dann herangezogen werden dürfe, wenn es keine begutachtete Studien gibt. "Hier wird Graue Literatur dafür verwendet, begutachteten Publikationen zu widersprechen", sagt Tol.
Unterstützung bekommt Tol von seinem Kieler Kollegen Till Requate, der ihm "in den meisten Punkten Recht gibt". Den Ökonomie-Professor stört schon seit langem "die einseitige Darstellung" der Arbeitsgruppe drei des Weltklimarats, etwa dabei, wie die Kosten der Vermeidung von CO2-Emissionen unterschätzt würden.
Denn so förderlich die Resultate einer strengen Klimapolitik für die Wirtschaft sind, so günstig ist laut IPCC der Preis für Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen. Im entsprechenden Teil des IPCC-Berichts werden drei unterschiedlich ambitionierte Szenarien für die Senkung des Kohlendioxidausstoßes durchgespielt. Dabei ließe sich nun vermuten, dass die Kosten deutlich steigen, je mehr Kohlendioxid eingespart werden soll. Doch der Kostensprung zwischen dem mittleren und dem strengsten Szenario fällt seltsam gering aus.
"Das Autorenteam ist heterogen besetzt"
Sollte den Politikern suggeriert werden, Klimaschutz koste gar nicht so viel? Denn das strengste Szenario ist ausgerechnet jenes, bei dem der globale Temperaturanstieg auf zwei Grad begrenzt würde. Und genau jenes Zwei-Grad-Ziel ist die Kernbotschaft, die engagierte Klimawissenschaftler den Politikern empfehlen.
Der von Tol kritisierte Kollege Ottmar Edenhofer weist eine Voreingenommenheit der IPCC-Autoren zurück. "Das Autorenteam ist heterogen besetzt", erwidert der PIK-Forscher. Darunter fänden sich einzelne Autoren, die "fest im wissenschaftlichen Mainstream verankert" seien. Und der sei alles andere als dafür bekannt, die Kosten für Klimaschutz zu optimistisch einzuschätzen.
Dass man kritische Einwände der Prüfer nicht berücksichtigt habe, beantwortet Edenhofer ausweichend. Die zuständigen IPCC-Autoren hätten bestätigt, dass sie "die Kommentare korrekt eingearbeitet" hätten, so Edenhofer. Gleichzeitig schränkt er jedoch ein, dass dies von der internationalen Prüfungskommission des IPCC-Berichts noch einmal begutachtet werden wird. Jene Prüfungskommission werde sich im Übrigen auch mit den Prinzipien für die Anwendung Grauer Literatur beschäftigen, so Edenhofer.
Umweltökonom Tol aber bleibt bei seiner Kritik. Für ihn steht fest, dass der IPCC eine politische Agenda verfolge, statt wissenschaftliche Erkenntnisse nüchtern zusammenzufassen. "Er verfälscht bewusst den Wissensstand unserer Zunft", so Tol. Sein Fazit richtet sich an die Adressaten des IPCC-Berichts: "Das Werk ist eine schlechte Entscheidungsgrundlage für Umweltpolitiker."
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Ihnen gehört ganz einfach die "Stromleitung" gekappt. Besser gesagt dann gekappt, wen aus "erneuerbaren" Energiequellen keine anliegt. Ansonsten halt nur die Erstehungskosten Kosten von ca. 30 Cent/kWh [...] mehr...
Ich habe bis 2006 in Holland gelebt. Dort geht man davon aus, dass die heutige Deichlinie nur noch bis 2025 sicher ist. Dennoch tut man nichts - eine Erhöhung der Linie ist nämlich einfach nicht finanzierbar. Fazit: Auch wenn [...] mehr...
Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Ich fürchte, selbst nach Revision aller Klimadaten, wird kein verlässliches Ergebnis vorliegen, auch alle Berechnung ökonomischer Kosten bleibt rein spekulativ. Aber [...] mehr...
Was soll den fossiler Kohlenstoff sein. Ich kenne nur Kohlenstoff. Es doch völlig egal wo das CO2 herkommt. CO2 ist ein wesentlicher Bestandteil der Atmosphäre. Erdgeschichtlich war dieser Anteil nie konstant. Er war schon [...] mehr...
....richtig. Daher auch für den Stammtisch :-) Und dann wäre da noch die von vielen Wissenschaftlern bestrittene Klimakompetenz von CO2..... Ein weites Feld .... Trotzdem auch für Sie Frohe Ostern ! mehr...
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