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Adlige ohne Herz: Hunderte Jahre alte Leiche auf Baustelle entdeckt

Fund in der Bretagne: Tote ohne Herz Fotos
AFP/ Rozenn Colleter/ Inrap

Sie war adlig und lebte im 17. Jahrhundert - Forscher haben auf einer Baustelle in der Bretagne die erstaunlich gut erhaltene Leiche einer Frau entdeckt. Nur das Herz der Toten fehlt.

In der Bretagne haben Forscher einen Bleisarg aus dem 17. Jahrhundert gefunden - und darin die erstaunlich gut erhaltene Leiche einer bretonischen Adligen. Die etwa 1,45 Meter große Leiche stamme aus einem Steingrab einer Kapelle des Klosters St. Joseph in Rennes, teilten die Wissenschaftler bei einer Pressekonferenz mit.

Es handele sich wahrscheinlich um die Überreste von Louise de Quengo, der Witwe eines bretonischen Adligen, so die Forscher. Sie starb 1656 im Alter von etwa 60 Jahren und hatte sich offenbar in das Kloster zurückgezogen, um dort ihren Lebensabend zu verbringen.

In dem Sarg befanden sich auch die Kleider der Toten. Bei ihrer Bestattung war sie schlicht angezogen: ein Leinenhemd, eine Kniehose aus Wolle, ein Gewand aus grobem Stoff, ein Umhang und Schuhe mit Korksohle. Die Kleider wurden inzwischen restauriert und sollen ausgestellt werden. Die Leiche soll in ein paar Monaten in Rennes beigesetzt werden.

Herz aus der Brust geschnitten

Die Forscher hätten gleich gesehen, dass es sich um ein besonderes Grab handelte, sagte die Archäologin Rozenn Colleter vom Pariser Forschungsinstitut Inrap. Unter dem Umhang hätten sie Hände erkannt, "die ein Kruzifix hielten". Das Gesicht der Toten war mit einem Leichentuch verhüllt.

Nach ihrer Entdeckung wurde die Tote aufwendig untersucht. "Mit Louise haben wir eine Überraschung nach der nächsten erlebt", sagte der Radiologe Fabrice Dedouit. Die Untersuchungen ergaben Nierensteine und Verklebungen der Lunge. Das Herz sei nach ihrem Tod "mit echtem chirurgischen Können" entnommen worden.

Entdeckt wurde die Leiche auf der Baustelle für ein Kongresszentrum. Die Wissenschaftler fanden vor Ort noch vier weitere Bleisärge sowie 800 weitere Gräber. Sie enthielten allerdings nur noch Skelette. In der Nähe von Louise de Quengo wurde aber das Herz ihres Mannes Toussaint de Perrein gefunden.

jme/AFP

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.


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