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28.07.2010
 

Kampf gegen Ölpest

Millionenprämie für Saubermänner

Ölpest: Das Erbe der "Deepwater Horizon"
Fotos
AP

Eine Stiftung in den USA hat eine Belohnung in Millionenhöhe für die Erfindung neuer Methoden im Kampf gegen die Ölpest versprochen. Dabei haben schon Tausende von Tüftler ihre Ideen an BP und die US-Behörden geschickt. Wie sinnvoll ist der neue Preis also noch?

San Francisco - Schnelle Erbgutentschlüsselung, benzinsparende Autos, Roboter-Reisen zum Mond: Die amerikanische Stiftung X Prize versucht, dem Erfindergeist in verschiedenen Gebieten mit generösen Geldprämien auf die Sprünge zu helfen. Dazu legt X Prize vorab ein Ziel fest. Wer es als erster erreicht, streicht die Prämie ein, alle anderen Teilnehmer gehen leer aus.

Nun will X Prize auch beim Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko aktiv werden - und dazu einen neuen Erfinderwettbewerb ausschreiben. Die Stiftung will nach eigenen Angaben "Unternehmen, Ingenieure oder Wissenschaftler aus aller Welt motivieren, innovative Methoden zu entwickeln, die schnell anwendbar sind und besonders effizient Öl von der Meeresoberfläche entfernen können".

Nun ist es keineswegs so, dass es nach der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko keine Tüftler-Vorschläge zum Stopp des Ölflusses gegeben hätte - ganz im Gegenteil: BP und die US-Küstenwache wurden geradezu mit Ideen überflutet. Per Telefon oder Mail schickten motivierte Helfer aus der ganzen Welt ihre Vorschläge ein. Auch bei SPIEGEL ONLINE liefen zahlreiche Ideen ein. Nach Angaben von BP auf der Web-Seite "Restore the Gulf" werden derzeit 100 Vorschläge von Freiwilligen näher geprüft.

Und doch passierte bisher nur wenig mit den Vorschlägen. Kritiker argwöhnten, BP sammle die Ideen nur, um die Bereitschaft zum Zuhören zu zeigen und etwas Druck aus der aufgeheizten Situation zu nehmen. "Technisch ist das ein sehr komplexes Feld. Um sinnvolle Lösungen zu unterbreiten, muss man eigentlich aus der Branche sein", sagte der Kieler Geochemiker Lorenz Schwark im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Währenddessen flossen fast drei Monate lang jeden Tag Millionen Liter Rohöl ins Meer. Und erst am 15. Juli gelang es dem Ölkonzern und den US-Behörden, die lecke Ölquelle provisorisch zu verschließen.

Schlepper rammt Ölplattform - weiteres Leck entsteht

Auf einer Pressekonferenz im Washingtoner National Press Club am Donnerstag will die X Prize Foundation nun erklären, warum sie einen Ölpreis trotzdem für sinnvoll hält. Dabei wird auch Wendy Schmidt sprechen, die das Geld für die Auszeichnung bereitstellen wird. Sie ist Chefin der Schmidt Family Foundation, die sich für umweltfreundliche Energien und die Berichterstattung über den Klimawandel ("11th Hour Project") einsetzt - und mit Google-Chef Eric Schmidt verheiratet ist.

Im Golf von Mexiko ist es unterdessen zu einem weiteren Unfall mit einer Ölplattform gekommen. In der Barataria-Bucht vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana rammte ein Schlepper ein Bohrloch. Die US-Küstenwache erklärte, neben Gas, das in die Luft entweiche, sei nahe des Mud Lake auch Öl ins Meer ausgetreten. Der Ölteppich habe bisher eine Ausdehnung von 1,6 Kilometern und sei knapp 50 Meter breit.

Die Küstenwache richtete eine Sicherheitszone um die Unglücksstelle ein, damit andere Schiffe das Öl nicht weiter ausbreiteten. Als Besitzer des Bohrlochs sei das Unternehmen Cedyco identifiziert worden. Ein Sprecher von Cedyco war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Um ein paar gute Nachrichten bemüht man sich bei der US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA: Rund 180 von der Ölpest betroffene Meeresschildkröten, die nach der Katastrophe geborgen wurden, seien inzwischen gerettet worden. 170 weitere Schildkröten befänden sich noch in der Erholungsphase, teilte NOAA-Chefin Jane Lubchenco mit. Fast 500 Meeresschildkröten seien seit dem Beginn der Ölpest tot aufgefunden worden. Dabei seien nur 17 von ihnen sichtlich mit Öl verschmiert gewesen.

Um sicher zu gehen, haben Tierschützer aber Großes vor: Rund 700 Nester von Meeresschildkröten mit insgesamt 70.000 Eiern sollen vom Golf von Mexiko an die Atlantikküste im US-Bundesstaat Florida gebracht werden. Die beschädigte Ölquelle soll nun nach aktuellen Planungen Anfang nächsten Monats endgültig zum Versiegen gebracht werden. Am 2. August will BP erneut Schlamm und Zement in das Bohrloch pumpen. Etwa fünf Tage später sei dann geplant, die Quelle durch eine Entlastungsbohrung abzudichten, erklärte die Firma. Auch im Erfolgsfall werde noch über Wochen hinweg Öl an Land geschwemmt.

chs/afp/reuters

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