Bettwanzen-Männchen sind nicht wählerisch: Sie besteigen jeden Artgenossen, der ihren Weg kreuzt - Alter und Geschlecht des Sexpartners sind ihnen dabei völlig egal. Für unreife Larven stellt das hartnäckige Paarungsverhalten eine Gefahr dar, weil ihre Körper durch die Begattung verletzt würden. Bettwanzen-Larven haben allerdings eine wirksame Strategie entwickelt, um sich gegen die Zudringlichkeit der paarungswilligen Männchen zu wehren: Sie machen sich durch einen Duftcocktail für die Männchen unattraktiv, wie schwedische Forscher um Vincent Harraca von der Universität in Lund im Fachmagazin "BMC Biology" (2010, Bd. 8) berichten.
Die Entdeckung der Abwehr-Düfte könne möglicherweise dazu genutzt werden, die Paarung der Insekten gezielt zu stören und so Strategien zur Bekämpfung von Wanzenplagen zu entwickeln, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Veröffentlichung. Über diese Aussicht dürften sich vor allem die Einwohner von New York und Vancouver freuen - denn dort breiten sich die Parasiten gerade massiv aus, auch weltweit wächst die Population.
Der Akt der Paarung ist bei Bettwanzen ein rabiater Vorgang, den die Forscher als traumatisch bezeichnen: Das Männchen der Bettwanze Cimex lectularius sticht bei der Begattung ein Loch in das Weibchen, um seine Samen direkt in den Leib einzubringen. Das Männchen begattet jedoch nicht nur Weibchen. Es stürzt sich auf jedes Individuum einer bestimmten Größe und besamt aufgrund dieser undifferenzierten Partnerwahl auch Larven - denn im letzten Larvenstadium sind die unreifen Tiere etwa genauso groß wie die Bettwanzenweibchen. Während sich die Körper der Weibchen an die derbe Art der Paarung angepasst haben, werden die Larven durch den Stich schwer verletzt.
"Um sich zu schützen, sondern die Larven gezielt Duftstoffe ab, die dem Männchen signalisieren, dass es seine Samen an anderer Stelle ablegen soll", erklärt Harraca. Bei diesen Duftstoffen handelt es sich um eine spezielle Art von Alarm-Pheromonen, die das Männchen über Geruchsrezeptoren an seinen Fühlern aufnehmen kann.
Um dem chemischen Duft-Kommunikationssystem auf die Spur zu kommen, untersuchten die Forscher die genaue Wirkung dieses Anti-Paarungs-Duftstoffes. Dazu bestrichen sie die Stinkdrüsen der Larven mit Nagellack, so dass die Tiere keine Pheromone mehr absondern konnten. Die so präparierten geruchsneutralen Larven wurden in der Folge genauso häufig wie ausgewachsene Weibchen von Männchen begattet. Um die Wirkung der Abwehrgerüche noch genauer zu untersuchen, behandelten die Forscher die sexuell aktiven Männchen mit den Alarm-Pheromonen. Ergebnis: Die Männchen paarten sich nach diesem Duftangriff seltener als vorher.
"Das chemische Kommunikationssystem der Bettwanzen wird gerade erst erforscht. Bisher war man davon ausgegangen, dass Alarm-Pheromone ausschließlich zur Abwehr von Fressfeinden genutzt werden", erklärt der Studienleiter. Die Ergebnisse der Wissenschaftler zeigen nun, dass die Geruchssignale viel mehr Funktionen haben und auch gegen ungewollte Paarungsattacken eingesetzt werden.
sus/dapd
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