Von Daniela Schröder
In diesem Punkt warnen die Forscher auch vor einem Bevorzugen der neuen Technologie: Wenn Kohlekraftwerke das Recht bekommen, Abgase in die knappen Erdspeicher zu pumpen, dann konkurriert CCS mit der Geothermie oder mit Druckluftspeichern für Windstrom. Der Umwelt-Sachverständigenrat befürchtet durch die Speicherfrage ein "indirektes Subventionieren" und eine "Wettbewerbsverzerrung" zu Lasten erneuerbarer Energien.
Dabei steht hinter dem tatsächlichen Nutzen von CCS ohnehin ein großes Fragezeichen. Mit der Technik lassen sich unter dem Strich maximal 80 Prozent der CO2-Emissionen einfangen, heißt es beim Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Gleichzeitig sinke der Wirkungsgrad eines Kraftwerks um bis zu 44 Prozent, wodurch entsprechend mehr Kohle verbrannt werden muss. Auch der Wasserbedarf steige um gut 90 Prozent. Die höheren Kraftwerkskosten durch CCS wiederum müssten die Verbraucher tragen - verschiedene Studien gehen von nahezu doppelt so hohen Strompreisen aus.
Ungeklärte Haftungsfrage
Bisher gibt es keine bundesweiten Regeln, die das Einlagern von Kohlendioxid in großem Stil erlauben. Unter der ehemaligen großen Regierungskoalition war ein entsprechendes Gesetz in letzter Minute gescheitert. Grund dafür war die heikle Haftungsfrage: Die Verantwortung für die unterirdischen CO2-Lager sollte 30 Jahre nach dem Abschalten eines Kraftwerks auf die jeweiligen Bundesländer übergehen. Viel zu kurz, fanden vor allem Politiker aus Norddeutschland. Denn dort liegen - abgesehen von den ostdeutschen Bundesländern - die meisten potentiellen Speicher. Und dort waren Bürger bereits auf die Barrikaden gegangen, als der Energiekonzern RWE
Pläne für ein CO2-Lager in Schleswig-Holstein verkündete - und wegen des massiven Protests auch gleich wieder auf Eis legte.
Schwarz-Gelb will nun einen zweiten Anlauf für ein CCS-Gesetz wagen. Vielmehr muss Berlin sich daran machen, denn laut einer EU-Richtlinie sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, bis Sommer 2011 entsprechende Regeln zu schaffen. Wann Deutschland soweit sein wird, ist jedoch unklar. Man befinde sich in der Anfangsphase, so der dürre Kommentar aus dem Bundesumweltministerium. Angeblich denkt man dort über ein sogenanntes Vorschaltgesetz nach. Es würde zunächst nur das Ausprobieren der Technologie in einigen Kohlekraftwerken erlauben.
Darunter auch das brandenburgische Jänschwalde. Die Bürger im Oderbruch wittern nun Klientelpolitik aus Berlin - auch in Schleswig-Holstein regieren CDU und FDP. "Wir in Ostdeutschland sind keine Bürger zweiter Klasse", empört sich eine Protestgruppe. Wenn in Schleswig-Holstein kein CO2 eingelagert werde, dann müsse auch Brandenburg verschont bleiben.
Nur ein Vorwand für den Bau neuer Kohlekraftwerke?
Dass niemand eine neue Technik in den Vorgarten gepflanzt bekommen möchte, ist bei Windrädern und Solarzellen nicht anders. Doch im Fall des CO2-Einspeicherns geht es letztlich um Energie aus einem nicht erneuerbaren Rohstoff. "Der Einsatz fossiler Brennstoffe würde auch mit dem Einsatz der CCS-Technik nicht nachhaltig", kommentiert das Umweltbundesamt. Gegner von CCS vermuten ohnehin, dass alles nur ein Vorwand sei, damit die Energiekonzerne in den kommenden Jahren neue Kohlekraftwerke bauen können. Mithilfe von CCS werde lediglich versucht, der Kohle einen grünen Anstrich zu geben, sagt Hans-Josef Fell, Energieexperte der Bündnisgrünen. Forschungsgelder für CCS bereitzustellen, sieht er als "sinnlose Investition in die Vergangenheit".
Zum Erreichen der europäischen Klimaschutzziele kommt CCS ohnehin zu spät. Selbst die Industrie gibt zu, dass es frühestens 2020 so weit sein wird - bis dahin werden alte und neue Kraftwerke das CO2 weiter in die Luft blasen.
Befürworter der Technik argumentieren zwar, CCS sei eine optimale Brückentechnologie auf dem Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien. "Der Übergang ist in Deutschland auch ohne CCS möglich", kontert jedoch der Münchner Umwelt- und Energiewissenschaftler Martin Faulstich. Und wenn es mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien so rasant weiter geht wie bisher, sagt Faulstich, wird Deutschland schon in 15 Jahren auf Kohlestrom verzichten können.
Und auch in einem aktuellen SRU-Gutachten heißt es: "CCS stellt nach Einschätzung des SRU eine zwar mögliche, aber nicht nachhaltige und nicht erforderliche Strategie zur Reduktion von Treibhausgasen aus konventionellen Kraftwerken mit sehr beschränktem Gesamtvolumen dar."
CCS als Export-Chance
Ebenso glaubt das Wuppertal-Institut nicht an ein Brückenpotential des CO2-Versenkens. "Die Klimaschutzziele in Europa können wir ohne CCS erreichen", sagt Vizepräsident Manfred Fischedick. "Allerdings sollten wir die Technik entwickeln, um etwas in der Hand zu haben, falls es mit den Erneuerbaren nicht schnell genug voran geht." Vor allem aber, sagt Fischedick, biete CCS eine Exportchance: Boomländer wie China und Indien bauen derzeit ein Kohlekraftwerk nach dem anderen.
Doch solange es kein Gesetz gibt, kann die Industrie nicht loslegen. "Noch ist Deutschland in der Technologie führend, aber das verspielen wir gerade", sagt Vattenfall-Sprecher Damian Müller. In der Luft zu hängen sorgt bei dem Energiekonzern für Unruhe. Denn die technischen Vorbereitungen sind weit, und in das Vorführwerk Jänschwalde sollen satte 1,5 Milliarden Euro fließen. Ohne die CCS-Technologie werde Brandenburg 5000 Arbeitsplätze verlieren, warnte jüngst Vattenfall-Vorstand Reinhardt Hassa.
Arbeitsplätze sind heutzutage nie sicher, sagen die Menschen im Oderbruch. Und was nützen Technologievorsprung und Exportpotentiale, wenn unsere Sicherheit auf dem Spiel steht? "Es wird keinen Kompromiss geben, wir kämpfen weiter", sagt CCS-Gegner Stumpe. "Keiner soll später sagen können, er habe doch von nichts gewusst."
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Nicht ganz. Klar gibt es immer Gegner gegen Alles und Nichts. Sei es die kleinste Minderheit gegen das was von (fast) allen Vernunft bezeichnet wird. Das ist so weit auch in Ordnung. Ein Vetorecht sollte absoluten [...] mehr...
Hallo Maschinchen: Es bleibt Ihnen unbenommen, den Klima-Schwindel zu glauben. Falls Sie sich doch gründlicher informieren wollen, empfehle ich Ihnen insbesondere den ausführlichen Essay "Klima-Wandel? Klima-Schwindel!" [...] mehr...
Zwischenzeitlich sind über 170 Wissenschaftlern weitere Beweise von Herrn Enger zugegangen. Gegenbeweise zu diesen Beweisen konnten bisher nicht erbracht werden. mehr...
Das ist also der Grund, warum anthropogenes CO2 nicht ursächlich für den Klimawandel sein kann. Danke für die Aufklärung. mehr...
http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Dieter_Enger Engers Theorien sind somit nicht nachzuvollziehen und zeugen im Allgemeinen von wenig Kenntnissen in Chemie, Physik, Pflanzenphysiologie und Klimatologie. mehr...
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