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01.09.2010
 

Krebskranker Tasmanischer Teufel

Forscher schläfern ihren Hoffnungsträger ein

Tasmanischer Teufel: Rätselhafte Krebserkrankung gefährdet Populationsbestände.Zur Großansicht
AFP

Tasmanischer Teufel: Rätselhafte Krebserkrankung gefährdet Populationsbestände.

Auf Cedric ruhte große Hoffnung - jetzt mussten Forscher den berühmten Tasmanischen Teufel einschläfern. Das Tier schien immun gegen eine tödliche Krankheit, die droht, die Tierart auszulöschen. Doch Cedric blieb nicht verschont. Ein Rückschlag für die Rettung der Tiere.

Der Tasmanische Teufel, das größte fleischfressende Beuteltier des Australischen Kontinents, droht auszusterben. Die größte Bedrohung für die ohnehin gefährdete Tierart ist eine bösartige Krebserkrankung, die ansteckend ist und sich seit ihrer Entdeckung 1996 unter den Populationen verbreitet. Jetzt mussten Wissenschaftler einen Tasmanischen Teufel einschläfern, von dem sie sich einen Durchbruch im Kampf gegen die mysteriöse Krankheit erwartet hatten.

Vor einigen Jahren hatten Forscher Exemplare entdeckt, die immun gegen die Krankheit zu sein schienen. Eines der Tiere, das die Wissenschaftler auf den Namen Cedric getauft hatten, lebte seither im Menzies Research Institute in Hobart auf der Insel Tasmanien. Im Jahr 2007 spritzten die Forscher dem Tier die tödlichen Krebszellen. Diese lösen für gewöhnlich die sogenannte "Devil Facial Tumor Disease" (DFTD) aus, eine Art Krebsgeschwulst, die sich auf dem Gesicht der Tiere ausbreitet. Auch Cedrics Halbbruder Clinky wurde mit den Zellen behandelt.

Im Gegensatz zu Clinky, reagierte Cedrics Immunsystem auf die eingespritzten Krebszellen - und das Wachstum der Tumoren blieb aus. Eine freudige Überraschung für die Forscher, die daraufhin hofften, in Cedrics Körper die molekulare Waffe gegen die tödliche Krankheit finden zu können. Die Entwicklung eines entsprechenden Impfstoffs machte die ersten Fortschritte. Doch im Jahr darauf, als Alex Kreiss und ihre Kollegen dem Tier eine andere Krebszelllinie spritzten, kam der Rückschlag: Auf Cedrics Gesicht entwickelten sich kleinere Geschwülste.

Diese Krebszelllinie ist weitaus gefährlicher: Irgendwann wuchern die grotesken Geschwülste so stark und werden so groß, dass die davon befallenen Beuteltiere nicht mehr in der Lage sind, zu fressen. Die Wissenschaftler entfernten die zunächst kleinen Wucherungen aus Cedrics Gesicht, und das Tier schien sich zu erholen. Weitere zwei Jahre lebte es offenbar völlig gesund in der Forschungseinrichtung. Doch vor zwei Wochen kam die Ernüchterung. Auf Röntgenbildern hatten Kreiss und Kollegen Metastasen in der Lunge von Cedric entdeckt.

Gesichtstumor bildete Metastasen in der Lunge

Darauffolgende Tests ergaben: Der Gesichtstumor hat im Laufe der letzten fünf Jahre gestreut und zur Entstehung der Lungenmetastasen geführt. "Das war in der Tat eine bittere Enttäuschung", sagte die Tiermedizinerin Kreiss. Jahrelang hatte sie mit Cedric gearbeitet, der jetzt aber von seinem Leiden erlöst wurde. Weder ein chirurgischer Eingriff, noch eine Chemotherapie hätte den Tasmanischen Teufel von den Geschwülsten befreien können, erklärten die Wissenschaftler. "Wir mussten ihn einschläfern, sein Zustand hätte sich ansonsten verschlechtert und Cedric hätte zu sehr gelitten", so Kreiss.

Trotzdem arbeiten die Forscher weiterhin daran, eine Impfung gegen die rätselhafte Krankheit zu entwickeln. Zudem gibt es zahlreiche Projekte, die das Aussterben dieser Tierart verhindern wollen. Der Tasmanische Teufel lebt nur noch ausschließlich in Tasmanien. Schätzungen zufolge könnte er aber in den nächsten 25 Jahren wegen der Ausbreitung der Krankheit - die vermutlich über den Speichel übertragen wird - ausgestorben sein.

Australische Zoos haben inzwischen 280 DFTD-freie der Beuteltiere gezüchtet. Und im Nordwesten Tasmaniens hatten Forscher Exemplare entdeckt, die sich genetisch von den übrigen Populationen unterscheiden und möglicherweise ebenfalls resistent gegen DFTD sind. Jetzt ruht auf ihnen die große Hoffnung. Und Cedric soll in Erinnerung bleiben, hofft Forscherin Kreiss - als Mahnung für die Wildtiere, die in Tasmanien sterben.

cib/AP

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