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08.09.2010
 

US-Regierungsstudie

Forscher rätseln über Todeszonen im Ölpest-Gebiet

Von Axel Bojanowski

Foto: AP

Die Prognose war furchterregend: Wie ein Leichentuch würde sich das Öl im Golf von Mexiko über den Meeresgrund legen und alles Leben ersticken, warnten Experten. Eine Regierungsstudie gibt nun Entwarnung - und gerät prompt in die Kritik.

Washington/Hamburg - Diese Prognose nach der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" war besonders gruselig: Die mächtigen Ölschwaden würden sich wie ein Leichentuch über den Meeresgrund legen und alles Leben ersticken, fürchteten Forscher: Bakterien, die das Öl zersetzen, verbrauchen Sauerstoff - bis schließlich zu wenig Gas zum Atmen für Tiere übrig ist. Im Meer entstehen Todeszonen.

Tatsächlich wurde eine deutliche erhöhte Bakterienaktivität im Meer festgestellt. Doch so schlimm wie befürchtet sei es nicht gekommen, berichten jetzt Wissenschaftler der Amerikanischen Ozean- und Wetterbehörde NOAA. Noch seien keine Todeszonen im Golf von Mexiko entstanden, schreiben sie in einem Untersuchungsbericht für die Regierung der USA.

Das Öl werde zwar von Mikroben zersetzt. Doch dabei sei weniger Sauerstoff verbraucht worden als befürchtet. Der Bericht rechtfertigt damit teilweise den umstrittenen Einsatz von Chemikalien, die das Öl weit unter der Wasseroberfläche aufbrechen sollten. Der Konzern BP hatte mehrere Millionen Liter Chemikalien ins Wasser gelassen. Sie sollten das Öl in kleinste Tröpfchen aufbrechen, so dass es von Mikroben schneller zersetzt werden kann.

"Weg der Ölschwaden schwer festzustellen"

Die Studie sei zwar "formal korrekt", sagt der Meereskundler Martin Visbeck vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel. Gleichwohl dürfe sie nicht als Entwarnung missverstanden werden. Schließlich setze sich die Sauerstoffabnahme vermutlich fort: Weiterhin zersetzten Mikroben Öl - und verbrauchten Sauerstoff.

Die Forscher maßen im Radius von 100 Kilometern des ehemaligen Öllecks entlang der US-Küste den Sauerstoff im Wasser. Ergebnis: Weitenteils sei der Gehalt an Sauerstoff im Wasser zwar um ein Fünftel gesunken. Die Werte lägen aber über den Grenzwerten, bei denen Tiere nicht mehr atmen könnten.

Die Untersuchungen seien "zu spät begonnen worden", moniert Antje Boetius, Geomikrobiologin am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. "Wohin die Ölschwaden gezogen sind, ist jetzt nur noch schwer festzustellen".

Im Golf von Mexiko entstehen auch ohne die Ölpest gelegentlich Todeszonen. Vor allem Düngemittel, die ins Meer geschwemmt werden, sorgen für Sauerstoffarmut: Sie fördern das Wachstum von Algen, die schließlich zu Boden sinken und zersetzt werden.

Die Aufarbeitung des Öl-Desasters schreitet auch an anderer Stelle voran: BP hat am Mittwoch einen umfassenden Bericht zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko vorgelegt. Der britische Konzern räumt darin eine Reihe "technischer und menschlicher Fehler" vor der Explosion der Plattform ein. Die alleinige Verantwortung weist BP aber zurück.

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