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21.06.2010
 

IWC-Jahrestagung

Walfangkommission streitet über kontrollierte Jagd

IWC-Tagung in Agadir: "Rückschritt für den Walschutz"
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DPA

Die Tagung der Internationalen Walfangkommission hat mit einem Eklat begonnen: Wurde der Vorsitzende von der Walfangnation Japan bestochen? Ziel des Treffens ist die Abstimmung über ein Kompromisspapier, das den kommerziellen Walfang erlauben soll. Doch die Fronten sind verhärtet.

Agadir - Für Walschützer hätte das Timing nicht besser sein können: Pünktlich zum Start der Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) veröffentlichte die "Sunday Times" einen Bericht, wonach der IWC-Vorsitzende Anthony Liverpool unter Korruptionsverdacht steht. Der Botschafter von Antigua und Barbuda in Japan hat sich nach Recherchen der Wochenzeitung die Reise nach Agadir und das Luxushotel dort bezahlen lassen - und zwar ausgerechnet von der Walfangnation Japan.

"Wenn die IWC-Staaten diesen Vorsitzenden weiter dulden, dann dulden sie eine korrupte Walfangkommission. Die IWC verliert damit ihre Glaubwürdigkeit", sagte Sandra Altherr von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife. Angeblich war der bisherige IWC-Vorsitzende aus gesundheitlichen Gründen nicht ins marokkanische Agadir gekommen und wird deshalb von Anthony Liverpool vertreten. "Die IWC-Statuten fordern, dass jedes Land die Kosten für seine Teilnahme selbst tragen muss. Die Enthüllungen hätten heute zum Rücktritt des IWC-Vorsitzenden führen müssen. Doch die aktuellen Verhandlungen um einen Walfangkompromiss sollen offenbar um keinen Preis gestört werden", sagte Altherr. Liverpool soll die Verhandlungen zunächst weiter leiten.

Für noch größere Verärgerung bei den Walschützern sorgte aber die Tatsache, dass die IWC im marokkanischen Agadir zunächst hinter verschlossenen Türen tagt. "Die Kommission sticht als undemokratisches Gremium heraus", sagte Nicolas Entrup von der Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS.

Bei der Tagung sollen die 88 Mitgliedstaaten der IWC über einen Textentwurf abstimmen, der für Walschützer die Katastrophe schlechthin wäre: Nach rund 25 Jahren würde der Walfang in engen Grenzen wieder erlaubt. Die Fangquoten für Japan, Island und Norwegen sollen allerdings geringer werden als die rechtlich umstrittenen Fänge von derzeit insgesamt rund 1500 Großwalen pro Jahr. Weitere Nationen dürfen nach dem Papier keine Wale kommerziell fangen.

Bis 2015 soll die Zahl der zur Tötung zugelassenen Wale immerhin noch bei 90 Prozent der 2008/2009 getöteten Tiere liegen. Bis 2020 soll die Zahl der gejagten Wale dann sinken. Das Wissenschaftskomitee des IWC kritisiert, dass die vorgeschlagenen Zahlen zu hoch sind. Das gelte insbesondere für die Finn- und Minkwale im Nordatlantik, bemängeln die Wissenschaftler. "Die Wissenschaft wurde bei den Verhandlungen an den Rand gedrängt", sagte der US-Meeresbiologe Scott Baker, der dem IWC-Wissenschaftskomitee seit mehr als 15 Jahren angehört.

Deutschland setzt sich wie andere EU-Staaten sowie Australien für den Schutz der Meeressäuger ein und will davon auch einen EU-Beitritt Islands abhängig machen. Derweil hat Japan mit dem Austritt aus dem Gremium gedroht, sollte das seit 1986 international gültige kommerzielle Fangverbot nicht gelockert werden.

Tierschützer dagegen kritisieren die Pläne des IWC, Walfang auch in Schutzgebieten wieder begrenzt zuzulassen, vehement. "Wenn es einen Ort auf der Welt gibt, wo Wale unbedingt geschützt werden müssen, ist es das Südpolarmeer", sagte der WWF-Artenschutzexperte Volker Holmes. Er sieht bei der IWC-Sitzung in diesem Jahr die Chance, die Blockade zwischen Walfang- und Walschutzstaaten aufzulösen. "Grünes Licht für Waljagd im Südpolarmeer und auf bedrohte Arten wäre jedoch ein großer Rückschritt für den Walschutz."

Einige der stark geschrumpften Großwalpopulationen seien für die Nahrungssuche vollständig auf die antarktische Meeresregion angewiesen, sagte Holmes. Andere Gegner des Kompromisses kritisieren, die angestrebte Regelung würde die Jagd aus Profitstreben legalisieren und eine sterbende Industrie am Leben erhalten, die pausenlos von Tierschützern auf allen Weltmeeren attackiert wird.

Das Moratorium von 1986 hat zahlreiche Ausnahmen zugelassen. So ist beispielsweise der Walfang zu "wissenschaftlichen Zwecken" erlaubt. Kritikern zufolge ist das aber nur ein Vorwand für den kommerziellen Walfang. So hat Japans ungezügelte Jagd aus angeblich wissenschaftlichem Interesse samt erlaubter Verwertung der gejagten Tiere laut IWC dazu geführt, dass derzeit mehr Wale in Sushi-Bars landen als in Laboratorien von Forschern. Seit Inkrafttreten des Moratoriums wurden nach Angaben des Animal Welfare Institute in Washington etwa 33.600 Wale getötet.

cib/dpa/apn/AFP/ddp/

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