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27.08.2010
 

Ernährungsforschung

Forscher entziffern Erbgut des Weizens

Weizen auf dem Feld: "Informationen von unschätzbarem Wert"Zur Großansicht
DPA

Weizen auf dem Feld: "Informationen von unschätzbarem Wert"

Können Genforscher bald noch leistungsfähigere Getreidesorten züchten? Wissenschaftlern ist es gelungen, das Erbgut des Weizens fast vollständig zu sequenzieren - jetzt hoffen sie auf Fortschritte im Kampf gegen den Hunger.

Liverpool - Was für eine Geschwindigkeit: Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat noch 15 Jahre in Anspruch genommen - für die Sequenzierung des Weizengenoms haben Wissenschaftler nun gerade mal ein Jahr gebraucht. Dabei ist es mit geschätzten 100.000 Genen um ein Vielfaches größer als das des Menschen.

Die schnelle Entschlüsselung sei den großen Fortschritten in der DNA-Technologie zu verdanken, teilten Neil Hall von der University of Liverpool und sein Team mit. Stellvertretend für alle Weizenarten haben die Wissenschaftler den Saatweizen (Triticum aestivum, auch Weichweizen genannt) für ihre Forschungen gewählt. Er zählt zu den am häufigsten angebauten Arten.

Die jetzt veröffentlichte Sequenz ist eine Art grober Entwurf, der etwa 95 Prozent des Weizengenoms umfasst. In den nächsten Schritten wollen die Forscher auch dem Aufbau der restlichen Sequenzen und der Organisationsstruktur des Erbguts auf die Spur kommen. "Die nun zusammengetragenen Informationen werden von unschätzbarem Wert sein, um den weltweiten Nahrungsmangel zu bekämpfen", sagte Hall. Neben Reis und Mais ist Weizen eines der wichtigsten Getreide weltweit, sowohl für die menschliche Ernährung als auch als Tierfutter. Keith Edwards von der University of Bristol sagte der britischen Zeitung "The Independent", die Daten würden die Zucht neuer Weizensorten "dramatisch beschleunigen": "Ein Prozess, der heute fünf bis sechs Jahre dauert, wird in einem bis zwei Jahren erledigt sein."

Allerdings hatten Wissenschaftler ähnliches behauptet, als vor fünf Jahren das Reis-Erbgut sequenziert wurde. Tatsächlich bleibt bei der Züchtung neuer Arten viel zu tun - und gleichzeitig sind traditionelle Spezies, die eventuell ebenfalls wichtige Beiträge zum Kampf gegen den Hunger leisten könnten, akut gefährdet, zum Beispiel durch die Schließung von Genbanken.

Die Wissenschaftler setzen dennoch große Hoffnungen auf die Weizen-Genomdaten. Sie haben nach eigenen Angaben schon mit der Suche nach genetischen Variationen zwischen den verschiedenen Weizenarten und -sorten begonnen. Auf diese Weise wollen sie die Gene finden, die für die entscheidenden Eigenschaften des Getreides verantwortlich sind.

Zu diesen Charakteristika zählt vor allem der Ernteertrag. Eine wichtige Rolle spielt aber auch die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Krankheiten und Schädlinge. In Zeiten des Klimawandels gehöre außerdem ein möglichst geringer Wasserbedarf zu den Zuchtzielen, damit die Erträge auch in Dürreperioden nicht einbrechen, teilten die Forscher mit.

chs/ddp

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