In den arktischen Wassern der Baffinbay läuft in diesen Tagen ein Machtkampf ab. Umweltschützer gegen Erdölsucher und Sicherheitskräfte - wer sich durchsetzen wird, ist ungewiss. Hier wird gerade der Grundsatzstreit über die Frage ausgetragen, ob in der Arktis Öl und Gas gefördert werden solle.
Es geht um das Greenpeace-Schiff "Esperanza", die dänische Fregatte "Vaedderen", die Bohrplattform "Stena Don" und das Spezialschiff "Stena Forth". Letztere beide suchen seit einigen Wochen im Auftrag des schottischen Konzerns Cairn Energy etwa 200 Kilometer vor der Grönländischen Westküste nach Öl und Gas - und das offenbar mit Erfolg, wie sich inzwischen herausstellt. Auf der "Esperanza" wiederum sitzen rund 30 verärgerte Umweltschützer, die sich der Bohrung bis auf wenige hundert Meter genähert haben. Und die "Vaedderen" beherbergt eine unbekannte Anzahl dänischer und grönländischer Sicherheitskräfte, die verhindern sollen, dass Greenpeace-Aktivisten die Bohranlagen öffentlichkeitswirksam entern.
Das Drama spielt sich in einer der lebensfeindlichsten Regionen der Erde ab, was die Situation nicht einfacher macht. Die grönländischen Sicherheitskräfte müssen den Rohstoffsuchern im Auftrag der Regierung das Gefühl geben, gefahrlos ihrem Geschäft nachgehen zu können. Grönland braucht Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft, um eines Tages vollständig unabhängig werden zu können - ein möglicher Angriff auf Explorationstrupps wäre da fatal. Darum der Einsatz der "Vaedderen", einem Militärschiff voller Polizisten. "Wenn Sie eine Demonstration an Land veranstalten, ist die Polizei auch da", sagt Morten Nielsen, Vizechef der grönländischen Sicherheitskräfte, zu SPIEGEL ONLINE. Wie viele Männer und Frauen im Einsatz sind, will er nicht sagen. Das sei eine "taktische Information". Auf jeden Fall verfolge man aufmerksam, was die Greenpeace-Aktivisten tun. Nicht zuletzt weil diese sich weigerten, über ihre Ziele und Mittel Auskunft zu geben.
"Wir haben keine Pläne, die Sicherheitszonen zu verletzen"
"Wir haben ihnen die Regeln erklärt", sagt Nielsen. Und die sind simpel: Um jede Ölanlage gibt es einen Bannkreis von 500 Metern. Wenn Öko-Aktivisten diesen verletzen, sieht die grönländische Polizei das als Gesetzesbruch an. Für diesen Fall haben die Sicherheitskräfte angedroht, die schwimmende Basis "Esperanza" zu stürmen. Bisher habe sich die Besatzung an die Regeln gehalten, sagt Nielsen.
So soll es nach Auskunft der Umweltschützer vorerst auch bleiben. "Wir haben keine Pläne, die Sicherheitszonen zu verletzen", sagt Jon Burgwald, Greenpeace-Aktivist an Bord des Schiffes, zu SPIEGEL ONLINE. Einstweilen ziehen die Umweltschützer mit einem Schlauchboot ihre Runden oder lassen den Helikopter zu Erkundungsflügen aufsteigen.
Auch für Greenpeace sind Erfolgsmeldungen wichtig. "Beyond oil" heißt die aktuelle Kampagne der Organisation, zu der der Einsatz in der Arktis gehört. Um die Zeit nach dem Öl soll es also gehen - und darum, die Unzulänglichkeiten des britischen Petro-Riesen BP für eigene Zwecke zu nutzen. Dieser hatte nämlich vor dem Untergang der "Deepwater Horizon" mit dem Slogan "Beyond Petroleum" dafür geworben, dass das Unternehmen sich auch für erneuerbare Energien einsetzt. Die Katastrophe im Golf von Mexiko zeigte dann der Welt, wie schmutzig das Geschäft mit dem Öl trotzdem allzu oft doch ist.
"Diese Konfrontation in der Arktis ist nur der Anfang"
Dieses Gefühl will Greenpeace jetzt nutzen. "Die Konfrontation in der Arktis ist nur der Anfang", sagt Tzeporah Berman aus der Greenpeace-Zentrale. Die Bilder aus der Arktis sind werbetechnisch unbezahlbar für die Umweltschützer: das Schiff mit dem riesigen Regenbogen auf dem Rumpf, darüber grauer Himmel, im Hintergrund die riesigen rot-gelben Beine der Bohrplattform "Stena Don". Und nebenan die wachsame Fregatte.
"Wir haben ein Militärschiff zwei Kilometer von uns entfernt, natürlich ist die Stimmung da etwas angespannt", sagt Burgwald. Das PR-Team an Bord der "Esperanza" telefoniert ständig mit Journalisten, schreibt Blog-Beiträge und verschickt Fotos über den Kurznachrichtendienst Twitter.
Die Umweltschützer wollen mit ihrem Einsatz Sympathisanten rekrutieren, Stimmung machen und letztlich erreichen, dass sich Ölfirmen aus der Arktis zurückziehen. Dafür könnte es im Fall der "Stena Don" allerdings schon zu spät sein - Cairn Energy meldete am Dienstag zur Vorstellung des Halbjahresberichtes einen Teilerfolg bei der Öl- und Gassuche vor Grönland.
Man habe bei der Explorationsbohrung T8-1 Hinweise auf Lagerstätten gefunden, teilte die Firma mit. Konkret geht es um dünne, erdgashaltige Sandschichten. Sie könnten ein Hinweis auf größere Lagerstätten sein - was diese Nachricht tatsächlich Wert ist, kann man allerdings schwer sagen. Schließlich ist die Ölfirma als dritter Spieler neben Regierung und Umweltschützern ebenfalls auf gute Nachrichten aus dem hohen Norden angewiesen.
Erst weitere Untersuchungen können Aufschluss darüber geben, wie reich die Vorräte sind. Insgesamt vier Bohrungen will Cairn dazu in diesem Sommer in den Boden der Baffinbay treiben, jede etwa vier Kilometer tief.
Greenpeace argumentiert, eine Ölpest könne die Ökosysteme der Arktis auf Jahre schädigen. Die Organisation hat außerdem immer wieder kritisiert, dass sich die Cairn-Bohrungen in einer klassischen Eisbergroute befinden. Gerade habe man ein Spezialschiff beobachtet, das einen riesigen Brocken mit Wasser bespritzt habe, um ihn langsam abzuschmelzen, berichtet Aktivist Burgwald.
Cairn sieht das weniger dramatisch. Die Spezialschiffe hätten alles im Griff. Im Schnitt würden zwei bis drei Eisberge pro Tag in einem 25-Kilometer-Radius um die Bohrplattform vorbeiziehen. Das sei weniger als vermutet und alles ganz normal.
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Nur weil sie sich nicht informieren oder über einseitiges Wissen verfügen, ist dem noch lange nicht so. Greenpeace hat den 1. FCKW-freien Kühlschrank mitentwickelt, ein Elektroauto, ein 3-Liter-Auto usw. usf.. Nur weil sie [...] mehr...
Greenpeace schippert (mal wieder) in der Nähe einer Bohrplattform herum um z. B. darauf aufmerksam zu machen, dass eine Havarie schreckliche Folgen hätte (OK, das weiß nun wirklich auch noch der letzte Waldschrat, aber kann man ja [...] mehr...
Meine Hochachtung - und meine Spenden :-) - weiterhin für euer mutiges und wichtiges Engagement. Weiter so! mehr...
Ueber alles andere lachen die doch nur. mehr...
Wenn ein privates Unternehmen irgendwo aktiv wird, wieso bekommen die dann Staatsschutz? Die sollen gefälligst ihre eigenen Leute anheuern! Ich hoffe, Dänemark/Grönland stellt der Ölfirma diesen Einsatz entsprechend in Rechnung! mehr...
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