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03.08.2010
 

Golf von Mexiko

BP-Desaster wird zur bisher größten Ölpest

780 Millionen Liter Rohöl sind nach Angaben des US-Krisenstabs aus dem defekten Bohrloch im Golf von Mexiko geströmt - es wäre damit die schlimmste Ölpest im Ozean der Geschichte. Bei der Abdichtung gibt es jetzt neue Probleme.

New Orleans/Washington - Die Menge ist kaum vorstellbar: Rund 780 Millionen Liter Rohöl sind bei der Ölpest im Golf von Mexiko innerhalb von drei Monaten ins Meer geströmt. Das entspricht 4,9 Millionen Barrel bzw. 670.000 Tonnen. Davon seien 127 Millionen Liter (800.000 Barrel oder 110.000 Tonnen) abgefangen worden, teilte der Krisenstab aus Vertretern der US-Regierung und des Erdölkonzerns BP am Montag unter Berufung auf Wissenschaftler mit.

Es handele sich um die bisher genauesten Schätzungen mit einer möglichen Abweichung von plus-minus zehn Prozent, teilte die Regierung mit. Bisherige Prognosen waren von drei bis 5,3 Millionen Barrel ausgegangen. Der ausgetretenen Ölmenge kommt große Bedeutung zu, weil davon die endgültigen Kosten für den Konzern abhängen könnten.

Die Explosion der BP-Ölplattform "Deepwater Horizon" am 20. April hatte die Katastrophe ausgelöst. Sollten die aktuellen Schätzungen stimmen, wäre der Untergang die schlimmste Ölpest der Geschichte. Zuvor galt der Bohrinsel-Unfall der "Ixtoc" 1979 als die schwerste Ölpest zur See. Damals flossen geschätzte 525 Millionen Liter Öl (3,3 Millionen Barrel oder 452.000 Tonnen) ebenfalls in den Golf von Mexiko. Bei der Havarie des Tankers "Exxon Valdez" 1989 vor der Küste Alaskas sollen es knapp 41 Millionen Liter (260.000 Barrel oder 36.000 Tonnen) gewesen sein. "Einen derartigen Ölausfluss in den Ozean hat es zuvor nie gegeben", sagte der Meeresforscher Ian MacDonald" der "New York Times" mit Blick auf das "Deepwater"-Desaster.

Allein ein Unglück, das sich am 14. März 1910 an Land ereignete, übersteigt die Ölmengen am Golf von Mexiko: Bei den Ölfeldern am Lakeview Gusher im US-Staat Kalifornien traten bei einem Blowout etwa 1,4 Milliarden Liter (9 Millionen Barrel oder 1,2 Millionen Tonnen) Öl aus.

Verzögerungen beim Ölstopp

Die für Montag geplanten letzten Tests vor der endgültigen Versiegelung des Bohrlochs im Golf von Mexiko haben sich gleichzeitig verzögert. Bei den Vorbereitungen für den Einspritztest sei ein kleines hydraulisches Leck am Kontrollsystem der Verschlusskappe entdeckt worden, teilte BP mit.

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Ölpest: Geschundener Golf

Der für Dienstag geplante Beginn der Versiegelung werde sich dadurch vermutlich kaum verzögern, der Einspritztest könne aber erst vorgenommen werden, wenn die undichte Stelle repariert sei. "Es ist vorgesehen, dass der Einspritztest und möglicherweise auch der 'Static Kill' am Dienstag stattfinden", erklärte BP.

Bei der "Static Kill" genannten Methode werden schwerer Bohrschlamm und Zement durch die Mitte Juli aufgesetzte Verschlusskappe in das Bohrloch eingefüllt, um dieses endgültig zu verschließen. Bei der Operation könnten zeitweise geringe Mengen Öl ins Meer fließen, warnte Einsatzleiter Thad Allen.

Der finale Akt zur Versiegelung steht etwa eine Woche später an. Dann wollen die Ingenieure auch das Öl-Reservoir in der Tiefe versiegeln. Bei dieser Operation "Bottom Kill" sollen in 5,4 Kilometer unter dem Meeresboden ebenfalls Schlamm und Zement in die Steigleitung gepumpt werden.

Sollte das Verfahren gelingen kann das defekte Bohrloch möglicherweise auch ohne die beiden Entlastungsbohrungen verschlossen werden, die der Ölkonzern BP zurzeit vorantreibt. Das Unternehmen gab am Montag bekannt, dass es schon ausreichen könnte, das Loch von oben zu verschließen. Beide Bohrungen, die bis zu 100 Millionen Dollar pro Stück kosten, würden aber fortgesetzt. Sie könnten dazu benutzt werden zu überprüfen, ob das Bohrloch tatsächlich abgedichtet worden sei, sagte BP-Vizepräsident Kent Wells.

Die zehn größten Öl-Unfälle auf dem Meer
Datum Bezeichnung Eigner Unglücksort Freigesetzte Ölmenge (Tonnen) Ursache
April 2010 Deepwater Horizon BP Golf von Mexiko 670.000 (Stand 2. August 2010) Unglück auf Bohrinsel Deepwater Horizon. Blowout.
Juni 1979 Ixtoc I Pemex Golf von Mexiko 450.000 bis 480.000 Unglück auf einer Ölplattform. Blow-out.
Juli 1979 Atlantic Empress griechisches Schiff, in Liberia registriert vor Tobago, Karibische Inseln 287.000 Tankerunglück. Kollision mit dem Tanker "Aegean Captain".
Februar 1983 Nowruz-Ölfeld ? Persischer Golf 260.000 Kollision Tanker mit Bohrinsel, Kriegsfolgen des ersten Golfkriegs.
August 1983 Castillo De Bellver ? Saldanha Bay, Südafrika 252.000 Tankerunglück. Brand.
März 1978 Amoco Cadiz BP (GB) / Amoco (USA) vor der bretonischen Küste 223.000 Tankerunglück. Ruderausfall mit anschließendem Felsenauflauf.
Mai 1991 ABT Summer ? 1000 km vor Angola 49.000 bis 255.000 Tankerunglück.
April 1991 Haven Amoco (USA) Golf von Genua, Italien 144.000 Tankerunglück. Brand.
November 1988 Odyssey ? Kanada 132.000 Tankerunglück. Brand.
März 1967 Torrey Canyon Unocal (USA), gechartert von BP (GB) vor der Küste Südenglands 119.000 Tankerunglück. Kollision mit Riff.
Quelle: Wikipedia

hen/dpa/Reuters/AFP/apn

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