Von Axel Bojanowski
Die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull schiebt sich Richtung Süddeutschland. Am Freitagnachmittag werde die Wolke München und Nürnberg erreichen, sagte Sabine Bork, Leiterin der Luftfahrtberatung beim Deutschen Wetterdienst (DWD), zu SPIEGEL ONLINE. Dann werde man voraussichtlich für ganz Deutschland ein Flugverbot aussprechen, das bis mindestens Samstagabend bestehen bleiben könnte. Die Entscheidung darüber trifft das Verkehrsministerium.
Der Vulkanausbruch auf Island hatte den Flugverkehr in Deutschland am Freitagvormittag nahezu zum Erliegen gebracht. Ab Mittag war nur noch der Flughafen München geöffnet.
Bis Freitagnacht null Uhr, werde die Aschewolke über Deutschland hängen, berichtet der DWD. Die Prognosen würden alle sechs Stunden aufgrund neuer Daten aktualisiert. Doch bislang hat sich die Lage kaum verändert: Der Vulkan stößt weiterhin unentwegt Asche aus. Über Nordeuropa hängt nun eine riesige Ascheglocke. Solange Nordwestwinde anhalten, gelangt die Asche auch nach Deutschland, erklärt Bork.
Tagelanges Flugverbot möglich
Wohl erst in der Nacht zum Sonntag bestehe die Möglichkeit, dass der Wind auf West drehe - doch selbst dann dürfte die Aschewolke nicht gleich verschwinden. Denn Satellitenbilder zeigen auch über Westeuropa große Aschemengen, für Nachschub scheint also auch aus dieser Richtung gesorgt. Ein tagelanges Flugverbot scheint demnach möglich.
Das Verkehrsministerium entscheidet über Flugverbote aufgrund von Daten der Wetterdienste und des Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) in London. Das VAAC beliefert die nationalen Wetterdienste mit Informationen über die aktuelle Lage. Die Analyse der Aschewolke ist ein komplexer Vorgang: Ihre Ausdehnung ist nicht einfach zu messen, viele Teilchen sind nur mit ultraviolettem Licht zu entdecken. Doch UV-Sensoren funktionieren nur am Tag. Zudem hängt die Gefährlichkeit der Wolke von vielen Faktoren ab, wie etwa ihrer Zusammensetzung, ihrer Höhe und ihrer Geschwindigkeit.
Malerische Sonnenuntergänge
Regen könnte größere Mengen Asche aus der Luft waschen, doch Meteorologen erwarten für Freitag sonniges Wetter in Deutschland. Vereinzelt jedoch könnte sogenannter " Blutregen niedergehen": Rostfarbene Staubpartikel schweben dann herab und schimmern auf Autodächern.
Auswirkungen auf das Klima sind nach neuesten Messungen bislang nicht zu befürchten. Inwieweit Vulkanstaub die globalen Temperaturen kurzfristig ändert, hängt davon ab, wie viel Schwefeldioxid (SO2) der Berg in hohe Luftschichten schleudert. SO2 verbindet sich mit Wasser zu Schwefelsäure. Die Säuretröpfchen legen sich als feiner Schleier um den Globus und kühlen die Erde wie ein Sonnenschirm. Offenbar sind beim jüngsten Ausbruch in Island aber keine klimawirksamen Schwefelmengen in höhere Luftschichten gelangt. Doch das könnte sich ändern: Der Ausbruch des Eyjafjallajökull könnte noch mehrere Wochen andauern und noch große Mengen Schwefelverbindungen fördern.
Die Aschewolke über Nordeuropa beeinflusst auch die Reisepläne von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Am Vormittag befand sich die Kanzlerin auf dem Rückflug von ihrer USA-Reise über dem Atlantik, sagte ein Regierungssprecher am Freitag in Berlin. "Sollte es die Flugsicherheit erforderlich machen, würde die Flugroute der Kanzlerin angepasst werden."
Bislang war Merkels Landung für 15.30 Uhr in Berlin geplant. Doch der Luftraum der Hauptstadt wurde zumindest bis Freitagmittag gesperrt. Es war noch nicht absehbar, wann die Berliner Flughäfen wieder offen sein werden.
Unklar war am Freitagvormittag auch, wann und wo Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in Deutschland landen wird. Guttenberg wollte mit den in Afghanistan verletzten Soldaten noch am Freitag nach Deutschland fliegen.
Erfreuliche Folgen des Vulkansausbruchs zeigen sich abends und morgens: Die Aschewolke färbt Sonnenuntergänge und Sonnenaufgänge tiefrot - ein Gruß aus der vulkanischen Hexenküche im Untergrund Islands.
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