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02.07.2010
 

US-Umweltkatastrophe

Riesentanker soll Öl aus dem Golf saugen

Schon bald könnte eine mächtige Waffe im Kampf gegen die US-Ölpest zum Einsatz kommen: Ein umgerüstetes Riesenschiff soll so viel klebrigen Dreck aus dem Golf von Mexiko filtern wie 650 normale Schiffe zusammen. Doch der Tanker "A Whale" wurde noch nie unter realen Bedingungen getestet.

Washington - Die "A Whale" ist ein Gigant, wie ihn noch niemand am Mississippi gesehen hat. So lang wie drei Fußballfelder und so hoch wie ein zehnstöckiges Haus liegt der umgerüstete Öltanker nördlich des kleinen Städtchens Venice vor Anker, mit einem riesigen blauen Wal als Emblem am Schornstein. Noch begrüßen Kapitän Sanio Radhakrishnan und seine 35-köpfige Crew vor allem Journalisten. Doch am Wochenende soll der schwimmende Riese endlich zeigen, was er kann. Dann will die US-Küstenwache ausprobieren, ob sich mit dem Schiff große Mengen ölverschmutzten Wassers im Golf von Mexiko reinigen lassen können. Bisher hat der Tropensturm "Alex" die Tests aufgehalten.

Die Erwartungen sind hoch, das machte der frühere Admiral der US-Küstenwache Thad Allen klar, der mittlerweile für das Weiße Haus den Kampf gegen die Ölpest leitet. Die "A Whale" soll täglich knapp 80 Millionen Liter verdrecktes Wasser aufnehmen und es vom Öl trennen können. Das sind beinahe so viel wie innerhalb der fast 70 Tage nach dem Unglück auf der "Deepwater Horizon" insgesamt gefiltert wurden - von teilweise bis zu 650 kleineren Schiffen.


Der Tanker hat auf jeder Seite zwölf Öffnungen, durch die das ölige Wasser einströmen soll. In den Tanks des Schiffes soll dann einfach die Schwerkraft die Arbeit erledigen: Das leichte Öl schwimmt oben. So lässt es sich durch mehrfaches Umpumpen vom Wasser trennen.

Während das gesäuberte Wasser später wieder ins Meer geleitet wird, soll die abgeschöpfte braune Brühe auf ein weiteres Schiff gepumpt werden. So weit, so gut. Doch die Küstenwache will den 335-Meter-Riesen erst zwei Tage lang im Mississippi-Delta testen und erst dann entscheiden, ob das Schiff tatsächlich dauerhaft zum Einsatz kommt. Denn es gibt einige unklare Punkte:

  • Wie gut arbeitet die "A Whale" tatsächlich? Gerade frisch in Südkorea gebaut, sollte das Schiff eigentlich Öl und Eisenerz transportieren. Doch dann wurde es ab Mitte Juni eilig in Portugal umgerüstet. Die "A Whale" wurde deswegen noch nie unter realen Bedingungen getestet.
  • Wie sauber ist das Wasser, nachdem es das Schiff wieder verlässt? Dazu will die US-Umweltbehörde Epa zunächst eigene Messungen anstellen. Denn klar ist: Auch das abgepumpte Wasser wird weiter Spuren von Öl enthalten. Und wenn die Messwerte zu hoch liegen, wäre das eigentlich ein Verstoß gegen Umweltschutzrichtlinien, die das Verklappen von Abwässern verbieten. Nötig wäre theoretisch ein Reinheitsgrad von 99.9985 Prozent. Ein Wert, der unter realen Bedingungen niemals zu erreichen sein dürfte.
  • Bekommen die taiwanischen Besitzer des Schiffes wenn nötig eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz? "Eine große Katastrophe braucht eine große Lösung", sagt Nobu Su, Chef des Eigners TMT Group. Doch gegenwärtig dürfte die "A Whale" nach US-Gesetzeslage unter Umständen gar nicht vor der Küste des Landes tätig werden. Der sogenannte Jones Act verbietet kommerzielle Aktivitäten von Schiffen fremder Staaten in der Nähe von US-Häfen. Ob das Gesetz tatsächlich den Einsatz der "A Whale" behindern könnte, ist aber nicht klar.
  • Wer zahlt für den Einsatz? Bisher hat BP das Schiff nicht von der Reederei TMT gemietet. Angaben zu den möglichen Kosten gibt es derzeit auch nicht. Klar ist nur: Der Umbau des 120-Millionen-Dollar-Schiffes habe sechs Millionen Dollar gekostet, erklärte TMT. Zwei weitere Schiffe, die "B Whale" und die "C Whale", würden derzeit gebaut beziehungsweise umgerüstet. Das erste von ihnen könnte nach Firmenangaben bereits Mitte Juli im Golf von Mexiko ankommen.


Das raue Wetter in der Krisenregion mit Sturmausläufern des Hurrikans "Alex" und hohen Wellen behindert weiterhin die Reinigungsarbeiten im Golf und an der Küste. Mehr als 500 eingesetzte Schiffe zum Abschöpfen und Abfackeln des Ölteppichs auf der Wasseroberfläche mussten in den Häfen bleiben.

"Erst wurden wir vom Öl als Geisel genommen, jetzt vom Wetter", sagte Küstenwachen-Konteradmiral Paul Zukunft. Wegen des Sturms, der in Mexiko mehrere Todesopfer forderte, zerrissen einige der im Wasser ausgelegten Barrieren, die das Öl von den Küsten abhalten sollen. Der Wind aus südöstlicher Richtung drückte den Ölteppich wieder näher an die ökologisch sensiblen Marsch- und Feuchtgebiete in Mississippi und Louisiana heran.

chs/dpa/Reuters

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