Während die deutschen Verbraucher eher skeptisch sind, floriert in den USA der Handel mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln: Auf einer Fläche von 65 Millionen Hektar wachsen Pflanzen mit einem unnatürlichen Erbgut. Bei Mais, Soja und Baumwolle hält Gentechnik-Saatgut einen Anteil von rund 90 Prozent. In ein paar Jahren könnte nun erstmals auch gentechnisch veränderter Fisch in die Kühltruhen kommen: In den nächsten Wochen wird die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) über die Zulassung eines Lachses entscheiden, der infolge einer Genveränderung etwa doppelt so schnell wächst wie seine natürlichen Verwandten.
Der behandelte Atlantische Lachs erreiche innerhalb von 16 bis 18 Monaten das Verkaufsgewicht von 18 Kilogramm, berichtet das Biotechnologie-Unternehmen Aquabounty Technologies. Ein konventionell gezüchteter Atlantischer Lachs hingegen benötige etwa 30 Monate Zeit zum Wachsen. Möglich wird die Turboentwicklung durch ein Gen des schneller wachsenden Königslachses: Im Erbgut des Atlantischen Lachses sorgt es für die Produktion eines Wachstumshormons. Der Lachs befindet sich dadurch dauerhaft in einer Wachstumsphase und nimmt extrem schnell zu. Abgesehen davon sei der Fisch vergleichbar mit seinen konventionell gezüchteten Verwandten, berichtet das Unternehmen.
Gute Chancen auf Zulassung
Aquabounty Technologies versucht seit Jahren die Zulassung für den gentechnisch veränderten Lachs zu erreichen, mittlerweile hat das Unternehmen fast 60 Millionen US-Dollar und rund 14 Jahre Forschungsarbeit in den Fisch investiert. Nun scheint die Zulassung zum ersten Mal in Reichweite: In einer Analyse hat die zuständige Behörde FDA den Fisch als unbedenklich für Verzehr und Umwelt eingeschätzt. Es gebe keine Bedenken, Speisen von dem Lachs zu konsumieren, heißt es in der Stellungnahme. Und auch für die Umwelt existiere kaum ein Risiko.
Die Einschätzung dient als Grundlage für eine dreitägige Versammlung, bei der die Zulassungsbehörde über Chancen und Risiken des Gentechnik-Fisches diskutieren will. In den Wochen danach wird der Fall wahrscheinlich entschieden. Erfolgt tatsächlich eine Zulassung, wird es allerdings noch zwei bis drei Jahre dauern, bis der Fisch in den Supermärkten zu kaufen ist, berichtet das Unternehmen. Dann wäre er das erste gentechnisch veränderte Tier auf dem Lebensmittelmarkt. Nach einem positiven FDA-Bescheid könnten auch andere Unternehmen versuchen, Gentechnik-Tiere zur Marktreife zu bringen.
Kritiker fürchten Gefahr für Wildlachs
Während das Unternehmen seinen Lachs als Lösung für das Problem der Überfischung anpreist, formiert sich in den USA Widerstand gegen die Zulassung. Kritiker befürchten vor allem, dass die auch "Frankenfish" genannten Tiere ihre fremden Gene auf wilde Artgenossen übertragen könnten. Bereits heute flüchten regelmäßig Lachse aus Aquakulturen und gefährden den Wildbestand durch die Verbreitung von Krankheiten. Um dem vorzubeugen, hat Aquabounty Technologies mit dem Zulassungsantrag einen Sicherheitsplan eingereicht: Bei den gentechnisch veränderten Fischen soll es sich ausschließlich um unfruchtbare Weibchen handeln. Außerdem plant das Unternehmen, die Tiere in Binnen-Aquakulturen heranzuziehen statt in den Ozeanen - ebenfalls eine Neuheit bei der Lachszucht.
Für die Gegner reicht dies noch lange nicht aus: Studien des Unternehmens zeigten, dass rund fünf Prozent der Gentechnik-Fische fruchtbar blieben, zitiert die "New York Times" einen Kritiker. Auch die Einschätzung der FDA zur Lebensmittelsicherheit des Lachses sei geschönt: Ein Großteil der Daten, auf denen die Einschätzung der Behörde beruhe, stamme von Aquabounty Technologies selbst und sei somit stark interessengeleitet. Zudem beruhten manche Studien auf einer kleinen Fischzahl und seien nicht verallgemeinerbar. Mit ihrem Protest setzen die Gegner die Behörde unter Druck. Statt einer Einführung des Gentechnik-Lachses fordern sie die Förderung der natürlichen Bestände.
irb
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Was ist für Sie eine vollkommene Isolierung? Warum sollte eine gentechnisch veränderte Pflanze nicht von 'konventionel' gezüchteten Pflanzen unterschieden werden können? Es gibt z.B. in Deutschland über 200 [...] mehr...
Etwas mehr Bildung würde den Therapeuten sicher auch einsparen. Ja, Millionen Menschen sind paranoid. Machen wir eine Abstimmung, wieviele Deutsche "keine Gene" in Ihren Lebensmitteln haben möchten. Dann essen wir [...] mehr...
Nur weil Millionen von Menschen nicht Ihrer Meinung sind, werden sie von Ihnen als unwissend und paranoid hingestellt? Woher nehmen ausgerechnet SIE die Arroganz her, für Millionen bestimmen zu wollen, was für sie gut zu sein [...] mehr...
Ignoranter Populismus war noch selten ein sinnvoller Ratgeber. Denn die Ablehnung basiert halt gerade auf der vorherrschenden Mischung aus Polemik und Unwissenheit. Oder wollen Sie hier irgendein Primat der [...] mehr...
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