Von Sandra Kaselow
Was für eine Hitzewelle: Die Durchschnittstemperatur der ersten elf Julitage lag nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes mit 22,1 Grad gut fünf Grad über dem langjährigen Mittel. Tagsüber wird fast überall in der Republik die 30-Grad-Grenze geknackt. Wenn die Sonne untergegangen ist, beginnen tropische Nächte. Da werden schnell Erinnerungen an den Rekordsommer von 2003 wach. Damals kletterten die Temperaturen vielerorts über 40 Grad, der Pegel des Rheins sank auf den tiefsten Wert seit 50 Jahren, und die Anzahl der Hitzetoten war deutlich höher als normalerweise. Besonders schlimm traf es damals Frankreich, wo etwa 10.000 Menschen den extremen und anhaltenden Temperaturen zum Opfer fielen. Erwarten uns in diesem Sommer ähnlich extreme Ausmaße und Folgen des Wetters?
SPIEGEL ONLINE zeigt die ersten Auswirkungen der Hitzewelle:
Auf den Alltag in Krankenhäusern und bei der Feuerwehr hat das Klima schon Auswirkungen. Man sei aber gut vorbereitet, sagt Stefan Lüth vom Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg. Bei steigenden Temperaturen würde die Notaufnahme vermutlich deutlich stärker beansprucht. An besonders heißen Tagen kämen bis zu 30 Prozent mehr Patienten. Die meisten seien dehydriert und hätten mit einem sogenannten Präkollaps zu kämpfen - den Symptomen also, die einem Kreislaufzusammenbruch vorausgehen: Benommenheitsgefühle, Schwitzen, Sehstörungen, Angst und Übelkeit. Die Lage in Krankenhäusern in Berlin, Bayern und Nordrheinwestfalen und Niedersachsen ist ähnlich.
Ganz Europa schwitzt
In anderen Teilen Europas haben die Temperaturen bereits schlimmere Auswirkungen. Die Health protection agency aus Großbritannien vermeldet Hunderte von Toten mehr als normal in den vergangenen zwei Wochen. Der rumänische Gesundheitsminister informierte über 30 hitzebedingte Todesfälle, 19 davon in Bukarest, wo die Höchsttemperaturen im Schatten auf über 40 und in der Sonne auf über 54 Grad stiegen. In Spanien vermeldeten die Behörden drei Todesfälle. In Deutschland kämpfen nun auch Atomkraftwerke mit den Folgen der Hitzewelle. Erwärmt sich das Kühlwasser aus Rhein, Neckar und Elbe noch weiter, droht am Wochenende die Zwangsabschaltung.
Obwohl die klimatischen Verhältnisse bei uns nicht ganz so extrem sind wie in anderen europäischen Ländern, sind die Auswirkungen der Hitze auch hierzulande bis in die Innenräume zu spüren: Viele Hotels in deutschen Großstädten sind nicht gut auf die hohen Temperaturen vorbereitet. Eine repräsentative Stichprobe des Internetportals Hotel.de hat ergeben, dass die meisten Hotels in deutschen Metropolen nicht über eine Klimaanlage verfügen. Von den zehn größten deutschen Städten erreichen nur Stuttgart, Essen und Dortmund eine Klimaanlagenquote von über einem Drittel. In Berlin, Köln, München, Düsseldorf und Hamburg bieten weniger als ein Viertel der Hotels eine Klimaanlage.
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