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11.06.2010
 

Klimagipfel in Bonn

Treffen bringt keinen entscheidenden Durchbruch

Aktivisten in Bonn (am 11. Juni 2010): Noch zwei Vorbereitungstreffen für MexikoZur Großansicht
ddp

Aktivisten in Bonn (am 11. Juni 2010): Noch zwei Vorbereitungstreffen für Mexiko

Ein 22-seitiger Dokumentenentwurf, über den aber noch weiter verhandelt werden muss: Der Klimagipfel von Bonn ist ohne greifbare Ergebnisse zu Ende gegangen. Einen Eklat gab es, weil Klimaaktivisten ihre Wut über fehlende Erfolge gegen Saudi-Arabien richteten.

Bonn - Schön, dass wir darüber geredet haben! Zwei Wochen lang haben die rund 4500 Klimadiplomaten aus aller Welt über ein neues Abkommen verhandelt. Herausgekommen ist dabei wenig Greifbares. Vielleicht ist aber immerhin die Stimmung bei einigen Verhandlern wieder etwas besser geworden. Gleichzeitig sorgte eine problematische Protestaktion, die sich gegen Saudi-Arabien richtete, in Bonn für Aufregung.

Zur Vorbereitung des nächsten Weltklimagipfels Ende des Jahres im mexikanischen Cancún wird es nun noch zwei weitere größere Uno-Konferenzen geben: Anfang August wiederum in Bonn und dann im Oktober in Peking. Mit einem fertigen neuen Abkommen zum globalen Klimaschutz ist wohl auch in Mexiko noch nicht zu rechnen. Auch eine Fortführung des Kyoto-Protokolls für die Zeit nach 2012 ist derzeit noch offen.

Einige Umweltorganisationen kritisierten die Ergebnisse von Bonn als zu dürftig. Im aktuell vorliegenden Verhandlungstext, über den die Staaten noch entscheiden müssen, wird die Notwendigkeit von "tiefen Einschnitten" beim globalen Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen betont. Noch in Klammern - also als Option - steht unter anderem das Langfristziel, die Erderwärmung auf 1,5 oder 2 Grad Celsius zu begrenzen. Kritiker halten diese Formulierungen für unzureichend.

Außerdem steht im Entwurf, dass der Höhepunkt des globalen und nationalen Treibhausgasausstoßes bis 2020 erreicht werden soll. Die globalen Emissionen sollen dann bis 2050 um insgesamt mindestens 50 bis 85 Prozent (gegenüber 1990) vermindert werden. Die Industrieländer allein sollen eine erhöhte Minderung von mindestens 80 bis 95 Prozent leisten. Bis 2020 sollen die Industrieländer eine Reduzierung von 25 bis 40 Prozent erreichen, wobei das Basisjahr noch offen gelassen ist.

Umweltschützer kritisieren "hochriskantes Spiel" der Industriestaaten

Für die Minderung der Treibhausgase gab es allerdings in Bonn keine neuen Angebote oder Vorschläge von Seiten der Industrieländer. Ungelöst blieben auch die Vergabemechanismen und Kriterien der zugesagten Finanzhilfen reicher Staaten an ärmere Länder. Vertreter der Entwicklungsländer kritisierten, dass von den zugesagten 25 Milliarden Euro Soforthilfe für 2010 bis 2012 bisher noch kein Geld geflossen sei.

Die Bonner Konferenz habe nicht klären können, was in Cancún beschlossen werden soll, sagte der Klima-Koordinator von Greenpeace, Martin Kaiser. "Es ist auch nicht klar, wann ein ambitionierter und gerechter globaler Klimavertrag unterzeichnet werden kann." Die Industriestaaten hätten sich erneut vor verbindlichen und ausreichenden Zusagen zur CO2-Minderung gedrückt, erklärte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Die Industriestaaten spielen ein hochriskantes Spiel, wenn sie verbindliche Zusagen immer wieder verschieben", sagte BUND-Klimaexpertin Antje von Broock. Die EU sollte vorangehen und ihre Minderungszusage bis 2020 von 20 auf 30 Prozent erhöhen.

Etwas positiver kommentierte der WWF die Verhandlungen: "In Bonn konnte verlorengegangenes Vertrauen zwischen Entwicklungs- und Industrieländern zurückgewonnen werden. Mit dieser Vertrauensbasis könnten in Mexiko einige wichtige Teilaspekte verabschiedet werden und den Weg bereiten für die Klimaverhandlungen in Südafrika", sagte Regine Günther, Leiterin Klima- und Energiepolitik des WWF.

Aufregung gab es um eine Protestaktion von Klimaaktivisten, die das offizielle Namensschild der Delegation von Saudi-Arabien in einer Toilette versenkt und dort fotografiert hatten. Die Bilder waren anschließend an einigen Wänden des Konferenzgebäudes gezeigt worden. Mexiko erklärte, man werde eine Untersuchung des Vorfalles beim Uno-Klimasekretariat anmahnen. Unmittelbar vor der Aktion hatte sich Saudi-Arabien einem Antrag der kleinen Inselstaaten widersetzt, die Konferenz solle auch über tiefere Einschnitte bei CO2-Ausstoß nachdenken.

chs/dpa/ddp

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