Feuer und Explosionen sind auf den zahlreichen Ölbohrplattformen im Golf von Mexiko keine Seltenheit - sie kommen immer wieder vor und sorgten bisher kaum für Aufregung. Nach der Katastrophe durch die Havarie der "Deepwater Horizon" aber ist alles anders: Als am Donnerstag erneut eine Plattform im Golf von Mexiko Feuer fing, war die Aufmerksamkeit gewaltig.
Zwar konnte das Feuer rund 160 Kilometer südlich der Küste des US-Bundesstaats Louisiana schnell gelöscht werden, und nach Angaben eines Vertreters der US-Küstenwache gibt es vorerst keine Hinweise auf ausströmendes Öl. Doch der Vorfall sorgte für neue heftige Kritik an der Öl- und Gasindustrie.
Das Weiße Haus kündigte an, die Lage genauestens zu beobachten. Wenn es Berichte über Verschmutzung gebe, würden Maßnahmen eingeleitet, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Robert Gibbs. Der Energie- und Handelsausschuss des Repräsentantenhauses lud den Chef der Bohrplattform-Betreiberfirma Mariner Energy, Scott Josey, zu einer Anhörung am 10. September vor. Dieser soll dabei Auskunft über den Unfall und dessen Ursachen geben.
Offenbar kein Öl ausgetreten
Mitarbeiter von Mariner Energy beeilten sich schon am Donnerstag, die Unterschiede zum "Deepwater Horizon"-Desaster herauszustellen: "Es gab keinen Blowout, keine Explosion, keine Verletzten und keinen Ölaustritt", sagte Mariner-Manager Patrick Cassidy.
Das Feuer sei gleich nach Sonnenaufgang in den Wohnquartieren ausgebrochen, als die Besatzung die Plattform gereinigt und mit neuer Farbe versehen habe, sagte Cassidy der "New York Times". Man versuche derzeit, die Ursache des Brandes zu klären. "Er scheint aber nicht im Zusammenhang mit den Bohrlöchern zu stehen", sagte Cassidy. "Und anscheinend ist auch kein Öl freigesetzt worden." Die Vorrichtungen zur automatischen Abschaltung der Öl- und Gasbohrungen sei schon vor dem Feuer aktiviert worden - warum, konnte Cassidy nach Angaben der "New York Times" allerdings nicht erklären.
Mariner Energy bezeichnet sich selbst als unabhängiges Unternehmen im Bereich der Öl- und Gas-Exploration und -Förderung. Die Firma plant, demnächst mit der Apache Corporation zusammenzugehen. Sie verfügte Ende 2009 nach eigenen Angaben über 30,7 Milliarden Kubikmeter Erdgas-Äquivalent nachgewiesener Reserven. Bei 53 Prozent davon handele es sich um Erdgas, bei 47 Prozent um Öl und Erdgasflüssigkeiten.
Mariner Energy soll mehrfach gegen Bestimmungen verstoßen haben
Die in Brand geratene Plattform ist rund 14 Jahre alt und befindet sich in einem Abschnitt namens Vermillion Block 380. Ihre vier Beine reichen rund hundert Meter hinab bis zum Meeresgrund - zwischen der "Deepwater Horizon" und dem Grund des Golfs von Mexiko lagen rund 1,6 Kilometer. Auch ihre Produktionskapazität von rund 260.000 Kubikmeter Erdgas und 1400 Barrel Öl pro Tag liegt deutlich unterhalb dessen, was moderne Tiefwasser-Plattformen im Golf von Mexiko leisten können.
Dokumente der US-Regierung zeigen laut "New York Times", dass es auf der Plattform in den vergangenen zehn Jahren mindestens vier Unfälle mit wenigstens zwei Verletzten gegeben habe. Im gleichen Zeitraum habe Mariner Energy Bußgelder in Höhe von mindestens 85.000 Dollar für Verstöße gegen Sicherheitsvorgaben zahlen müssen.
Der erneute Zwischenfall könnte nun die gesamte Ölindustrie im Golf von Mexiko treffen - denn die hatte scharfe Kritik am Bohrverbot der US-Regierung geübt. Das Moratorium soll eigentlich am 30. November enden, Umweltorganisationen fordern jetzt dessen Verlängerung.
Der erneute Unfall "erinnert daran, dass Bohrunfälle viel zu oft passieren", sagte Jacqueline Savitz von der Umweltorganisation Oceana. "Das BP-Desaster sollte ein Weckruf sein, aber wir haben die Schlummertaste gedrückt", teilte die US-Vereinigung Sierra Club mit. "Die Ölindustrie schimpft weiter auf die Vorschriften, aber es wird immer klarer, dass der jetzige Ansatz der Offshore-Bohrungen zu gefährlich ist."
Auch Greenpeace reagierte alarmiert auf den erneuten Unfall. "Wie viele Male spielen wir noch mit menschlichen Leben, der Wirtschaft und den Ökosystemen?", sagte John Hocevar, Meeresexperte von Greenpeace in den USA. "Es ist Zeit, dass wir aus unseren Fehlern lernen."
mbe/AFP
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