50.000 getötete Elefanten Warum die US-Waffenlobby Elfenbeinhandel unterstützt

Jedes Jahr töten Wilderer schätzungsweise 50.000 afrikanische Elefanten. Elfenbein-Handelsverbote sollen helfen, die Tiere zu schützen. Dagegen protestiert die US-amerikanische Waffenlobby.

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AFP

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Samuel Wasser hat eine Methode entwickelt, mit der sich aus beschlagnahmten Elfenbein-Lieferungen herausfinden lässt, wo die getöteten Elefanten lebten. Der Forscher von der University of Washington greift dazu auf eine Datenbank zurück, die er gemeinsam mit Kollegen erstellt hat. Darin sind Erbgutproben von 1350 Elefanten von 71 Orten in 29 afrikanischen Staaten erfasst. Mithilfe dieser Vergleiche könnten die Wissenschaftler zwei Hotspots in Afrika ausmachen, an denen Wilderer die meisten Elefanten töten.

William Clark, der sich bei Interpol lange mit Wilderei und dem damit verbundenen Schmuggel beschäftigt hat, lobt die Methode auf der Konferenz der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Washington. Sie ermögliche es, Fälle zu lösen, die man vorher nicht knacken konnte. So lassen beispielsweise Vergleiche verschiedener Funde jetzt Rückschlusse auf die Schmuggelrouten zu.

Einen Großhändler in Togo habe man beispielsweise verurteilen können, erzählt Forscher Wasser auf der AAAS-Konferenz. Er habe für den Elfenbeinschmuggel sogar die Höchststrafe erhalten, die im Land für diese Straftat verhängt werden könne: zwei Jahre. Das geringe Strafmaß, das in vielen afrikanischen Staaten droht, sieht er als eines der Probleme beim Kampf gegen die Wilderei. Mit illegal gehandeltem Elfenbein werden Schätzungen zufolge um die drei Milliarden Dollar im Jahr umgesetzt.

US-Waffenlobby gegen Handelsverbot

Doch auch strengere Handelsverbote könnten die Tiere schützen, glauben Experten. Wo es einen legalen Markt für Elfenbein gibt, erklärt William Clark, könnten Händler Schmuggel besser kaschieren: Sie würden dann ein einmal ausgehändigtes Zertifikat mehrmals verwenden, indem sie dem Käufer einen Rabatt anböten, wenn dieser ihnen das Material ohne Zertifikat abnehme. Und schon könnte es für Schmuggelware verwendet werden.

Nicht nur in China gibt es einen großen Markt für Elfenbein, sondern auch in Japan und den Vereinigten Staaten. Kürzlich hat US-Präsident Barack Obama den Elfenbeinhandel in den USA deutlich eingeschränkt und den Import, Export sowie Handel über US-Bundesstaatsgrenzen hinaus mit wenigen Ausnahmen verboten. China hat angekündigt, den Handel ebenso stark einzuschränken.

Zu den erbitterten Gegnern des Elfenbein-Handelsverbots in den USA gehört überraschenderweise die mächtige US-amerikanische Waffenlobby NRA. Denn das Material wird bis heute für Waffen und Messer verwendet, etwa für Griffe und Visiere. Man stelle sich beispielsweise einen Waffenschmied vor, der eine Schrotflinte aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg reparieren solle, so die NRA. Dafür benötige er eine kleine Elfenbeinkugel fürs Visier - und das Rohmaterial könne er nun nicht mehr bekommen. Es sei denn, er könne nachweisen, dass das Elfenbein legal vor 1990 (afrikanischer Elefant) beziehungsweise 1975 (asiatischer Elefant) importiert wurde.

Die Waffenlobby kämpft auch gegen die Einschränkung, dass Großwildjäger laut der neuen Regelung nur zwei Elefanten-Trophäen pro Jahr in die USA einführen dürfen.

Mehr als 50.000 gewilderte Elefanten pro Jahr

Wie viele Elefanten durch Wilderei sterben, lässt sich nur schätzen. 2013 wurden 51.000 Kilo Elfenbein beschlagnahmt. Geht man davon aus, dass etwa zehn Prozent der Schmuggelware entdeckt würden - laut Wasser eine vorsichtige Schätzung - lässt sich daraus hochrechnen, dass in dem Jahr mehr als 50.000 afrikanische Elefanten wegen ihrer Stoßzähne getötet wurden. In den USA tobt seit Monaten eine erhitzte Debatte über das Schicksal von 18 Elefanten aus Swasiland: Sie sollen in amerikanische Zoos kommen, was viele Tierschützer ablehnen. Die Alternative ist jedoch, dass sie in Swasiland getötet werden, weil in den relativ kleinen Nationalparks des Landes nicht genug Platz für wachsende Elefantenherden ist.

Wie gut manche Wilderer in Afrika ausgestattet sind, zeigte sich etwa an im Jahr 2007 beschlagnahmten Stoßzähnen aus Sambia, schildert Wasser: Einschusslöcher ließen nur den Schluss zu, dass die Tiere aus einem Hubschrauber mit Maschinengewehren erschossen wurden.

Den aktuellen Elefanten-Bestand in Afrika schätzt er auf 450.000 Tiere. Zum Vergleich: Vor 200 Jahren lebten schätzungsweise fünf Millionen Elefanten auf dem Kontinent, 1979 ging man von 1,3 Millionen Tieren aus.

Vor allem die Waldelefanten sind laut Wasser in Gefahr - sie sind neben den Steppenelefanten die zweite in Afrika beheimatete Art. "In den vergangenen Jahren haben wir 95 Prozent der Waldelefanten verloren", sagt Wasser. Es drohten Auswirkungen aufs gesamte Ökosystem. Beispielsweise seien die Elefanten die einzigen Tiere, die bestimmte, große Samen verschiedener Bäume verbreiten. "Wer übernimmt diese Aufgabe, wann der Elefanten fort sind?", fragt Wasser.

Für den Forscher geht es von der Konferenz aus direkt ins Flugzeug nach Asien. Denn er kümmert sich nicht nur um den Schutz von Elefanten. Zusammen mit Kollegen will er eine ähnliche Datenbank für Schuppentiere erstellen, eine Säugetierfamilie (siehe Fotostrecke). Diese Tiere werden nicht nur gegessen, in der traditionellen chinesischen Medizin gelten ihre Schuppen als Mittel gegen verschiedenste Krankheiten. Es sei das am stärksten gewilderte Tier weltweit, sagt Wasser. Und da man noch gar nicht viel über die scheuen Tiere wisse, wüssten wir nicht einmal, in welchem Tempo wir sie verlieren.

Zusammengefasst: Wie lässt sich verhindern, dass jedes Jahr in Afrika 50.000 Elefanten sterben, weil Wilderer ihre Stoßzähne verkaufen? Zum einen sind härte Strafen in den afrikanischen Staaten notwendig. Zum anderen helfen nach Expertenaussagen strengere Handelsverbote in den Ländern, die Elfenbein kaufen. In den USA stemmt sich unter anderem die Waffenlobby gegen solche Auflagen.

Zur Autorin
  • Nina Weber ist Biochemikerin und Krimiautorin mit einem Faible für kuriose Studien. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 123 Beiträge
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Seite 1
tailspin 18.02.2016
1. So ein Quark
Hat die Autorin ueberhaupt den NRA Artikel gelesen? Die NRA hat ueberhaupt nichts gegen Elefanten. Im Gegenteil. Allerdings hat sie durchaus etwas gegen Obamas Nadelstichpolitik, die es untersagen will, dass Waffen (praktisch 100% Jagdwaffen) mit minimalen Elfenbeinintarsien nicht mehr gehandelt werden koennen, es sei denn sie sind 100 Jahre alt. ” ...it will be illegal to sell any firearm or other item that contains any amount of ivory and that is less than 100 years old."
123egal 18.02.2016
2.
"Man stelle sich beispielsweise einen Waffenschmied vor, der eine Schrotflinte aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg reparieren solle, so die NRA. Dafür benötige er eine kleine Elfenbeinkugel fürs Visier - und das Rohmaterial könne er nun nicht mehr bekommen. " Dieser arme Mensch. Der arme Besitzer kann ja dann nicht beim Lunch vor seinen Freunden angeben, dass sein Vater mit dieser Waffe schon Feinde getötet habe und diese immer noch 100 % funktionstüchtig ist. Nein, so eine Situation darf nicht eintreten! Ich bin auch dafür, ein stolzes Tier zu töten, nur damit dann ein Tötungswerkzeug repariert werden kann. (Ironie aus). Kann man eigentlich auch eine Jagd auf NRA-Mitglieder buchen? -Das wäre mal was wirklich sinnvolles und von denen scheint es leider zu viele zu geben.
dritter_versuch 18.02.2016
3. Nra
Zitat von tailspinHat die Autorin ueberhaupt den NRA Artikel gelesen? Die NRA hat ueberhaupt nichts gegen Elefanten. Im Gegenteil. Allerdings hat sie durchaus etwas gegen Obamas Nadelstichpolitik, die es untersagen will, dass Waffen (praktisch 100% Jagdwaffen) mit minimalen Elfenbeinintarsien nicht mehr gehandelt werden koennen, es sei denn sie sind 100 Jahre alt. ” ...it will be illegal to sell any firearm or other item that contains any amount of ivory and that is less than 100 years old."
Natürlich hat die NRA nix gegen Elefanten. Sie verarbeitet diese doch gerne.
hatshepsut 18.02.2016
4. Naja, da hat der Author in eine bestimmte Richtung gedrängt
Fakt ist, die großen Elfenbeinmärkte sind China und Japan, NICHT die USA. Fakt ist, Wilderer verwenden hauptsächlich AK47 und AK47 Derivate, also nichts was von der "US Waffenlobby" produziert wird. Fakt ist, nicht nur Amerikaner, vor allem auch Europäer gehen gern gegen Schmiergeldzahlung auf Growildjagd, und hier bei uns wird das noch weniger verfolgt als in den USA. Fakt ist, es sind immer wieder die afrikanischen Staaten selbst (mit Ausnahme von Kenya und Mali), die bei CITES für Verkaufsfreigaben für Elfenbein stimmen.
phouchg 18.02.2016
5. Begründung
Dass Elfenbein für die Restauration alter Waffen benötigt wird, ist natürlich nur vorgeschobenen. Wilderer brauchen Waffen, Wildhüter brauchen Waffen und je besser die Waffen der einen sind, desto besser müssen die Waffen der anderen werden. Eine Strategie, die schon bei Kriminellen und Haus- und Familienbeschützern in den USA gut funktioniert.
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