Von Axel Bojanowski
Der Ölteppich im Golf von Mexiko wird aller Voraussicht nach in Kürze in den Atlantik strömen. An der Ostküste der USA muss von Florida bis nach North Carolina mit verschmutzten Küsten gerechnet werden. Das zeigen Computersimulationen US-amerikanischer und deutscher Forscher. Der Golfstrom wird das Öl demnach auch im Nordatlantik verteilen: Mit einer Geschwindigkeit von 150 Kilometern pro Tag werde es in Richtung Nordosten driften. An Europas Stränden seien aber nur winzige Überbleibsel des Ölteppichs zu erwarten.
Zwar gelang BP heute im Kampf gegen die Ölpest ein Zwischenerfolg: Mit Hilfe von Unterwasser-Robotern konnte eine Absaugglocke auf das defekte Steigrohr gesetzt werden. Die Glocke fängt nach Angaben von BP einen Teil des ausströmenden Öls ab. Zur Menge konnte der Konzern jedoch bisher nichts sagen, und ob damit das Leck tatsächlich geschlossen werden kann, bleibt fraglich. Das bereits ausgetretene Öl ist ohnehin nicht mehr zu stoppen.
"Das Öl wird sich weit über den Golf von Mexiko hinaus ausbreiten", sagt der Ozeanograf Claus Böning vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel (IFM-Geomar) im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Signifikante Ölmengen" seien an der US-amerikanische Ostküste zu erwarten. Exakte Aussagen über den zeitlichen Ablauf ließen sich allerdings nicht treffen. Jedoch: Spätestens Mitte Juli werde das Öl vom Golfstrom erfasst werden - womöglich sei dies bereits sogar geschehen. Der Golfstrom transportiert gewaltige Wassermengen aus dem Golf von Mexiko bis in den Nordatlantik.
Seit der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April strömt unentwegt Öl in den Golf von Mexiko. Lang bestand die Hoffnung, die Verschmutzung könnte regional beschränkt werden: Das Öl sammelte sich zunächst abseits großer Strömungen in stehendem Wasser vor den Küsten Louisianas und Alabamas. Mitte Mai jedoch gelangten kleinere Mengen in den sogenannten Loop Current, einer schleifenförmigen Strömung, die das Wasser im Golf von Mexiko verteilt.
Die Computersimulationen des deutsch-amerikanischen Forscherteams zeigen nun, was geschieht: Der Loop Current erfasst das Öl mit 65 Kilometern pro Tag, es gelangt schließlich an eine entscheidende Stelle - an die Pforte zum Atlantik zwischen Miami und den Bahamas. Durch das Nadelöhr ergießen sich pro Sekunde etwa 32 Millionen Kubikmeter Wasser in den Atlantik. Die wichtigste Frage war: Wird das Öl durch die Passage gelangen? Die Simulationen sind eindeutig: ja.
Für die Simulationen fütterten die Forscher einen Großrechner am Los Alamos National Laboratory in den USA mit Daten. Sie injizierten einen virtuellen Farbstoff in ein Ozean-Strömungsmodell. Es teilt die Meere in ein Raster aus zigmillionen Kästchen, in denen mathematische Gleichungen die Ausbreitung des Wassers berechnen.
Szenarien, keine Vorhersagen
Zwar wurde die aktuelle Simulation noch nicht von Fachkollegen begutachtet. Aber frühere Rechnungen konnten die Ausbreitung des Wassers im Golfstrom recht gut nachbilden. Öl sei allerdings komplizierter zu berechnen als reines Wasser, räumt Böning ein. "Wir präsentieren Szenarien, keine präzisen Vorhersagen", ergänzt sein Kollege Synte Peacock vom National Center for Atmospheric Research in den USA. Insbesondere Wetterveränderungen und der Abbau des Öls durch Bakterien konnten nicht berücksichtigt werden.
Doch sechs Simulationen lieferten alle das gleiche Ergebnis: Den Rechnungen zufolge erreicht das verschmutzte Wasser spätestens drei Monate nach Entstehung des Öllecks den Golfstrom, erläutert Böning. Aktuelle Berichte der Küstenwache scheinen die Prognose zu bestätigen. In Florida wurden Ölklumpen gefunden. Offenbar treibe der Ölteppich bereits vor Floridas Küste - demnach hätte er die Pforte zum Golfstrom schon fast erreicht. Damit rechnet inzwischen auch die US-Wetterbehörde NOAA. Das Öl lässt sich vom Flugzeug aus nur schwer verfolgen, es breitet sich vor allem unter Wasser aus.
Der Golfstrom würde nicht nur einen oberflächlichen Ölteppich transportieren - vielmehr gelangt auch der tiefe Schmutz nach Norden: Die mächtige Wasserwalze reicht bis in etwa 500 Meter Tiefe. Sie schiebt sich mit bis zu 5000 Kilometer pro Monat nordwärts. Für die US-Südostküste sehe es "nicht so rosig" aus, sagt Martin Visbeck vom IFM-Geomar. Dort könnte der Sommerurlaub durch Ölverschmutzungen am Strand beeinträchtigt werden.
Der Küstenzipfel von North Carolina lenkt den Golfstrom schließlich nach Nordosten Richtung Europa. Dort zerfällt er in einzelne Wirbel, das Wasser verteilt sich über eine große Fläche. Nach etwa fünf bis acht Jahren erreicht die Strömung europäische Gewässer. "Doch dann", sagt Böning, "werden sich nur noch vereinzelt Ölpartikel aus dem Golf von Mexiko darin finden."
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Vieles muss noch widersprüchlich bleiben, auch wenn es in den von Ihnen verlinkten Artikeln oft wie belegt erscheint, weil man keine Erfahrungen hat wegen der Tiefe der Bohrung hier und dem Versuch, die Sache mittels [...] mehr...
Die Angst war nur kurz. Mittlerweile ist die Katastrophe und ihre Folgen, zumindest in den Medien weites gehend beseitigt. Die Zeitleisten sind angehalten. Der Zustand hat sich stabilisiert. Warum steht nicht neben der [...] mehr...
Der große Coast Guard Admiral Thad Allen und seine Mannen sind auch nicht erreichbar. Die sind zu viel mit den Fernsehinterviews beschäftigt! Ich habe schon vorgeschlagen das Förderrohr zusammenzuquetschen, sogar mit einer [...] mehr...
> Danke an die amerikanische Logik, Cheers zurück! Was soll daran amerikanisch sein? Noch nie die Zeit gelesen? > So wie die Aschewolke verschwunden ist, löst sich auch das Öl ins Nichts auf, nicht wahr? Hats bis [...] mehr...
Weder Vulkanasche noch Ölverschmutzung sind von irgendwelchen bösen Wissenschaftlern herbeiphantasiert worden. Sie existieren nicht in den Hirnen abgedrehter Spinner sondern waren/sind ganz real vorhanden. Die Aschewolke [...] mehr...
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