30.000 Jahre alte Keime: Biologen lassen Blumen aus der Eiszeit blühen

30 Jahrtausende lagen die Pflanzenteile im gefrorenen Boden Sibiriens - jetzt brachten Forscher die Blumen zum Sprießen: Sie unterscheiden sich erstaunlich deutlich von ihren heutigen Nachkommen.

Silene stenophylla: Blumengruß aus der Eiszeit Fotos
PNAS/ Soil Cryology Lab. Moscow

Washington - Vor gut 30.000 Jahren, kurz vor dem Höhepunkt der letzten Eiszeit, brachten Erdhörnchen Pflanzen in ihren Bau im Boden Sibiriens. Nie sollten sie das Futter anrühren. Nun haben Forscher die Reste im gefrorenen Permafrostboden gefunden - und zum Blühen gebracht.

Der sibirische Permafrost hatte einige Fruchtteile gut konserviert, bevor russische Forscher sie im Labor zu neuem Leben erweckten. Der Erfolg ihres Versuchs unterstreiche, wie bedeutend Permafrostböden als Lagerstätte für Leben seien, das längst von der Erde verschwunden geglaubt schien, schreiben die Biologen im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Das Pflanzenmaterial, das die Forscher um Svetlana Yashina und Stanislav Gubin von der Russischen Akademie der Wissenschaften im russischen Pushchino bearbeiteten, stammt aus den Futterverstecken der Erdhörnchen; sie liegen rund 38 Meter tief im Permafrostboden und tauten während der gesamten Zeit nie auf.

Aus den verschiedenen in den Höhlen gefundenen Pflanzen wählten die Forscher die Art Silene stenophylla aus, die zur Gattung der Leimkräuter gehört. Sie entnahmen aus noch unreifen Früchten der Pflanze embryonales Gewebe und entwickelten daraus zunächst im Labor kleine Setzlinge und pflanzten sie ein. Zum Vergleich züchteten sie auch aus den Samen von heute lebenden Pflanzen der gleichen Art Nachkommen.

Züchtung von Mammuts?

Die Pflanzen entwickelten sich normal. Vor der Blüte ließen sich die alten und die heutigen Pflanzen äußerlich nicht auseinanderhalten. Bald jedoch zeigten sich deutliche Unterschiede: Die Blütenblätter der heutigen Pflanzen sind breiter und stärker gefurcht. Außerdem sind die heutigen Blüten einer Pflanze alle zweigeschlechtlich. Die alten Pflanzen hingegen bildeten zunächst rein weibliche Blüten und erst danach zweigeschlechtliche. Schließlich bestäubten die Forscher die Blüten. Nach acht bis neun Wochen bildeten sich Samen, aus denen sich wiederum neue Pflanzen entwickelten.

Die weitere Untersuchung von Permafrostböden sei notwendig, um den Genpool vergangener Zeiten zu entdecken, schreiben die Wissenschaftler. Oft sind mehrere hundert Meter dicke Bodenschichten dauerhaft gefroren, seit Jahrtausenden. Eingeschlossen im Boden liegen seither die Überreste vergangener Zeiten - von mikroskopisch kleinen Bakterien über Pollen, Sporen, ganzen Pflanzen oder Insekten bis hin zu riesigen Tieren wie zum Beispiel den Mammuts. Forscher planen bereits die Auferstehung der Mammuts.

boj/dpa

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1. Schönes Beispiel der Evolution
herbert_schwakowiak 21.02.2012
Wie werden das die Kreationisten wohl in ihre Schöpfungslehre einbauen? Ach nee, brauchen sie ja gar nicht, schließlich gab es die Erde vor 30000 Jahren noch gar nicht.
2.
reuanmuc 21.02.2012
Zitat von herbert_schwakowiakWie werden das die Kreationisten wohl in ihre Schöpfungslehre einbauen?
Das ist doch nur Mikroevolution;-) Dieses Beispiel zeigt schön die Vielfältigkeit und Komplexität der Evolution. Auch Bakterien überleben Jahrmillionen im Eis oder Permafrost. Das könnte den Menschen unangenehme Überraschungen bringen!
3. Sehr gut!
R4mbo 21.02.2012
Gutes Projekt! Sie sollten jetzt die Eigenschaften von allen "aufgetauten" Pflanzen notieren, die DNA sequenzieren (sollte mittlerweile für 1000-10000€ pro Pflanze möglich sein) und das ganze veröffentlichen. Damit auch andere versuchen können Unterschiede zu finden.
4. Och nö
rattentier@gmx.de 21.02.2012
An sich ein ganz guter Artikel lieber Spiegel... Gut das mit dem Wort "Keim" ist jetzt nicht ganz gelungen aber sonst find ich's interessant. Mal ausnahmsweise keine extremen rechtschreibfehler oder so. Nur der satz am Ende, der macht alles kaputt. Da muss ich irgendwie sofort an Bildzeitung denken. "Forscher planen schon Auferstehung des Mammuts" musste das sein?
5. D
cassandros 21.02.2012
Zitat von rattentier@gmx.deAn sich ein ganz guter Artikel lieber Spiegel... Gut das mit dem Wort "Keim" ist jetzt nicht ganz gelungen aber sonst find ich's interessant. Mal ausnahmsweise keine extremen rechtschreibfehler oder so. Nur der satz am Ende, der macht alles kaputt. Da muss ich irgendwie sofort an Bildzeitung denken. "Forscher planen schon Auferstehung des Mammuts" musste das sein?
Dafür finde ich in diesen wenigen Zeilen 6 Fehler! Jemand mehr?
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Zittern um die Riesenpflanze