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13.06.2010
 

Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

"Ich muss zuversichtlich sein"

Aus Grand Isle, Louisiana, berichtet Philip Bethge

Solange er denken kann, ist Floyd Lasseigne Fischer auf Grand Isle vor der Küste Louisianas. Jetzt muss er mitansehen, wie die Ölpest im Golf von Mexiko sein Leben zerstört. "Die ganze Sache macht mich krank," sagte der 46-Jährige.

Die Austern liegen im Wasser wie stille Boten der Katastrophe. Ein silbrig glänzender Ölfilm zieht sich über die Schalen der Tiere. Schlierig schwappt die Brühe über die flache Austernbank von Floyd Lasseigne.

Mit einem kleinen Beil löst der Fischer ein paar der Muscheln vom Grund und hebelt sie vorsichtig auf. Glitschiges, weißes Austernfleisch quillt heraus. Lasseigne beugt sich hinunter, hält die Nase ganz dicht an das Meerestier. "Man kann das Öl riechen", sagt der stämmige Mann und reicht die Auster herüber. Dann wendet er den Blick ab, die Augen rotgeädert von Nächten ohne Schlaf, und blickt hinüber zu dem Marschgras, dessen Stängel bis zur Hochwasserlinie mit dreckig-braunem Öl verschmiert sind. "Die ganze Sache macht mich krank", sagt Lasseigne: "Das hier ist meine Leben, jetzt sehe ich, wie alles den Bach runtergeht."

Am späten Nachmittag ist der Fischer aufgebrochen, um nach seinen Austernbänken vor Madacant Island zu sehen. Den Bajou Rigaud ist er in seinem flachen Boot mit den zwei starken Außenbordern hinaufgefahren, vorbei an den Docks von Grand Isle, wie fast jeden Tag in den vergangenen 27 Jahren. Draußen auf der Barataria-Bay hat er die Kutter seiner Kollegen gesehen, wie sie versuchen, das Öl für BP vom Meer abzuschöpfen.

"Ich will nicht auch noch mein Leben verlieren"

"Vessels of Opportunity" nennt der Ölriese das Programm, als gäbe es eine Gelegenheit zu ergreifen. BP zahlt den Fischern gutes Geld. Doch gerade mussten vier von ihnen ins Krankenhaus, weil sie mit jener Chemikalie in Kontakt kamen, die das Öl binden soll. Lasseigne hat nicht bei BP unterzeichnet. "Ich verliere gerade meine Lebensgrundlage", sagt er, "ich will nicht auch noch mein Leben verlieren, nur weil ich mit dem Öl arbeite."

Der 46-Jährige hat ein rundes Gesicht, kräftige, ruhige Hände, den Brustkorb eines Ringers. Er ist ein Mann, der im Einklang scheint mit seinem Leben an der Küste, mit seiner Arbeit im Rhythmus der Tiden und der Jahreszeiten. Sein Vater hat so gelebt, sein Großvater und sein Urgroßvater. Wie viele hier fischt er, seit er denken kann. Das Meer ist alles, was er hat.

Doch seit am 20. April 40 Meilen draußen vor der Küste die "Deepwater Horizon" explodierte, ist nichts mehr wie es war auf Grand Isle an der Küste Louisianas. Die Insel, eine Bootsstunde westlich der Mississippi-Mündung gelegen, markiert die Frontlinie im Kampf gegen das Öl. In dicken Flatschen klebt es bräunlich-rot auf den Stränden. Hinter der Insel sickert es in die Salzmarschen. Es verklebt die Federn von Pelikanen, Reihern und Seetauchern. Es verseucht die Muscheln, die Krebse und das Land. Giftige, stinkende Schwaden ziehen vom Meer her über die schmale Insel. Es ist eine Katastrophe, wie sie es hier, auf diesem regelmäßig von Orkanen erschütterten Flecken Erde, noch nicht erlebt haben.

BP versucht mit Schadensersatz die Wut einzudämmen

"Hurrikan 'Katrina' war nichts gegen das; wir kennen das; wir müssen uns um Trinkwasser und Elektrizität kümmern; doch das hier ist anders, das hier kann Jahre dauern - wenn die Fischer überhaupt jemals wieder auf die Beine kommen." Carmardelle sitzt in seinem Büro im Rathaus von Grand Isle, vor sich einen dunklen Furnierholzschreibtisch. Hastig beantwortet er die Fragen, während ohne Unterlass das Telefon klingelt. Morgen kommt US-Präsident Obama auf die Insel. Und Carmardelle, siebenfach wiedergewählt in sein Amt, will dem Mann aus Washington deutlich sagen, was auf dem Spiel steht. Am Vorabend hat er mit angereisten Experten aus Alaska zusammengesessen. Es ging natürlich um das Tankerunglück der Exxon Valdez. Spätestens seither weiß Carmardelle, wie zäh der Kampf für seine Insulaner werden kann.

"Obama muss mehr Druck auf BP ausüben", sagt er. Und ja, natürlich ist die Wut groß hier auf die Firma und BP-Chef Tony Hayward.

Überall hängen auf Grand Isle die selbstgemalten Plakate am Straßenrand. "BP, du hast unsere Zukunft und unser Erbe ruiniert"; "BP, du tötest unsere Tiere und unser Ökosystem". Die Ölfirma versucht, die Wut einzudämmen. Kaum einen Steinwurf vom verölten Strand entfernt, im Grand Isle Community Center hat sie ein "Informationszentrum" aufgemacht. Wer hier Schadensersatzforderungen stellt, läuft nach kurzer Zeit mit einem Scheck aus der Tür, 2500 Dollar für "Deckhands", 5000 Dollar für Kapitäne.

"Teilvergleich" steht auf dem Scheck, eine Art Anzahlung für den Einkommensausfall. Auch Floyd Lasseigne lief schon über den Linoleumboden zu den BP-Leuten und fühlte sich wie einer, der betteln muss. Er kann nur bitter lachen. "Bald ist die Versicherung für mein Haus und mein Auto fällig; damit ist das BP-Geld weg", sagt der Fischer. Ob und wann er noch mehr Ausgleichszahlungen bekommt, hat ihm niemand gesagt. "Warum geben die mir nicht Geld für fünf Jahre", sagt er, "danach sehen wir weiter."

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09.11.2010 von vielblabla:

"US-Ermittler geißeln branchenweiten Leichtsinn" Und? - wird die Geißel bald gegen Zahlung eines Lösegelds freigelassen oder im Hinterhof verscharrt. mehr...

09.11.2010 von nitram1: Wieder mal ein Ideologie verbreitender Artikel!

Die Nachricht: Öl ist so gefährlich wir sollten die Förderung komplett verbieten! Gut, dass unsere weisen Politiker das EEG eingeführt haben. Auch wenn dadurch alles hundertmal so teuer ist und unsere Arbeitsplätze verloren [...] mehr...

09.11.2010 von SURE: ....

Das ist der zwangsläufige Schluss. Oder haben SIe schon mal gesehen, dass man ein Auto kauft, welches 300 kmh fahren könnte und welches mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 50kmh ausgestattet ist. Gemerkt haben wir nur [...] mehr...

08.11.2010 von capitain_future: ÖL Absauger -Der neue Markt

Wie wäres mit einen neue Markt der "Tiefseeboden Öl Absauger" ? Also Schiffe die das Öl orten und per langen Schlauch das ausgetretene Öl der zerstörten Plattform am Meersboden absaugen. mehr...

06.11.2010 von AntonRedlich: Unsinn und nochmals Unsinn

Wir waren Ende Sept.-Anfang Aug. in New Orleans und Umgebung. Es ist nichts aber wirklich nichts von dem Disaster zu entdecken. Die Strände sind sauber, das Swamb um NO erscheint unbeschädigt. Der ganze Medienhype erscheint wie [...] mehr...

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