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Abkürzungsflut erklärt: Klimasprech für Fortgeschrittene

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Bei den Verhandlungen auf dem Klimagipfel von Kopenhagen geht es oft höchst technisch zu. In einem Glossar erklärt SPIEGEL ONLINE Dutzende Abkürzungen der Verhandlungen - von AFOLU bis WCCF.

A

AFOLU - Agriculture, Forestry & Other Land Use

Unter diesem umfassenden Begriff werden Land- und Forstwirtschaft sowie andere Landnutzung zusammengefasst. Abholzung und Aufforstung (LULUCF) sind ein Teilbereich, dabei geht es um Klimasenken. In Pflanzen kann CO2 zwischengespeichert werden. Durch die Hinzuziehung der Landwirtschaft soll die statistische Erfassbarkeit vereinfacht werden. Wenn sich Waldgebiete auf ehemals landwirtschaftliche Flächen ausdehnen - wie zumindest an einigen Stellen der Nordhalbkugel - dann ergibt sich eine positive Klimawirkung. Die CO2-Bilanz der globalen Abholzung ist noch immer sehr schwer zu bestimmen.

Annex-1-Staaten

In der Uno-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) haben sich quasi alle Industrieländer zu Senkungen der CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 verpflichtet. In Annex-1 des Vertrages sind die Staaten aufgeführt, die das im Detail betrifft. Auf der Liste stehen alle OECD-Länder außer Mexiko und Südkorea, außerdem alle osteuropäischen Länder außer Jugoslawien und Albanien. Im Gegenzug werden Entwicklungs- und Schwellenländer oft "Non-Annex-1-Countries" genannt.

Annex-B-Staaten

Dieser Begriff stammt aus dem Kyoto-Protokoll und umfasst alle Länder, die sich im Zeitraum zwischen 2008 und 2012 zu bindenden Treibhausgasreduktionen verpflichtet haben. Konkret sind das alle Annex-1-Staaten, sowie Kroatien, Slowenien, Monaco und Liechtenstein - jedoch ohne Weißrussland und Türkei. Der Begriff wird oftmals als Synonym für die Industrieländer benutzt.

AWG-KP - Ad hoc Working Group on Further Commitments for Annex I Parties under the Kyoto Protocol

Auf dem Klimagipfel in Montréal im Jahr 2005 wurde diese Arbeitsgruppe von Mitgliedstaaten des Kyoto-Protokolls gegründet. Sie arbeitet vor allem daran, dass Industrieländer (die sogenannten Annex-1-Staaten) über das Jahr 2012 hinausgehende Klimaschutzverpflichtungen vorlegen. Wie gut sie dabei vorankommen, berichten die Länder auf den Sitzungen des Meetings of the Parties of the Kyoto Protocol (CMP).

AWG-LCA - Ad Hoc Working Group on Long-term Cooperative Action

Dieses für die aktuellen Verhandlungen extrem wichtige Gremium (zu deutsch: "Ad-hoc-Arbeitsgruppe unter der Klimarahmenkonvention") wurde auf der Klimakonferenz in Bali im Jahr 2007 gegründet. Die Arbeitsgruppe sollte sich im Rahmen der sogenannten Bali Road Map um die Fortentwicklung des internationalen Klimaschutzes kümmern - und zwar genau zwei Jahre lang, bis zum Klimagipfel in Kopenhagen. In dieser Gruppe ging es vor allem um die Emissionsminderungsbeiträge der Industriestaaten, die das Kyoto-Protokoll nicht unterschrieben haben, also vor allem der USA. Auch über Beiträge der Entwicklungsländer zum Klimaschutz wurde geredet - und über die Frage der finanziellen Unterstützung.



B

Bali Road Map

Die Bali Road Map (zu deutsch: "Fahrplan von Bali") wurde auf der Klimakonferenz in Bali im Jahr 2007 beschlossen (COP 13). Die Road Map fasst den Bali Action Plan und andere Dokumente zusammen und hat den Verhandlungsrahmen bis zum Gipfel in Kopenhagen (COP 15) vorgegeben. Die Verhandlungen wurden vor allem in der Ad-hoc-Arbeitsgruppe unter der Konvention (AWG-LCA) geführt.



C

CDM - Clean Development Mechanism

Dieser Mechanismus wurde mit Artikel 12 des Kyoto-Protokolls eingeführt. Er erlaubt Industriestaaten, in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern zu investieren - und dafür Klimagutschriften zu bekommen, die ihrer eigenen Klimabilanz nützen. Überwacht wird das ganze vom CDM Executive Board, wo die Projekte registriert werden müssen. Der CDM sorgt also dafür, dass Geld zum Klimaschutz in die ärmeren Staaten fließt - aber bisher längst nicht ausreichend.

CMP - Meeting of the Parties to the Kyoto Protocol

Bei diesem Treffen kommen alle Staaten zusammen, die das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben. Es findet einmal im Jahr statt, zeitgleich zur COP. Staaten wie die USA, die die Uno-Klimarahmenkonvention, aber nicht das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben, sind bei der CMP als Beobachter zugelassen, dürfen aber nicht abstimmen. In Kopenhagen findet das fünfte Treffen dieser Art statt.

COP - Conference of the Parties

Bei diesem Treffen kommen alle Staaten zusammen, die die Uno-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) unterschrieben haben. Es findet einmal im Jahr statt und beherbergt gleichzeitig das Meeting of the Parties to the Kyoto Protocol (MOP oder CMP). Auf der Conference of the Parties werden die Beschlüsse zur Umsetzung und Weiterentwicklung des Abkommens getroffen. In Kopenhagen findet die 15. Conference of the Parties statt. Das Treffen wird deswegen oft als COP 15 bezeichnet.

CSAs - Cooperative sectoral approaches and sector-specific actions

Sektorbezogene Klimaschutzmaßnahmen gibt es bisher in der Uno-Klimarahmenvonvention (UNFCCC) noch nicht. Hierbei würden sich zum Beispiel bestimmte Wirtschaftsbereiche zusammentun und freiwillige Maßnahmen beginnen. Sektorspezifische Lösungen hätten den Charme, dass sie die Abwanderung von energieintensiven Branchen aus Industrieländern in Entwicklungs- und Schwellenländer ohne bindende Reduktionsverpflichtungen verhindern könnten. Schwierig wäre jedoch ihre Überprüfung und die genaue Definition der Maßnahmen. Kritiker bemängeln auch, dass sich Industrieländer dadurch eventuell nur zu weniger ambitionierten Zielen verpflichten könnten.



E

EBFTA - Executive Body on Finance and Technology for Adaptation

Dieses Gremium gibt es bisher noch nicht. Über seine Einrichtung könnte in Kopenhagen verhandelt werden. Es würde einen Fonds zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels verwalten, aus dem Entwicklungsländer Geld bekommen könnten.

EBFTM - Executive Body on Finance and Technology for Mitigation

Dieses Gremium gibt es bisher noch nicht. Über seine Einrichtung könnte ebenfalls in Kopenhagen verhandelt werden. Es würde einen Hilfsfonds zum klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft in Entwicklungsländern verwalten.

EBT - Executive Body on Technology

Dieses Gremium zum Technologietransfer gibt es bisher ebenfalls noch nicht. Die Entwicklungsländer der sogenannten Gruppe der 77 und China haben seine Gründung als neues Organ der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) - bisher sind das der Subsidiary Body for Implementation und der Subsidiary Body for Scientific and Technological Advice - vorgeschlagen, zusammen mit dem Multilateral Climate Technology Fund (MCTF). Im Executive Body sollen Regierungsvertreter sitzen, die von der COP gewählt werden. Sie sollen ein Komitee für strategische Planung und weitere Panels gründen, um die Arbeit zu erledigen.

EGTT - Expert Group on Technology Transfer

Diese Expertengruppe gibt es seit dem Klimagipfel COP 7, der im Herbst 2001 in Marokko tagte. Sie soll dabei helfen, Technologietransfer im Rahmen der Klimarahmenkonvention möglich zu machen.

ERU - Emission Reduction Unit

Die Emission Reduction Units sind die Rechengröße bei JI-Projekten. Eine ERU repräsentiert dabei die Vermeidung von einer Tonne Kohlenstoffäquivalent (tCO2e).

ESTs - environmentally sound technologies

Dieser Begriff (zu deutsch: "umweltverträgliche Technologien") stammt aus der Uno-Klimarahmenkonvention. Es geht um Technologien, die die Umwelt in irgendeiner Weise schützen - also zum Beispiel durch geringere Emissionen oder eine nachhaltigere Ressourcennutzung. Der Begriff wird häufig im Zusammenhang mit Technology Needs Assessments (TNAs) verwendet, in denen Entwicklungsländer ihre benötigten Klimaschutztechnologien aufführen können.

ETS - Emission Trading System

Der Emissionshandel zwischen Staaten wurde mit dem Kyoto-Protokoll eingeführt, neben den Mechanismen JI und CDM. Die Annex-B-Staaten des Protokolls, also alle Länder, die sich zu Emissionsreduktionen verpflichtet haben, können ihre Verpflichtungen auf zwei Wegen erreichen: Sie können in ihrem eigenen Land für weniger CO2-Ausstoß sorgen, oder sie können sich Verschmutzungsrechte in anderen Industrieländern kaufen. Finanziell haben von dieser Regelung vor allem die Staaten Osteuropas profitiert, in denen die Wirtschaft nach dem Fall des Eisernen Vorhangs oft einen starken Einbruch hinnehmen musste. Dadurch sanken die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 und Zertifikate wurden frei. Dabei werden allerdings zusätzliche Emissionen generiert ("heiße Luft").



G

GEF - Global Environment Facility

Dieses multilaterale Finanzierungsprogramm (zu deutsch: "Globale Umweltfazilität") ist mit der Uno-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) gestartet worden. Es stellt pro Jahr etwa 250 Millionen Dollar für Projekte bereit, unter anderem zur Energieeffizienz und für die Förderung erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern. Diese Summe liegt dabei allerdings weit unter dem weltweiten Bedarf. GEF verwaltet auch die zwei Sonderfonds der Konvention, den Least Developed Countries Fund (LDCF) und den Special Climate Change Fund (SCCF). Das Programm kommt auch für andere Uno-Konventionen wie das Montréaler Protokoll zum Schutz der Ozonschicht zum Einsatz.

GHGs - Greenhouse Gases

Als Treibhausgase werden diejenigen Gase bezeichnet, die globale Erwärmung und Klimawandel verursachen. Das Kyoto-Protokoll umfasst Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O), Fluorkohlenwasserstoffe (FKWs), Perfluorcarbone (PFCs) und Schwefelhexafluorid (SF6).

GWP - Global warming potential.

Dieser rechnerische Wert hilft dabei, die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase (GHGs) vergleichbar zu machen. Diese werden dazu mit CO2 verglichen. Für die Berechnung des GWP wird die relative Wirkung der verschiedenen Gase über einen Zeitraum von 100 Jahren betrachtet. CO2 liegt bei einem Wert von 1, andere Stoffe zum Teil deutlich darüber. So hat etwa Methan ein GWP von 23 bis 25.



H

HFCs

Das ist die englische Abkürzung für Hydrofluorocarbons oder Fluorkohlenwasserstoffe (FKW). Diese Substanzen sind eine Untermenge der Treibhausgase (GHGs).



I

IPCC - International Panel on Climate Change

Der Uno-Weltklimarat (offizieller deutscher Titel: "Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimawandel") wurde schon 1988 von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und dem Uno-Umweltprogramm (Unep) gegründet. Er soll die Risiken der globalen Erwärmung anhand vorliegender wissenschaftlicher Studien einschätzen. Der IPCC forscht nicht selbst, er trägt Erkenntnisse zusammen. Die drei Arbeitsgruppen haben bisher vier große Sachstandsberichte veröffentlicht, den bisher letzten im Jahr 2007. Im selben Jahr erhielt die Organisation zusammen mit dem früheren US-Vizepräsidenten Al Gore den Friedensnobelpreis. Der IPCC ist in der Architektur der Uno-Klimarahmenkonvention nicht direkt eingebunden.



J

JI - Joint Implementation

Industriestaaten, genauer gesagt Annex-B-Staaten können sich auf ihre Klimabilanz auch anrechnen lassen, wenn sie Maßnahmen in anderen entwickelten Staaten unterstützen - zum Beispiel wenn ein deutsches Unternehmen eine undichte Gaspipeline in Russland saniert. Artikel 6 des Kyoto-Protokolls hat dafür den Mechanismus der Joint Implementation gegründet. Im Gegenzug erhalten die Staaten Klimagutschriften, die Emission Reduction Units.

JISC - Joint Implementation Supervisory Committee

Dieses Gremium wurde mit dem Kyoto-Protokoll gegründet. Unter der Aufsicht der Staaten in der CMP prüft es die Emissionsgutschriften (ERUs) , die aus JI-Projekten entstehen.



K

Kyoto-Protokoll

Das Protokoll dient dazu, die Regeln der Uno-Klimarahmenkonvention auszugestalten. Es wurde 1997 verhandelt und trat im Februar 2005 in Kraft. Vor allem geht es um bindende Emissionsreduktionen für eine Gruppe von reicheren Staaten. Das Protokoll hat 184 Vertragsstaaten, doch nur 37 von ihnen und die Europäische Union verpflichten sich zu einem CO2-Minus. Im Schnitt geht es um eine Senkung des Ausstoßes um fünf Prozent bis zum Jahr 2012, wobei das Basisjahr 1990 angesetzt wird. Vor allem sollen die Staaten ihre Verpflichtungen durch Maßnahmen im eigenen Land erreichen, sie dürfen aber auch Mechanismen wie JI und CDM nutzen. Kopenhagen soll den entscheidenden Schritt für ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll bringen.



L

LDC - Least Developed Countries

Die least developed countries sind die ärmsten Staaten der Welt. Nach der Definition des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen (Ecosoc) sind sie unter anderem durch besonders niedriges Einkommen und wirtschaftliche Verwundbarkeit gekennzeichnet. Nach den Definitionen der Uno-Generalversammlung gibt es derzeit rund 50 LDCs.

LDCF - Least Developed Country Fund

Dieser Fonds wurde eingerichtet, um LDCs unter anderem bei der Erstellung von Nationalen Aktionsplänen (NAPAs) zu unterstützen. Die Global Environment Facility (GEF) entscheidet über die Vergabe des Geldes, wie auch im Fall des SCCF.

LULUCF - Land Use, Land-Use Change and Forestry

Diese Abkürzung (zu deutsch: "Landnutzung, Landnutzungsänderungen und forstwirtschaftliche Maßnahmen") beschreibt vor allem Maßnahmen zur Abholzung und Wiederaufforstung. Die Abholzung von Wäldern setzt den darin gebundenen Kohlenstoff frei, umgekehrt können zusätzlich angepflanzte Bäume CO2 aus der Luft filtern. Für die Klimabilanz hat das aber nur dann Sinn, wenn sie nicht gleich wieder verbrannt werden. Die genaue Kohlenstoffbilanz der Waldrodung muss zum Teil noch erforscht werden. In den meisten Klimastatistiken werden die LULUCF-Emissionen nicht erfasst. Werden sie es doch, dann landen zum Beispiel Länder wie Indonesien und Brasilien auf den vorderen Plätzen. Auch Malaysia. Waldreiche Entwicklungsländer würden sich von den Industriestaaten gern für den Waldschutz bezahlen lassen.



M

MCTF - Multilateral Climate Technology Fund

Diesen Fonds gibt es bisher noch nicht. Die Entwicklungsländer der sogenannten Gruppe der 77 und China wollen ihn in Kopenhagen gern einrichten, zusammen mit dem EBT.

MEF - Major Economies Forum on Energy and Climate

Das MEF ist eine Gruppe, die auf Vorschlag der USA gegründet wurde. Darin treffen sich die größten CO2-Produzenten der Welt: Australien, Brasilien, Kanada, China, die Europäische Union, Frankreich, Deutschland, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Südkorea, Mexiko, Russland, Südafrika, Großbritannien und die USA. Auch Dänemark als Gipfelgastgeber von Kopenhagen und die Vereinten Nationen sind dabei.

MOP - Meeting of Parties

In diesem Forum treffen sich die Vertragsstaaten des 1997 beschlossenen Kyoto-Protokolls. Es findet zeitgleich mit dem größeren Treffen der Vertragsstaaten der Uno-Klimarahmenvonvention (COP) statt. In Kopenhagen treffen sich die Kyoto-Vertragsstaaten zum fünften Mal (MOP 5)

MRV - Measurable, Reportable, and Verifiable

Dieser Begriff beschreibt die Kontrolle von Klimaschutzmaßnahmen, die ein Staat durchführt. Besonders wichtig ist das zum Beispiel bei den NAMAs, den freiwilligen Schritten von Entwicklungsländern zum klimafreundlichen Umbau ihrer Volkswirtschaften. Der Begriff MRV ist in den Verhandlungen immer dann zu hören, wenn es darum geht, blumige Zusagen von Verhandlungsteilnehmern auch überprüfen zu können.



N

NAMA - Nationally Appropriate Mitigation Actions

Mit diesem Begriff werden Maßnahmen bezeichnet, mit denen Entwicklungsländer ihre Wirtschaft klimafreundlich umbauen. Bis jetzt ist das Konzept noch nicht in der Uno-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) enthalten. Eingeführt wurde es mit dem Bali Action Plan, der Teil der Bali Road Map war. Entwickelte Staaten könnten Entwicklungsländern dabei helfen, die geplanten Schritte zu gehen - und dafür möglicherweise mit Klimazertifikaten belohnt werden. Bei der genauen Ausgestaltung in Kopenhagen könnten sich Überschneidungen zum Beispiel mit dem Konzept der CSAs ergeben, weil auch sektorweite NAMAs möglich wären. Klar ist: Die Aktionen würden nicht im Rahmen bindender Verpflichtungen der entsprechenden Staaten stattfinden, sondern freiwillige Schritte sein. Die Länder würden sich sozusagen verpflichten, nicht einfach nur so weiter zu machen wie bisher - viel mehr aber auch nicht.

NAPAs - National Adaptation Programmes of Action

Diese Dokumente werden von LDCs erarbeitet, um die jeweiligen Prioritäten im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels festzulegen. Es geht im Kern darum, herauszufinden, welche Aufgaben am dringendsten sind. Mit Hilfe der NAPA bemühen sich die ärmsten Staaten der Welt dann um Hilfe der internationalen Gemeinschaft. Die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern ist ein zentrales Thema von Kopenhagen.



O

ODA - Official Development Assistance

Mit dieser Abkürzung wird die Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit bezeichnet. Sie kann finanzielle, technische und finanzielle Leistungen umfassen. Viele Entwicklungsländer haben Bedenken, dass reiche Staaten im Rahmen der Klimaverhandlungen ODA einfach zur Klimawandelhilfe umwidmen. Sie bestehen darauf, dass Geld für Anpassungsmaßnahmen und CO2-Vermeidung unabhängig von der bisher gezahlten Entwicklungshilfe fließt.



P

PFCs

Die Perfluorcarbone sind eine Gruppe chemischer Substanzen, die zu den Treibhausgasen (GHGs) gehören.



Q

QELRCs - Quantified Emission Limitation and Reduction Commitments

Die Quantifizierten Emissionsbegrenzungs- und -reduktionsverpflichtungen sind ein Begriff, der mit dem Kyoto-Protokoll eingeführt wurde. Er bezeichnet die rechtsverbindlichen Reduktionsverpflichtungen der Industriestaaten (Annex-B-Staaten).



R

REDD - Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation in Developing Countries

Dieser Begriff bezeichnet ein Konzept, dass bei den Klimaverhandlungen heiß diskutiert wird: Industriestaaten bezahlen Entwicklungsländer - entweder im Rahmen eines Emissionshandelssystems oder im Rahmen eines speziellen Hilfsfonds - dafür, dass sie ihre Wälder nicht abholzen. Umweltschützer hoffen auf einen kosteneffektiven Klimaschutz mit Nutzen für die Umwelt. Denn bisher stammen mehr als Fünftel aller globalen Emissionen aus der Abholzung und Schädigung von Wäldern. REDD ist immer wieder kontrovers diskutiert worden, bislang aber noch ohne globalen Erfolg. Das Konzept schaffte es nicht ins Kyoto-Protokoll. Der Bali Action Plan ermuntert die Staaten aber, es nun in ein neues Klimaabkommen aufzunehmen - die Rede ist hier oftmals von "REDD-plus". REDD ist ein hochkomplexes Thema, das auch die rechte indigener Völker und die Frage der wirtschaftlichen Nutzung von Urwäldern berührt.



S

SBI - Subsidiary Body for Implementation

Dieses Gremium (zu deutsch: "Nebenorgan für die Durchführung des Übereinkommens") ist neben dem Subsidiary Body for Scientific and Technological Advice (SBSTA) eines von zwei Unterorganen der Uno-Klimarahmenkonvention (UNFCCC). Es soll die Conference of the Parties (COP) beraten. Im Fall des Subsidiary Body for Implementation geht es dabei um die genaue Umsetzung der Regeln aus dem Abkommen, um Budget- und Administrationsfragen. Doch auch praktische Dinge muss das Gremium klären, unter anderem wie gut die Nationalen Emissionsberichte der einzelnen Staaten an das Klimasekretariat in Bonn sind und welche Finanzhilfen Entwicklungs- und Schwellenländer bekommen, um ihre Berichtspflichten nach der Konvention zu erfüllen. Außerdem überwacht der SBI die finanziellen Hilfsmechanismen, die von der Global Environment Facility bereitgestellt werden.

SBSTA - Subsidiary Body for Scientific and Technological Advice

Dieses Gremium (zu deutsch: "Nebenorgan für wissenschaftliche und technologische Beratung") ist neben dem Subsidiary Body for Implementation (SBI) eines von zwei Unterorganen der Uno-Klimarahmenkonvention (UNFCCC). Es soll die Conference of the Parties (COP) beraten. Im Fall des Subsidiary Body for Scientific and Technological Advice geht es dabei vor allem um wissenschaftliche und technologische Fragen - zum Beispiel darum, wie umweltfreundliche Technologien und deren Verbreitung gefördert werden können. Außerdem erarbeitet das Gremium Regeln, nach denen die Staaten ihre Emissionsberichte ans Klimasekretariat in Bonn melden müssen.

SCCF - Special Climate Change Fund

Neben dem LDCF ist dieser Fonds ein spezieller Mechanismus, der im Rahmen der Uno-Klimarahmenkonvention Geld vor allem für ärmere Länder zur Verfügung stellen soll. Er soll unter anderem Projekte fördern, die sich mit Waldschutz und Anpassungsmaßnahmen in der Industrie und im Transportsektor befassen. Bewilligt wird das Geld von der Global Environment Facility (GEF)

SIDS - Small Island Developing States

Dieser Begriff (zu deutsch: "Kleine Inselentwicklungsländer") wurde von der Uno geprägt und umfasst 51 Staaten - doch nicht alle von ihnen sind tatsächlich Inseln. Auch einige flache Küstenanrainerstaaten werden in die Kategorie gezählt. Alle Staaten gelten als besonders verwundbar gegenüber Umwelteinflüssen. Vor allem wären SIDS von einem stark steigenden Meeresspiegel betroffen. In den offiziellen Textentwürfen der Klimaverhandlungen werden die Staaten normalerweise in einem Atemzug mit den LDCs genannt.



T

TAPs - Technology Action Programs

Diesen Mechanismus zur Verbreitung umweltfreundlicher Technologien gibt es bisher noch nicht. Auf dem Gipfel in Kopenhagen wird entschieden, ob mehrere Programme dieser Art im Rahmen der Uno-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) etabliert werden. Sie könnten über einen vorher festgelegten Zeitraum (z.B. fünf Jahre) laufen und mit eigenen Finanzmitteln die Verbreitung bestimmter Technologien fördern, zum Beispiel Elektroautos, Wind- und Solarenergie, intelligente Stromnetze. Die Idee ist, die nötige Forschungs- und Entwicklungsarbeit in überschaubare Teile zu zerlegen. Die TAPs sollten sich, so fordern Entwicklungsorganisationen, an den Anforderungen der Entwicklungsländer (NAPAs) orientieren.

TNAs - Technology Needs Assessments

Mit diesem Begriff wird eine freiwillige Maßnahme beschrieben, die in der Uno-Klimarahmenkonvention geregelt ist. Dabei legen einzelne Staaten - vor allem Entwicklungsländer - fest, welche Technologien im Bereich Anpassung an den Klimawandel und CO2-Vermeidung für sie in ihrer Situation am wichtigsten sein könnten. Dabei werden sie vom multilateralen Finanzierungsprogramm GEF unterstützt.

TPCBA - Technical Panel on Capacity-Building Adaptation

Dieses Gremium gibt es bisher noch nicht. Über seine Einrichtung könnte in Kopenhagen verhandelt werden, ebenso wie über die vieler anderer Expertengruppen. Es würde sich um die Umsetzung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Entwicklungsländern kümmern - und zwar vor allem darum, dass diese Staaten in die Lage versetzt werden, Hilfe überhaupt nutzen zu können.

TPCBM - Technical Panel on Capacity-Building Mitigation

Auch dieses Gremium gibt es bisher noch nicht. Und auch über seine Einrichtung könnte in Kopenhagen verhandelt werden. Es würde sich um die Umsetzung von Maßnahmen zum klimaschonenden Umbau der Wirtschaft in Entwicklungsländern kümmern - und zwar - analog zum TPCBA - vor allem darum, dass diese Staaten in die Lage versetzt werden, Hilfe überhaupt nutzen zu können. Beide Gremien sollen auch darüber wachen, dass Industrieländer ihre Zusagen in diesem Bereich auch einhalten.

TPMM - Technical Panel on Market Mechanisms

Ein weiteres Gremium, das es noch nicht gibt. Es würde sich unter anderem um Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern kümmern, die über den Verkauf von Klimazertifikaten an Industrieländern finanziert werden.

TPOSIM - Technical Panel on Observation Systems and Information Management

Und noch eine neue Expertengruppe, über deren Einrichtung in Kopenhagen beraten werden könnte. Sie würde sich vor allem mit Technik zur Beobachtung des Klimawandels befassen - und damit Entwicklungsländern bei der Anpassung helfen.

TPRDA - Technical Panel on Research and Development Adaptation

Diese Gruppe, deren Einrichtung derzeit diskutiert wird, würde sich zusammen mit dem TPRDM um Forschungsfragen kümmern - konkret würde es sich zum Beispiel mit multilateralen Forschungsvorhaben zur Anpassung an den Klimawandel beschäftigen. Vor allem Entwicklungsländer sollen unterstützt werden, zum einen durch Kooperationen mit Industrieländern, aber auch durch Zusammenarbeit unter sich.

TPRDM - Technical Panel on Research and Development Mitigation

Auch diese Gruppe gibt es noch nicht. Sie würde sich zusammen mit dem TPRDA um Forschungsfragen kümmern - konkret würde es sich zum Beispiel mit multilateralen Forschungsvorhaben zum klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft in Entwicklungsländern.

TPREDD plus - Technical Panel on REDD plus

Dieses geplante Gremium würde sich mit der Umsetzung von Waldschutzmaßnahmen (REDD) in Entwicklungsländern befassen - wenn der Klimagipfel in Kopenhagen seine Einrichtung beschließt.

TPTTA - Technical Panel on Transfer of Technologies Adaptation

Zusammen mit dem TPTTM könnte sich dieses Gremium um Technologietransfer kümmern. Es würde Informationen zusammenzustellen, wie teuer der Einsatz bestimmter Technologien in Entwicklungsländern wäre, welche Chancen und welche Risiken er brächte - besonders im Hinblick auf die Anpassung an den Klimawandel.

TPTTM - Technical Panel on Transfer of Technologies Mitigation

Dieses vorgeschlagene Gremium würde analog zum TPTTA arbeiten, allerdings im Bereich der CO2-Vermeidung in Entwicklungsländern.



U

UNFCCC - United Nations Framework Convention on Climate Change

Die Klimarahmenkonvention der Uno wurde 1992 ausgehandelt und ist seit 1994 in Kraft. Sie ist die Grundlage für alle späteren Klimaverhandlungen, auch die von Kopenhagen. Der Vertrag hat 192 Mitgliedstaaten, darunter ist auch die USA. Die Vertragsstaaten treffen sich regelmäßig zur COP. Hauptziel ist es, eine gefährliche, vom Menschen verursachte Stimmung des Klimasystems der Erde zu verhindern. ("Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu erreichen, auf dem eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert wird"). Die Konvention - ihr Sekretariat sitzt übrigens in Bonn - etabliert Gremien wie den SBI und den SBSTA. Dazu kommt ein Finanzierungsmechanismus (GEF). Ausgestaltet wird die Rahmenkonvention durch Regeln wie das Kyoto-Protokoll, für das nun ein Nachfolgeabkommen auf den Weg gebracht werden muss.



W

WCCF - World Climate Change Fund

Diesen Hilfsfonds zur Anpassung an den Klimawandel und die Entwicklung CO2-armer Technologien für die Dritte Welt gibt es bisher noch nicht. Mexiko hat seine Einrichtung vorgeschlagen - und möchte ihn gern mit zehn Milliarden Dollar pro Jahr gefüllt sehen.



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