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19.07.2010
 

Panne am Bohrloch

US-Regierung warnt vor neuen Öllecks

Ölpest: Aussickerungen am Boden
Fotos
DPA

BP steht vor einem Rückschlag im Kampf gegen die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko: Das Bohrloch galt schon als geschlossen, jetzt aber quillt in der Nähe des Lecks Öl aus dem Meeresboden. Zwischen dem Konzern und der US-Regierung droht Streit über das weitere Vorgehen.

Washington - Hat BP wieder einmal zu früh Optimismus verbreitet? Die Experten glaubten, das Bohrloch im Golf von Mexiko endlich geschlossen zu haben. Doch nun wurde am Meeresgrund austretendes Öl entdeckt. Außerdem sammelt sich möglicherweise Methangas über dem Leck. Den Bemühungen droht damit ein neuer Rückschlag.

Der Sonderbeauftragte der US-Regierung für die Umweltkatastrophe, Thad Allen, erklärte, in der Nähe der Quelle seien Aussickerungen entdeckt worden. Die US-Regierung erlaubte BP am Montag dennoch, die neue Auffangglocke geschlossen zu halten. Der Konzern musste aber zusagen, die Entwicklungen vor Ort genau zu überwachen und die Regierung schnell über Veränderungen zu informieren.

Allen erklärte, BP habe in einer Telefonkonferenz angekündigt, man werde den Verpflichtungen nachkommen. Der Konzern könne den Testlauf mit der Auffangglocke fortsetzen, müsse allerdings rasch die Behörden informieren, wenn sich die Lage verschlechtere.

"Natürlich wollen wir, dass das alles endet", sagte die Energieberaterin des Weißen Hauses, Carol Browner. "Aber wir wollen nicht in eine Lage geraten, in der wir unkontrollierte Lecks im Meeresboden haben." Sie sagte dem Fernsehsender CBS, die Aussickerungen seien weniger als drei Kilometer von der Quelle entfernt entdeckt worden. Sollte tatsächlich Öl austreten, müssten die Ventile der neuen Auffangglocke erneut geöffnet werden, damit die Lage nicht noch schlimmer und schwieriger zu kontrollieren wird.

Ein BP-Sprecher wollte zu den Angaben keine Stellung nehmen. "Wir arbeiten weiter sehr eng mit den Wissenschaftlern der Regierung zusammen", sagte Mark Salt.

Die Experten hatten zuvor festgestellt, dass der Druck, mit dem das Öl aus der Quelle in den Auffangtrichter sprudelt, geringer war als gedacht. Das könnte auf ein bisher unbekanntes Leck hinweisen oder ein Anzeichen dafür sein, dass die Quelle schon teilweise erschöpft ist - das Ölfeld im Untergrund stünde dann nicht mehr unter so hohem Druck wie zu Beginn der Katastrophe. Ein Leck könnte jedoch den Meeresboden weiter destabilisieren.

Streit über weiteres Vorgehen

Der Ölkonzern und die US-Regierung sind sich derzeit nicht einig über die nächsten Schritte. BP hofft, den Austritt von Öl ins Meer mit Hilfe der inzwischen installierten riesigen Kappe bis zur endgültigen Abdichtung der Quelle blockieren zu können.

BP-Manager Doug Suttles sagte am Sonntag, das Öl müsse nicht zwangsläufig über eine Auffangvorrichtung abgepumpt werden. Dazu müssten erst die Ventile der riesigen Glocke geöffnet werden, um den Druck zu reduzieren und eine Leitung zu den Tankschiffen an der Wasseroberfläche anschließen zu können - wieder würde Öl drei Tage lang ungehindert ins Meer strömen. BP will vermeiden, dass solche Bilder erneut live im Internet zu sehen sind.

Die Regierung will dagegen kein Risiko eingehen und das Öl abpumpen. Allan erklärte, das Öl solle über eine Steigleitung an die Oberfläche gebracht und dort von Schiffen aufgenommen werden.

Die Kosten der Ölkatastrophe im Golf stiegen unterdessen auf fast vier Milliarden Dollar (drei Milliarden Euro). BP erklärte am Montag, bisher seien 207 Millionen Dollar gezahlt worden, um einzelnen Forderungen von Bewohnern der betroffenen Regionen beizulegen. Bisher seien 116.000 Forderungen eingegangen, mehr als 67.500 Zahlungen seien geleistet worden. Die Kosten für die Arbeiten an dem defekten Bohrloch, Reinigungsarbeiten und Zahlungen an die US-Regierung beliefen sich insgesamt auf 3,95 Milliarden Dollar. Es sei noch zu früh, um die endgültigen Kosten zu schätzen.

hda/apn/dpa

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