ThemaMeeresforschungRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
28.06.2010
 

Schadstoffe in Fischen

Salz aus Meerwasser verhindert Quecksilber-Abbau

Heringe: Meerestiere können mit giftigem Quecksilber belastet sein.Zur Großansicht
AP

Heringe: Meerestiere können mit giftigem Quecksilber belastet sein.

Fette Raubfische und Zuchtfische können giftiges Quecksilber enthalten. Forscher haben jetzt herausgefunden, warum Meerestiere mehr mit dem Schadstoff belastet sind als Süßwasserfische. Schuld ist offenbar eine besonders hartnäckige Verbindung mit dem Meersalz.

Fisch ist aus vielen Gründen gesund - man denke nicht nur an das lebenswichtige Element Jod sowie an die vielen mehrfach ungesättigten Fettsäuren - und sollte mindestens ein bis zwei mal in der Woche auf dem Speiseplan stehen. Das empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Doch immer wieder gerät der Fisch auch in Verruf. Stichwort: Dioxine, aber auch Quecksilber.

Erst Ende vergangenen Jahres meldete das norwegische Institut für Wasserforschung Niva im Auftrag des staatlichen Umweltamtes, dass der Quecksilbergehalt von Süßwasserfischen in Südostnorwegen seit 1991 um 60 Prozent gestiegen sei. Besonders giftig ist eine spezielle Quecksilberverbindung, das Methylquecksilber. Allgemein sind die Konzentrationen des Quecksilbers im Süßwasser weitaus höher. Doch weil Meerestiere stärker mit Methylquecksilber belastet sind als Süßwasserfische, stellt der Verzehr von Tieren wie etwa Thunfisch, Makrele oder Heilbutt ein größeres Gesundheitsrisiko dar.

Die Wissenschaftler um Heileen Hsu-Kim fanden jetzt heraus, aus welchem Grund das Methylquecksilber in Süßwasser besser abgebaut werden kann als in Salzwasser. Schuld daran ist offenbar das Salz: Im Süßwasser werden durch Sonneneinstrahlung hochreaktive Sauerstoffverbindungen aktiviert, die alle Arten von chemischen Verbindungen aufbrechen können. In diesem photochemischen Prozess werde das Methylquecksilber in weitaus weniger giftige Bestandteile zerlegt, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature Geoscience". Besonders leicht wird die zersetzende Reaktion ausgelöst, wenn sich das Methylquecksilber an organische Substanzen wie pflanzliche oder tierische Rückstände anlagert, die in Seen und Flüssen häufig zu finden sind.

Einlagerung in den Organen

In den Ozeanen sieht es anders aus. Da das Quecksilber im Meereswasser fest mit dem Salz verbunden ist, können die Molekülverbindungen nur schwer mit Hilfe des Sonnenlichts auseinandergebrochen werden. Daher wird es von vielen Meeresbewohnern aufgenommen und gelangt so in die Nahrungskette. Fische und Schalentiere lagern das Methylquecksilber in ihren Organen ein. Die Meeresbewohner sind daher die Hauptquelle für vom Menschen mit der Nahrung aufgenommenes Quecksilber.

Für die Belastung mit Quecksilber gibt es zwei Ursachen, eine natürliche und eine menschengemachte. Das giftige chemische Element wird vor allem durch Kohleverbrennung, die Produktion von Chlor, Zementwerke oder die Gewinnung von Gold freigesetzt. Als Gas gelangt der Schadstoff in die Luft und landet letztendlich in Gewässern und Meeren, wo er für lange Zeit im Wasser oder im Sediment verbleiben kann.

Je älter und fettreicher der Fisch ist und je weiter oben er in der Nahrungskette steht, desto stärker ist die Anreicherung mit Methylquecksilber. Die Konzentrationen im Thunfisch oder Heilbutt überschreiten oftmals die von der WHO festgelegte Höchstmenge.

Die gesundheitlichen Folgen einer Quecksilbervergiftung sind äußerst schwerwiegend: Das Spektrum reicht von Nieren- oder Leberschäden über neurologische Erkrankungen bis hin zum Tod durch Organversagen. Auch bei ungeborenen Kindern kann durch die Mutter weitergegebenes Quecksilber verheerende Schäden anrichten.

cib/ddp

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 10 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
29.06.2010 von pulegon: 'gesunder' Menschenverstand

Weil natürlich Methylquecksilber das Gleiche ist wie eine Quecksilber-Silberlegierung und es auch keinen Unterschied zwischen Methylquecksilber und Ethylquecksilber(das Stoffwechselprodukt von Thiomersal)gibt... Gratulation zu [...] mehr...

29.06.2010 von johannes9126: Ja, klar. *rolleyes*

Heutige Impfungen (Ausnahme Grippe) enthalten gar keine Quecksilberverbindungen mehr. Der Zusammenhang zwischen Impfung und Autismus konnte wissenschaftlich auch nie bewiesen werden. Amalgam kommt auch aus der Mode. Was wird [...] mehr...

29.06.2010 von spiegelleser987: Quecksilberanwendungen

Der Vertrieb von quecksilberhaltigen Thermometern, Blutdruckmessern usw. ist verboten. Wer noch welche hat darf sie weiterhin benutzen, ist aber zur ordnungsgemäßen Entsorgung verpflichtet. Kein Arzt wird seinen Blutdruckmesser [...] mehr...

28.06.2010 von bundespiepmatz: Und wer versucht das Meer?

Das Quecksilber in der Nordsee wird vornehmlich bei Erdgas- und Erdölbohrungen freigesetzt. Gegen diese Mengen aus den Bohrlöchern der Energielieferanten ist der Anteil aus Amalgan und Vakzin lächerlich gering. mehr...

28.06.2010 von coitusveritatis: Minamata-Krankheit

Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist Quecksilber aber auch, schon seit den Ägyptern. Heute beim illegalen Goldschürfen und auch bei der chemischen Industrie. Preiswerter als die vorhandenen Ersatzstoffe und billig herzustellen, [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Natur
alles zum Thema Meeresforschung

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verwandte Themen







TOP



TOP