Washington - In den USA hat Floridas Gouverneur Charlie Crist angesichts der Ölkatastrophe für Teile seines Bundesstaates den Notstand erklärt. Er unterzeichnete am Freitag eine entsprechende Entscheidung. Betroffen seien sechs an der Küste gelegene Landkreise im Nordwesten, dem sogenannten Panhandle, teilte das Büro des Gouverneurs am Freitag mit. Damit kann der Bundesstaat nun Notmittel einsetzen und Unterstützung aus Washington anfordern, um gegen die Folgen des Bohrinsel-Unglücks in der vergangenen Woche anzukämpfen.
Erst am Vortag war der Notstand für den weiter westlich gelegenen Bundesstaat Louisiana erklärt worden. Gouverneur Bobby Jindal forderte die Unterstützung der Nationalgarde im Kampf gegen die Ölpest an. Beim Verteidigungsministerium beantragte er am Freitag die Finanzierung des Einsatzes von bis zu 6000 Soldaten für mindestens 90 Tage. Zugleich erklärte die US-Regierung in Washington die Ölpest zur "nationalen Katastrophe". Starke südöstliche Winde trieben am Freitag bereits erste Ölschlieren in das Küstengebiet um das Mississippi-Delta.
In der Gegend um Venice ganz im Süden Louisianas berichteten Augenzeugen, dass öliges Wasser durch die raue See über die ausgelegten Barrieren schwappe. "Sie halten das Öl nicht draußen", sagte der Chef des Landkreises Plaquemines Parish, Billy Nungesser, der Zeitung "Times-Picayune" nach einem Flug über die Gegend. "Es wird schlimmer werden, bevor sich eine Besserung einstellt." Die ruppige See habe sogar eine Öl-Barriere versenkt.
In Florida, Alabama und Mississippi ist die Fischerei in Gefahr, die das Hauptstandbein der örtlichen Wirtschaft ist. Die US-Rating-Agentur Fitch bezifferte den wirtschaftlichen Schaden auf zwei bis drei Milliarden Dollar (1,5 bis 2,2 Milliarden Euro).
Bislang gingen in Louisiana und in Alabama bereits acht Klagen gegen den Betreiber der Bohrinsel, den britischen Ölkonzern BP, ein. Vertreter einzelner Berufsgruppen, unter anderem der Fischerei, der Gastronomie, der Tourismus- und der Immobilienbranche, werfen BP vor, keine ausreichenden Vorkehrungen zur Vermeidung einer solchen Umweltkatastrophe getroffen zu haben.
In jedem Fall stellt das Desaster die Energiefirmen vor essentielle Fragen. Ursache der Katastrophe ist die Havarie einer Ölplattform im Golf von Mexiko am 20. April. Die "Deepwater Horizon" war nach einer Explosion im Meer versunken, elf Menschen kamen nach derzeitigen Erkenntnissen ums Leben. Mit der "Deepwater Horizon" hatte der Tiefsee-Bohrspezialist Transocean für den Energieriesen BP nach Öl gebohrt. Nach der Explosion speit der Meeresgrund nun in gut 1500 Meter Tiefe riesige Mengen Öl. 800.000 Liter, gut 700 Tonnen, sprudeln täglich aus drei Lecks.
BP hat zehn Unterseeroboter im Einsatz, die bislang erfolglos versuchen, das Leck in 1500 Metern Tiefe zu schließen. Gleichzeitig bauen Ingenieure eine riesige Kuppel, um das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche einzufangen und von dort abzupumpen - doch deren Fertigstellung dauert mindestens zwei Wochen.
otr/dpa/Reuters/AFP
Auf anderen Social Networks posten:
In jedem Fall steht das Desaster die Energiefirmen vor essentielle Fragen. soll wohl heißen: In jedem Fall stellt das Desaster die Energiefirmen vor existentielle Fragen. mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Natur | RSS |
| alles zum Thema BP | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH