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04.09.2010
 

Satellitenbild der Woche

Größter Eisberg des Nordens rammt Insel

Petermann-Gletscher: Am 4. August brach ein gigantischer Eisberg von der Zunge ab.Zur Großansicht
ESA

Petermann-Gletscher: Am 4. August brach ein gigantischer Eisberg von der Zunge ab.

Ein gigantischer Eisberg ist von einer Gletscherzunge Grönlands abgebrochen - und treibt auf den Ozean hinaus. Aktuelle Satellitenbilder zeigen, dass er auf seinem Weg eine kleine Insel gerammt hat. Das weitere Schicksal des Kolosses ist ungewiss.

Permanent rutschen große Eismassen vom Festland Grönlands und der Antarktis ins Meer. Gewaltige Eisberge brechen ab und treiben auf den Ozean hinaus. Am 4. August ereignete sich an einem Gletscher Grönlands ein solches Naturschauspiel: Ein riesiges Stück mit einer Dicke von rund 200 Metern ist von der Zunge des berühmten Petermann-Gletschers abgebrochen. Mit einer Fläche von 245 Quadratkilometern ist es etwa halb so groß wie der Bodensee und der größte Eisberg, der auf den Ozeanen der nördlichen Hemisphäre treibt.

Seither beobachtet der Esa-Satellit "Envisat" die Route des Eisriesen, der nun in die Naresstraße zwischen Grönland und Kanada eingedrungen ist, wie auf den aktuellen Aufnahmen (siehe Fotostrecke unten) zu erkennen ist. Der Eiskoloss ist nach Angaben der Esa etwa 30 Kilometer lang, am Kopfende 15 Kilometer und am Fußende sieben Kilometer breit. Am 22. August, das zeigen die Aufnahmen der europäischen Raumfahrtbehörde, hatten der Eisblock ungefähr 22 Kilometer zurückgelegt.

Der Petermann-Gletscher liegt etwa tausend Kilometer entfernt vom Nordpol im Norden Grönlands. Er ist einer der größten Gletscher auf der Insel und verbindet deren Eisschild direkt mit dem Ozean. Dabei schiebt er sein Eis aus dem Landesinneren in einer langgestreckten Zunge ins Meer hinaus - durchschnittlich mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Kilometer pro Jahr. Wenn Teile von der Zunge abbrechen, sprechen Experten vom Kalben des Gletschers.

Ein solches Ereignis beobachten die Forscher am Peterman-Gletscher häufiger - doch Abbrüche der aktuellen Größenordnung sind eher selten. 2008 etwa brach ein Eisberg mit einer Fläche von 27 Quadratkilometern vom Petermann-Gletscher ab und trieb in südliche Richtung in die Davisstraße.

Der neue, etwa neunmal so große Eisberg hat seit dem 22. August weitere sechs Kilometer zurückgelegt, wie eine Aufnahme vom 1. September zeigt. Dabei hat er auch eine westliche Drehung von ungefähr 39 Grad vollführt und eine kleine Insel in der Naresstraße gerammt. Das könnte, so die Schätzungen der Forscher, den Riesen eine Weile aufhalten. Dennoch wird er vermutlich bald vollständig in die Naresstraße getrieben sein - je nach Wind- und Strömungslage.

Es könnte aber auch etwas anderes passieren: Der größte Eisberg der nördlichen Hemisphäre könnte zerbrechen.

cib

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