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29.08.2010
 

Madagaskar

Ein Wunderland wird geplündert

Von Robert Draper

Alles auf Rot: Das Madagaskar-Dilemma
Fotos
NG / Maitre Pascal

Madagaskar ist ein Naturparadies voller Artenreichtum. Doch die Bevölkerung der Insel wächst rasant - und die Menschen plündern die Umwelt, um zu überleben. Andere setzen auf schnellen Gewinn. Die Nachfrage nach kostbarem Rosenholz beschleunigt den Raubbau am Wald.

Remon heisst der junge Mann, der sein Einbaumkanu mit einer langen Bambusstange flussaufwärts stakt. Der Onive ist seicht, die Strömung aber heftig. Über Remons Kopf entlädt sich ein Regenschwall, dann scheint wieder die Sonne. Bis zum nächsten Schauer. Das Wetter macht dem Jungen ebensowenig aus wie den Krokodilen, die ausgestreckt am Ufer liegen.

Etwa alle drei Minuten kommen ihm Männer in flussabwärtsfahrenden Pirogen entgegen. Remon ruft ihnen einen Gruß zu, sie grüßen zurück. Es sind seine Flusskameraden. Jeder transportiert einen schweren dunklen, illegal gefällten Rosenholzstamm hinab zu den Holzlagern der Stadt Antalaha im Nordosten Madagaskars. Dort holen sie ihren Lohn ab. Sobald uns Remon am Waldrand abgesetzt hat, wird auch er einen Stamm den Onive hinabflößen.

Gefallen tut ihm die Arbeit nicht. Der Holzhändler, der Remon bezahlt - dessen Namen kennt er nicht -, habe ihm gesagt, er müsse den ganzen Tag ohne Pause paddeln. Die Forstaufseher seien nur für einen bestimmten Zeitraum bestochen worden, in dem sie wegsehen würden. Danach würde neues Schmiergeld fällig. Immerhin ist es besser, die Stämme zu flößen als sie zu fällen. Das hat Remon aufgegeben. Zu gefährlich. Zwar wird seit Jahren illegal Holz geschlagen, doch neuerdings hat sich das Tempo verschärft. Es gibt kaum noch Polizei, der Wald wird von organisierten Gangs kontrolliert. Der Sturz der madagassischen Regierung im März 2009 und der unersättliche Appetit chinesischer Holzmakler haben die Entwaldung noch einmal beschleunigt. Innerhalb weniger Monate haben sie Rosenholz im Wert von 200 Millionen Dollar aus den Wäldern des Landes importiert.

Das Geschäft wird immer härter

Der Name "Rosenholz" steht nicht für einen bestimmten Baum, sondern für mehrere Arten der Gattung Dalbergia. Das harte Kernholz der Stämme ist Rotviolett und duftet nach Rosen. Es lässt sich gut polieren, die Hersteller von Luxusmöbeln und Musikinstrumenten schätzen es deswegen sehr. Doch für jene, die es beschaffen, wird das Geschäft immer härter.

Remon kennt einen Holzfäller, den Waldgangster um seine Ernte gebracht haben. "Wir sind 30 gegen einen", drohten sie ihm. Und erst wenige Tage zuvor sollen zwei Männer beim Streit um einen wertvollen Stamm mit einer Machete enthauptet worden sein.

Jetzt lässt die Strömung nach und Remon zündet sich einen Joint an. Er erzählt von den fady, von den Tabus, die den Wald jahrhundertelang geschützt haben. Selbst unter den Holzdieben gibt es heute noch ängstliches Geraune, wenn ein fallender Stamm einen Schädel zertrümmert hat oder sich jemand in einer Stromschnelle ein Bein gebrochen hat: "Das ist der Zorn unserer Ahnen. Sie strafen uns."

Einige Stammesältere haben auch Remon schon Vorhaltungen gemacht, weil er heiligen Boden plündere. "Und?", entgegnet er dann. "Versucht doch mal, euren Familien Bäume zu essen zu geben." Mit der Arbeit auf den Vanillefeldern am Rand der Küstenstadt Antalaha bekommt er Frau und Kinder nicht mehr satt.

In Antalaha wusste jeder, woher der plötzliche Reichtum kam

Bis vor 20 Jahren durfte sich Antalaha die Vanillehauptstadt der Welt nennen, doch seither haben mehrere Zyklone an der Küste zu großen Einbußen bei der Ernte geführt, gleichzeitig sanken weltweit die Preise für Vanille. Antalaha ist arm, zwischen Fußgängern, Hühnern und Ziegen fuhren auf den Straßen höchstens ein paar klapprige Taxis und rostige Fahrräder. Jedenfalls bis zum Frühjahr 2009.

Dann knatterten plötzlich Motorräder durch die Straßen. Im einzigen Geschäft, das diese Fahrzeuge führte, waren sie schnell ausverkauft. Die Nachfrage hielt an, und ein zweiter Laden öffnete. Die Käufer waren schlaksige junge Männer, und in Antalaha wusste jeder, woher ihr plötzlicher Reichtum kam. Von den Vanillefeldern jedenfalls nicht. Man sah die Männer, wie sie auf Ladeflächen von Kleinlastern breitbeinig auf illegal geschlagenem Holz saßen. Sie fällten die kostbaren madagassischen Rosenholzbäume.

Madagaskar ist eine Insel - mit einer Fläche von 585.000 Quadratkilometern die viertgrößte der Welt, aber doch eine Insel. Und unter allen Inseln mit ihrer jeweils einzigartigen Biosphäre ist Madagaskar wiederum ein spezieller Fall. Vor etwa 165 Millionen Jahren riss sie sich vom afrikanischen Kontinent los. Seitdem ging die Evolution hier eigene Wege, und 90 Prozent aller heimischen Tier- und Pflanzenarten - von den außerirdisch anmutenden Affenbrotbäumen bis hin zu den geisterhaften Lemuren - kommen nirgendwo sonst auf der Erde vor.

Den Alltag der Menschen bestimmt aber nicht die Schönheit ihrer Insel, sondern Verzweiflung. Die Malagasy, die größte Volksgruppe hier, haben ein Sprichwort, das den Fatalismus in schöne Worte kleidet. Sie sagen: "Aleo maty rahampitso toy izay maty androany", zu Deutsch: "Es ist besser, morgen zu sterben als heute." Der durchschnittliche Madagasse lebt von knapp einem Euro am Tag.

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01.09.2010 von keats: Also wunschgemäß das Ganze noch mal etwas genauer!

Vermutlich haben Sie gedacht darauf zu antworten gesagt/geschrieben haben Sie folgendes . Habe erst überlegt ob ich Ihnen wunschgemäss im "Kindergartent Stil" antworten soll, das ist dann vielleicht doch einfacher [...] mehr...

01.09.2010 von tylerdurdenvolland: ...

Sie sollten schon erst mal versuchen zu verstehen was ich schreibe.. Sie schrieben grosspurig von der "Verantwortung der Reichen" an die man in ihrem Kindergarten sicher glaubt, und auch grosse Hoffnung setzt? [...] mehr...

31.08.2010 von keats: Ich schlage vor, lesen Sie erstmal richtig

Es war schon immer von Vorteil richtig lesen zu können und was bitte ist an folgendem nicht zu verstehen: "Reiche, (ua. Rockefeller, Bush, Kennedys usw. reicht das erstmal?) und in D-Land sind es z.B. die knapp 10 % denen [...] mehr...

31.08.2010 von tylerdurdenvolland: ....

Sehen sie, was ihre Argumentation so absurd, ja offensichtlich kindisch macht ist, dass sie bei der ganzen Ursachenforschung natürlich nur die ausländischen Reichen für verantwortlich halten. Es geht ihnen eben keinesfalls um [...] mehr...

31.08.2010 von tylerdurdenvolland: ...

Es war natürlich eine vorsätzlich überspitzte Aussage. Ich wollte daran erinnern, dass "imperialistische Konzerne" nicht das einzige Problem sind, dass der Planet hat... Deshalb verwies ich auch auf Nord Indien und [...] mehr...

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DER SPIEGEL
Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt - und die Heimat von ganz außergewöhnlichen Arten, die man sonst nirgends auf der Welt findet. Das liegt vor allem daran, dass Madagaskar schon eine sehr alte Insel ist. Einst, so erklären es die Geologen, gehörte es zu Gondwanaland, einem gigantischen Kontinent, der Afrika, Indien, Australien, Südamerika und die Antarktis umfasste. Der vorherrschenden Meinung zufolge trennte sich Madagaskar vor circa 180 Millionen Jahren gemeinsam mit Indien vom Kontinent ab, um sich dann komplett selbständig zu machen, während Indien weiter Richtung Asien driftete. Anderen Theorien zufolge verblieb es noch eine Weile bei Afrika, bis es sich fürs Inseldasein entschied. In jedem Fall, da sind sich die Wissenschaftler wieder einig, ist die Insel seit etwa 60 Millionen Jahren von der übrigen Welt abgeschnitten, nachdem auch der Meeresgrund zwischen Afrika und Madagaskar so weit abgesackt war, dass auch zeitweise Landverbindungen unmöglich wurden. Die Evolution nahm ihren besonderen madagassischen Lauf. Bis vor etwa 1500 Jahren die ersten Menschen die Insel besiedelten. Seither haben auch hier die einzigartige Flora und Fauna das Nachsehen. Nur etwa ein Zehntel von Madagaskars Regen- und Trockenwald sind noch erhalten. Stattdessen gibt es mittlerweile viele Reisfelder.





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