Globale Wetterstatistik 2016 war das bislang wärmste Jahr

Nun ist es amtlich: So warm wie 2016 war es noch nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Meteorologen haben zwei Erklärungen für den neuen Höchstwert.

Dürre in Südfrankreich im September 2016
DPA/ Sebastien Nogier

Dürre in Südfrankreich im September 2016


14,8 Grad Celsius - das klingt nicht besonders warm. Doch für unseren Planeten markiert dieser Wert, die weltweite Durchschnittstemperatur des Jahres 2016, einen neuen Rekord.

Das Jahr 2016 sei damit bereits das dritte Jahr in Folge, das einen neuen Wärmerekord aufgestellt habe, berichten die US-Weltraumbehörde Nasa und die Wetterbehörde NOAA. Der Wert für 2016 liege um 0,07 Grad über dem von 2015. Besonders auffällig seien extreme Hitzewellen in Indien gewesen und eine Eisschmelze in der Arktis, die so noch nicht beobachtet wurde. Seit Ende des 19. Jahrhunderts werden Temperaturen weltweit gemessen.

Nasa und NOAA führen eigene Wetterstatistiken - ihre Daten für 2016 sind nahezu identisch. Dass 2016 einen neuen Rekord markiert, bestätigten auch das britische Met Office und die University of East Anglia, die im Auftrag der Uno Wetterdaten erfasst und auswertet.

Wärme aus dem Pazifik

Den Spitzenwert von 2016 erklären Meteorologen mit zwei Phänomenen: Da ist zum einen der vom Menschen verursachte Klimawandel. In die Atmosphäre freigesetzte Treibhausgase wie CO2 führen langfristig dazu, dass mehr Energie der Sonne absorbiert wird - die Temperaturen steigen.

Im Jahr 2016 habe jedoch auch ein starker El Niño eine wichtige Rolle gespielt, berichten die Forscher von Nasa und NOAA. Das Wetterphänomen habe große Wärmemengen aus dem Pazifik freigesetzt, sodass der Rekord des Jahres 2015 gebrochen wurde.

Gedimmtes Sonnenlicht

Das Jahr 2017 wird nach Meinung der Wetterforscher voraussichtlich keinen neuen Spitzenwert bringen, weil der El Niño sich mittlerweile stark abgeschwächt hat.

"Wir erwarten nicht in jedem Jahr einen neuen Rekord", sagte Gavin Schmidt, Direktor des Goddard Institute for Space Studies der Nasa. "Aber der langfristige Trend zur Erwärmung ist klar."

Neue Rekorde in den kommenden Jahren könnten wohl nur noch von größeren Vulkanausbrüchen verhindert werden. Die dabei in die Atmosphäre geschleuderte Asche dimmt das Sonnenlicht und senkt die Wärmeaufnahme.

Die Wahrheit über die Erwärmung

Auf dem Weltklimagipfel in Paris im Dezember 2015 hatten sich die Länder darauf geeinigt, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu beschränken. Dieses Ziel gilt als sehr ambitioniert, denn 2016 lag bereits 0,94 Grad über dem Mittelwert des 20. Jahrhunderts.

Sorgen macht Klimaschützern auch der Machtwechsel im Weißen Haus. Der künftige US-Präsident Donald Trump hat den Klimawandel als Schwindel (Hoax) bezeichnet und angekündigt, keine US-Steuergelder für Uno-Klimaprogramme auszugeben und den Weltklimavertrag zu kündigen.

Wissenschaftler fürchten zudem, dass Trump auch die Klimaforschung an US-Behörden beschneiden könnte. Sie haben deshalb begonnen, ihre Daten auf externen Servern zu sichern.

hda/Reuters

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