Washington - Die US-Küstenwache ist überrascht: 100 Tage nach Beginn der Ölkatastrophe am Golf von Mexiko ist der klebrige Ölfilm nur noch an wenigen Stellen auf dem Wasser zu finden. Auch Experten zufolge löst sich der Ölteppich auf dem Meer bemerkenswert schnell auf.
Die Fachleute sind der Meinung, ein Großteil des Öls könne an der Oberfläche verdunstet und von Bakterien im Wasser aufgefressen worden sein. Zudem hätten zwei Stürme das Meer stark aufgewirbelt. Was nicht in jeder Situation von Vorteil ist, war für den Unglücksort möglicherweise ein kleiner Segen. Denn auf diese Weise sei das Öl in kleinere, besser abbaubare Portionen aufgeteilt, glauben die Experten.
Auch Umweltschützer äußern sich vorsichtig optimistisch: "Das Öl löst sich gerade wirklich richtig schnell auf", sagte John Amos vom der Umweltschutzgruppe SkyTruth der "New York Times" vom Mittwoch. "Auf der Wasseroberfläche hat Öl eine endliche Lebensspanne."
Die Auflösung des Öls könnte das Risiko für viele Tiere reduzieren, durch die Ölmassen ums Leben zu kommen. Laut "New York Times" ist in zwei vorläufigen Untersuchungsberichten der Regierung zu lesen, dass die Konzentration giftiger Stoffe unter Wasser gering sei. Doch die Berichte ließen jede Menge Fragen offen. So habe man seit dem Unglück am Golf von Mexiko eine Abnahme der Sauerstoffmenge im Meer feststellen können - habe aber noch keine Antwort darauf, warum das so ist.
Fischer bleiben skeptisch
Obwohl sich der Teppich also schnell auflöst, sind die Sorgen über die Langzeitschäden für die Umwelt damit längst nicht vom Tisch. Noch immer wissen Wissenschaftler nicht, wie sich die Ölmassen unter der Meeresoberfläche verteilt haben. "Weniger Öl auf der Oberfläche bedeutet nicht, dass kein Öl unter der Oberfläche ist", sagte die Chefin der Ozeanographiebehörde, Jane Lubchenco.
Auch über die langfristigen Wirkungen der ölzersetzenden Chemikalien, die BP massenhaft einsetzte, weiß man derzeit noch nicht allzu viel. Ebenso wird es möglicherweise Jahre dauern, bis Forscher die Folgen für die Umwelt an den betroffenen Küsten erfassen werden können. Die Fischer bleiben jedenfalls skeptisch: Vor allem Garnelen und Taschenkrebslarven, die für die Erträge der Fischerei besonders wichtig sind, könnten unter den Folgen des Chemikalieneinsatzes langfristig leiden, glauben sie.
Unterdessen ist nach einem Schiffsunfall vor der Küste des US-Bundesstaates Louisiana ein neues Ölleck aufgetreten. Aus einer Plattform sei Öl ins Meer geströmt, nachdem ein Boot der Küstenwache sie am Dienstag gerammt hatte, sagte der Einsatzleiter der US-Regierung im Kampf gegen die Ölpest, Admiral Thad Allen. Auf der Wasseroberfläche habe sich ein "leichter Ölfilm" gebildet. Es handelt sich um eine seit 2008 aufgegebene Quelle in einer Bucht rund 100 Kilometer südlich von New Orleans.
cib/dpa
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