Massospondylus-Schädel Dino aus dem 3D-Drucker 

Einfach mal einen Dinosaurier downloaden? Eine Paläontologin aus Südafrika macht es möglich. Sie hat den Schädel von einem Massospondylus gescannt - und bietet die Dateien gratis zum 3D-Druck an.

Kimberley Chapelle

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Die Idee dürfte nicht nur Wissenschaftler begeistern, sondern auch Fans von Dinosauriern: Mit einem neuen Verfahren wollen Forscher Knochen und Schädel von Fossilien bald mehr Menschen zugänglich machen.

Dafür hat die Paläontologin Kimi Chapelle von der University of the Witwatersrand in Johannesburg den Schädel eines Massospondylus-Dinosauriers erfasst und die Dateien für den 3D-Druck aufbereitet. Damit die komplexe Struktur des 200 Millionen Jahre alten Fossils als Modell angefertigt werden kann, nutzte die Südafrikanerin zunächst einen Computertomografen (CT). Mit der Technik konnte jeder einzelne Kochen des Schädels erfasst werden. Sogar sehr filigrane und winzige Strukturen des Innenohrs ließen sich betrachten.

Die Ergebnisse ihres Scans hat sie in der Fachzeitschrift "PeerJ" veröffentlicht. Jeder kann dort die Dateien herunterladen und sie für einen eigenen 3D-Ausdruck nutzen. "Das kann jeder zu Hause machen - egal ob Forscher oder Fan", sagt Chapelle in einer Mitteilung der Universität. Vorausgesetzt, man hat Zugang zu einem 3D-Drucker. Ähnliche Animationen hatten Forscher schon früher erstellt, etwa für den Hominiden Homo naledi.

Sie können die Schädeldatei in der folgenden Animation, die SPIEGEL ONLINE aus den Daten von Chapelle gebaut hat, interaktiv erkunden - sie lässt sich drehen und man kann auch hineinzoomen.

Die Arbeit von Chapelle hat aber nicht nur einen praktischen Aspekt, sie trägt auch zur Erforschung von Massospondylus bei. Die Saurierart gehört zu den bekanntesten im an fossilen Funden reichen Südafrika. Die Echsen wurden etwa fünf Meter groß und bewegten sich auf den Hinterbeinen. Sie tauchten vor knapp 200 Millionen Jahren auf und starben etwa 25 Millionen Jahre später aus.

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Nodosaurus: Panzer auf Beinen

Bereits seit den Siebzigerjahren wurden im Golden Gate National Park mehrfach fossile Eier mit Embryos und Saurierfußabdrücken entdeckt, zudem über ein Dutzend vollständige Skelette und Hunderte Fossilien.

Doch bisher ist ausgerechnet der Schädel der Tiere nicht besonders gut untersucht worden. Chapelle entdeckte bei ihren Scans unbekannte Verbindungen zwischen Innen- und Mittelohr. Zudem fand sie einige Stellen, an denen Nervenstränge offenbar ans Hirn angeschlossen waren und Knochen durchliefen.

CT-Scan eines Massospondylus
Kimberley Chapelle

CT-Scan eines Massospondylus

Außerdem konnte sie nachweisen, dass das Gebiss über weitere Zähne verfügte. "Sie können tatsächlich winzige Ersatzzähne in den Knochen der Kiefer sehen", schreibt sie. Das Tier habe bei Verlust neue Zähne herausbilden können - genau wie Krokodile.

Ihre Analysen ergaben, dass die Schädelknochen des untersuchten Tieres noch nicht vollständig miteinander verwachsen waren. Deshalb müsse es sich um ein Jungtier handeln. "Über solche Scans können wir nachvollziehen, wie sich die Tiere entwickelt haben, wie schnell sie gewachsen sind und wie groß sie geworden sind."

In ihrer Arbeit will sie sich künftig mit ungelösten Fragen der Massospondylus-Entwicklung beschäftigen und weitere Dinosaurierarten scannen. Wie konnte sich aus einem knapp hundert Gramm schweren Baby ein ausgewachsenes Tier von einer halben Tonne Gewicht entwickeln? Vielleicht können auf diese Frage irgendwann auch Forscher eine Antwort finden, die durch Chapelles ausgedrucktes 3D-Modell auf neue Ideen kommen.



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