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24.06.2010
 

Überleben im Klimawandel

Forscher entdecken wärmerobuste Korallen

Von Susanne Schäfer

Sensible Meeresbewohner: Vergängliche Schönheit
Fotos
AP

Korallen der gleichen Art reagieren ganz unterschiedlich auf den Klimawandel: Manche halten erstaunlich hohe Temperaturen aus. Forscher meinen, das Rätsel gelöst zu haben - einige Korallenriffe könnten nun womöglich gerettet werden.

Korallen strahlen in leuchtenden Farben - wenn es ihnen gut geht. Doch sobald sie unter Stress geraten, bleichen sie aus und sterben oft sogar. Die globale Erwärmung scheint ihnen stark zuzusetzen: Die tropische Koralle montastraea faveolata etwa - einst war sie stark verbreitet - steht bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten. In manchen Gebieten schrumpfte die Population bereits um bis zu 90 Prozent.

Ein Team von amerikanischen Biologen glaubt nun, die Korallenart retten zu können. Die Forscher haben entdeckt, dass die mexikanische Variante der Korallenart besser mit Hitze zurechtkommt - mit ihr könnten Korallenriffe möglicherweise restauriert werden.

Die Forscher untersuchten Korallenlarven, die sie an zwei unterschiedlichen Orten gesammelt hatten - vor Key Largo in Florida und nahe Puerto Morales in Mexiko. Sie stellten fest, dass die beiden Gruppen unterschiedlich stark auf Hitze reagieren, obwohl sie zur selben Art gehören.

Die Populationen könnten sich unterschiedlich gut an die Folgen des Klimawandels anpassen, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "PLoS ONE". Die mexikanischen Vertreter der Korallenart montastraea faveolata kamen im Versuch besser mit wärmerem Wasser zurecht. Ihre Gene hätten sich auf das warme Wasser eingestellt, folgern die Forscher: Zwar haben die Korallen aus Mexiko und Florida das gleiche Erbgut. Allerdings sorgen andere Umweltbedingungen dafür, dass bei den Korallen andere Gene aktiv sind - ihre Organismen verhalten sich somit unterschiedlich. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass die Wassertemperatur in Mexiko einige Monate im Jahr höher ist als in Florida.

Ihre Erkenntnisse wollen Forscher jetzt für die Rettung gefährdeter Korallenriffe nutzen: Mit hitzerobusten Korallen könnten beschädigte Korallenriffe möglicherweise wiederhergestellt werden, erklärte Iliana Baums von der Penn State University, die an der Untersuchung beteiligt war, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Biologen züchten in Korallengärten die Tiere und pflanzen sie dann aus.

Eier-Ernte am Korallenriff

Für ihre Untersuchung tauchten die Forscher zu Korallenriffen hinab. An Stellen, wo Korallen sich fortpflanzen, fingen sie Eier und Samenzellen ein. In Aquarien zogen sie Larven heran.

Dabei teilten sie sowohl die Korallen aus Mexiko als auch die aus Florida in zwei Gruppen ein. So durften einige Tiere bei normaler Temperatur aufwachsen, die anderen mussten mit Wasser zurechtkommen, das ein bis zwei Grad Celsius wärmer war.

Der entscheidende Unterschied war: Die Korallen aus Florida zeigten deutlich häufiger Missbildungen als die mexikanischen. Ursache des Unterschieds sei die sogenannte Genexpression der Tiere: Das bedeutet, dass die Korallen aus Mexiko unterschiedliche Gene aktiviert hatten als jene aus Florida - abhängig von der Herkunft der Larven.

Innerhalb einer Art sei demnach genetische Anpassung möglich, meinen die Forscher. "Die Reaktion der Larven auf Veränderungen der Umgebung hängt davon ab, wo ihre Eltern lebten", resümiert Iliana Baums. Korallen, deren Eltern bereits in wärmerem Wasser lebten, sind offenbar auf die Erderwärmung besser vorbereitet.

mit Material von ddp

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