30. August 2010, 19:29 Uhr

Reformkommission

Experten drängen auf Umbau des Weltklimarats

Von Axel Bojanowski

Konsequenz aus der Krise: Experten empfehlen einen Umbau des Uno-Klimarats IPCC. Sie üben teils deutliche Kritik an der Arbeit des Gremiums. Sowohl in der Führung als auch bei der wissenschaftlichen Arbeit des Klimarats seien Reformen notwendig.

New York - Kaum ein wissenschaftlicher Bericht hatte je solch einen Einfluss wie der Uno-Klimareport. Er wird alle paar Jahre veröffentlicht vom Uno-Klimarat, dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). 2007 gab es für die Arbeit den Friedensnobelpreis. Doch dann tauchten Fehler im Klimabericht auf, und der IPCC geriet in eine schwere Vertrauenskrise. Manche Wissenschaftler hatten den Rücktritt von IPCC-Chef Pachauri gefordert.

Nun fordert eine von der Uno eingesetzte zwölfköpfige Expertenkommission eine "fundamentale Reform" des IPCC. Der InterAcademy Council (IAC), ein Zusammenschluss von 15 Präsidenten nationaler Wissenschaftsakademien oder gleichrangiger Organisationen, hat zahlreiche Vorschläge für eine Reform des Klimarats ausgearbeitet. Die wichtigsten Empfehlungen:

IAC-Chef Harold Shapiro betonte bei einer Pressekonferenz am Uno-Hauptsitz in New York, dass sein Gutachterausschuss "nicht versucht hat, die wissenschaftlichen Hintergründe der Klimaberichte zu beurteilen". In ihrem Gutachten unterstreichen die Experten gleichwohl, dass die Arbeit des Gremiums "im Grundsatz erfolgreich" sei.

Der Untersuchungsbericht sei "bemerkenswert", er treffe den IPCC "hart", findet der renommierte Klimaforscher Roger Pielke Junior von der University of Colorado in Boulder, der den IPCC seit langem kritisch verfolgt. Die Reformvorschläge nennt Pielke "konstruktiv und weitreichend". Ob die Ideen umgesetzt werden, entscheidet der IPCC selber.

Achim Steiner, Chef des Uno-Umweltprogramms Unep, zieht einen positiven Schluss aus dem IAC-Bericht. "Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, dass der IPCC in seiner Glaubwürdigkeit in keiner Weise in Frage gestellt ist", sagte Steiner. Die neuen IAC-Vorschläge für den Weltklimarat stellen auch keineswegs die wissenschaftliche Arbeit in Frage. Angesichts der zunehmenden Aufgaben sei es jedoch wichtig, den IPCC entsprechend neu zu organisieren.

Mit Material von AFP und dpa


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