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14.05.2010
 

Treibhausgas

Zu viel CO2 lässt Ackerpflanzen verkümmern

Von Christoph Seidler

Reisfeld in Indien: Mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre kann kontraproduktiv seinZur Großansicht
AFP

Reisfeld in Indien: Mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre kann kontraproduktiv sein

Gibt es Gewinner des Treibhauseffekts? Pflanzen müssten von steigenden CO2-Werten in der Atmosphäre profitieren - weil Photosynthese und Wachstum auf Trab kommen, heißt es oft. Doch jetzt stellt sich heraus: Den meisten Pflanzen können höhere Kohlendioxidkonzentrationen sogar schaden.

Die Fieberkurve ist von brutaler Eindeutigkeit: Die Konzentration von Kohlendioxid in der Erdatmosphäre steigt und steigt. Derzeit liegt sie bei rund 390 Teilchen pro eine Million Teile Luft (ppm). Für das Klima in großen Teilen der Welt wird das Hasten von einem CO2-Rekord zum anderen voraussichtlich dramatische Folgen haben.

Während es für viele Menschen und Tiere künftig ungemütlich zu werden droht, sollte das Treibhausgas für Pflanzen eigentlich eine segensreiche Wirkung haben. Denn sie können das CO2 bei der Photosynthese für sich nutzen - und so zum Beispiel in der Landwirtschaft bessere Erträge bringen. Gerade Klimaskeptiker verweisen gern auf diesen Effekt: Wie, so argumentieren sie, kann ein Gas schlecht sein, das der Menschheit mehr Nahrung bescheren könnte? Außerdem würden die mit Kohlendioxid "gedüngten" Pflanzen auch größere Mengen Kohlenstoff binden, also aus der Atmosphäre entfernen.

Doch neue Forschungsergebnisse machen eindrücklich klar, dass diese Rechnung wohl in den meisten Fällen nicht aufgehen wird.

Denn steigende CO2-Konzentrationen in der Luft helfen längst nicht allen Pflanzen beim Wachsen. Viele Arten können in einer von Kohlendioxid geschwängerten Atmosphäre weniger Stickstoff aus dem Boden aufnehmen. Fehlt aber dieser wichtigste Wachstumsförderer, bekommt das Gewächs Schwierigkeiten, etwa beim Aufbau von Kohlenhydraten. Von steigenden Kohlendioxidwerten können diese Pflanzen also gar nicht profitieren, berichten Forscher um Arnold Bloom von der University of California in Davis im Fachmagazin "Science".

Leider machen diese sogenannten C3-Pflanzen den größten Teil der pflanzlichen Biomasse auf der Erde aus. Bei ihnen kommt der Grundtypus der Photosynthese zum Einsatz: Energiearme Stoffe werden unter dem Einfluss von Licht in energiereichere Verbindungen umgewandelt. Allerdings funktioniert das in diesem Fall nur dann, wenn es nicht zu heiß oder zu trocken ist. Ansonsten schließen die C3-Pflanzen die Spaltöffnungen ihrer Blätter. Das verringert zwar die Verdunstung, stoppt aber auch die CO2-Zufuhr - und damit die Photosynthese.

"Stark abhängig von Nitraten als Stickstoffquelle"

Um ihre Photosyntheseprodukte aufbauen zu können, brauchen Pflanzen unbedingt Stickstoff. Normalerweise kommt der in Form von Nitrat- und Ammonium-Ionen aus dem Boden. Über die Wurzeln werden die kleinen, in Wasser gelösten Stärkungspakete aufgenommen - und wo die segensreichen Substanzen fehlen, können Landwirte und Gärtner mit Dünger nachhelfen. Bloom und seine Kollegen konnten nun aber zeigen, dass zumindest für Weizen (eine einkeimblättrige Pflanze) und Schaumkresse (eine zweikeimblättrige Pflanze) die Weiterverarbeitung von Nitrat-Ionen durch steigende CO2-Werte behindert wird.

Das Problem ist gravierend. "Pflanzen in gemäßigten Klimazonen sind normalerweise stark abhängig von Nitraten als Stickstoffquelle", sagt Bloom im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Doch genau diese Pflanzen litten unter steigenden CO2-Werten. In manchen Fällen würden sie bei höheren Kohlendioxidkonzentrationen gar schrumpfen. "Außerdem gehen die Proteinmengen in Nahrungsmitteln zurück", sagt Bloom.

Um sicher zu gehen, setzten die Forscher fünf verschiedene Messverfahren ein. Doch das Ergebnis war immer gleich - jedenfalls in Bezug auf die Stickstoffaufnahme aus Nitrat-Ionen, die in der Landwirtschaft von großer Bedeutung ist. Bei vielen Kulturpflanzen könnten die steigenden CO2-Werte in der Atmosphäre deswegen früher oder später zu Problemen führen. Die Bauern wiederum könnten versuchen, das durch höheren Düngereinsatz zu kompensieren. Doch Bloom hält das für den falschen Weg: "Einfach mehr Dünger einzusetzen, wäre wirtschaftlich und ökologisch schlecht."

Immerhin: Bei Pflanzen, die sich ihre Nährstoffe aus Ammonium-Ionen holen, zeigten sich auch positive Effekte durch mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre. Und bei sogenannten C4-Pflanzen, die eine schnellere Photosynthese bei mehr Wärme und Licht durchführen, hatten Bloom und seine Kollegen vor Jahren schon nachgewiesen, dass die CO2-"Düngung" funktioniert. Allerdings gehören nur ganze fünf Prozent der Landpflanzen zu dieser Gruppe.

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02.06.2010 von rootgolem: nun

hat dieser Thread endlich sein verdientes Ende gefunden. Wie so oft, wurde der zugrunde liegende Artikel kaum behandelt. Stattdessen gab es berechtigte Einwände von Skeptikern, und es gab unglaublich arrogantes Geschreibsel von [...] mehr...

27.05.2010 von serafino: Titel

Arbeitsschützer können halt leider keine wissenschaftlichen Experimente beurteilen. Deswegen sind sie Arbeitsschützer und keine Wissenschaftler. mehr...

27.05.2010 von pandorasbox: ...

..was für ein Schwachsinn, erst unterstellen Sie mir "Gewaltphantasien" und dann werden Sie auch noch persönlich beleidigend indem Sie mich als "kleines Licht" bezeichnen...wie lächerlich und armseelig ist [...] mehr...

18.05.2010 von roadcrew: Asche auf mein Haupt

Zum Ersten: So kann man sich irren. Da bin ich einer alten Journalistenkrankheit erlegnm. Irgendwo mal aufgeschnappt, dass sich die online-Bereiche nicht tragen, prompt beim Lesen ihres Posts wachgerufen, geantwortet und auffe [...] mehr...

18.05.2010 von Daniel28: Grenze

Was man weiß, ist das einige landwirtschaftlich sehr wichtige Pflanzen nicht von höheren CO2-Gehalt profitieren, weil die Nitrataufnahme gestört wird. Gemessen hat man u. a. bei 390 ppm und 720 ppm CO2. Das betrifft [...] mehr...

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Wie funktionieren natürliche Kohlenstoffsenken?

Wälder

Wenn Bäume wachsen, dann nehmen sie über die Photosynthese Kohlendioxid auf. Je natürlicher die Wälder dabei sprießen, desto mehr CO2 kann gebunden werden. Den Kohlenstoff speichern die Pflanzen zum Beispiel in ihrem Holz oder in den Wurzeln. Wenn die Bäume absterben und verrotten - oder wenn sie verbrennen -, dann wird das CO2 wieder frei. Die Wälder sind also nur ein CO2-Zwischenlager. Wenn sich aber die Waldgebiete auf ehemals landwirtschaftliche Flächen ausdehnen - wie zumindest an einigen Stellen der Nordhalbkugel - dann ergibt sich eine positive Klimawirkung.

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