Washington - Rund 800 Millionen Liter Öl sind nach der Havarie der Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" in den Golf von Mexiko geströmt - und ein großer Teil hat nie die Wasseroberfläche erreicht, sondern trieb in großen Schwaden im Ozean. Erst vergangene Woche haben Forscher berichtet, dass sie im Juni eine 35 Kilometer lange Ölfahne entdeckt hatten. Mittlerweile aber, so erklären Forscher wie Terry Hazen vom Lawrence Berkeley National Laboratory in Kalifornien, lasse sich das Öl unter Wasser quasi nicht mehr nachweisen.
Im Wissenschaftsblatt "Science" berichten die Wissenschaftler, woran das liegen könnte: Die Wolke ist in einer Tiefe von 1100 Metern mit einer außergewöhnlich hohen Geschwindigkeit abgebaut worden. Um die Ursache herauszufinden, nahm das Team um Hazen mehr als 200 Wasserproben von 17 verschiedenen Standorten innerhalb der Wolke. Mittels moderner gentechnischer Methoden untersuchte das Team nach ölabbauenden Mikroorganismen.
Dabei fanden die Wissenschaftler ortsansässige Mikroben, zu denen auch eine bisher unbekannte Art zählt. Sie bevorzugen demnach eine kalte Umgebung, weshalb sie sich in großen Wassertiefen wohlfühlen.
Bakterien kommen mit wenig Sauerstoff aus
Die Tiefseebakterien unterscheiden sich in einem wichtigen Punkt von anderen Arten: Sie verbrauchen weniger Sauerstoff. Anderen ölabbauenden Mikroorganismen macht schnell der Sauerstoffmangel zu schaffen, sobald sie sich massenhaft vermehren. In der Folge können sogenannte Todeszonen im Wasser entstehen - Regionen, in denen aufgrund des Sauerstoffmangels kaum noch Leben möglich ist.
Das scheint bei den in der Ölwolke entdeckten Mikroben jedoch nicht der Fall zu sein: Die Sauerstoffkonzentrationen außer- und innerhalb der Wolke unterschieden sich nur geringfügig, schreiben Hazen und seine Kollegen. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte das häufige Auftreten von natürlichen Öllecks im Meeresboden in dieser Region die Bakterien dazu gebracht haben, sich besonders gut an Öl anzupassen.
Die Ergebnisse könnten bedeuten, dass die optimistische Einschätzung der US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA möglicherweise doch richtig war. Die NOAA war Anfang August zu dem Ergebnis gekommen, dass rund drei Viertel des ausgetretenen Öls bereits verschwunden seien. Andere Experten hatten die Entwarnung als vorschnell bezeichnet - unter anderem mit dem Hinweis auf die 35 Kilometer lange Ölfahne, die allerdings bereits im Juni analysiert wurde. Die jetzt gefundenen Bakterien könnten eine Antwort auf die Frage liefern, wie das Öl so schnell verschwinden konnte.
mbe/ddp
Auf anderen Social Networks posten:
Das war nicht jetzt, das sind Wasserproben vom Juni. Und der ist zwei Monate her. Das was Sie als "Hofberichterstatter" bezeichnen, hat darüber schon berichtet. [...] mehr...
Da ja auch Spekulanten auf die Pleite von BP gewettet haben stellt sich die gleiche Frage in der anderen Richtung. Und da kann man ohne Leistung in kürzerer Zeit viel viel mehr verdienen. zu Ihrer ersten Frage: Das ist kein [...] mehr...
Wenn das stimmt, dann lebt ja der Norden von Europa dadurch, dass im Glof die Bakterien das Öl abbaunen und dadurch das Wasser so schön warm machen, dass der Golfstrom überhaupt funktioniert. Das soll jetzt keine Polemik [...] mehr...
Bevor das nicht Hieb- und Stichfest bewiesen ist, glaube ich gar nichts mehr. Hier gilt leider: Im Zweifel gegen den Angeklagten. USA (und eigentlich auch das Netz der weltweit operierenden Konzerne mit Ihren Tentakeln in [...] mehr...
Bitte einfach mal informieren, wie große die Ölreserven im Golf von Mexiko sind, und warum da alle wie die bekloppten Bohren wollen.. Oil and Gas reserve in Gulf of Mexiko 2005 (http://www.gomr.mms.gov/PDFs/2009/2009-022.pdf) [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Natur | RSS |
| alles zum Thema BP | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH