Gefährliche Einwanderer Erneut Tigermücken in Süddeutschland gesichtet

Die Asiatische Tigermücke kann das Dengue-Virus und andere Krankheitserreger übertragen. Immer häufiger sichten Forscher die Insekten auch in Deutschland. Wahrscheinlich überwinden sie als blinde Passagiere in Autos oder Zügen die Alpen.

Krankheitsüberträger: Asiatische Tigermücke
DPA/ CDC/ james Gathany

Krankheitsüberträger: Asiatische Tigermücke


Hamburg - Im süddeutschen Raum ist die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) in diesem Jahr erneut aufgetaucht. Die Tiere seien in Fallen gefunden worden, die an Autobahnraststätten aufgestellt wurden. Dies teilte das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg mit. Von April 2012 an wurden entlang der Autobahnen A5 und A93 mehr als 30 Asiatische Tigermücken gefangen, auch Gelege haben die Wissenschaftler entdeckt - und beseitigt.

"Offenbar stammen die Mücken aus Italien und sind als blinde Passagiere mit dem Güterverkehr über die Schweiz beziehungsweise Österreich nach Deutschland gekommen", sagte Egbert Tannich vom BNITM. Aedes albopictus habe sich im Zuge der Globalisierung des internationalen Warenhandels von Asien über weite Teile der Welt ausgebreitet. Auch in einigen Ländern südlich der Alpen ist sie inzwischen heimisch.

Die Stechmücke kann Tropenkrankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen. Bislang seien in diesem Jahr 641 Dengue-Infektionen in Deutschland gemeldet worden - alle Betroffenen hatten sich im Ausland infiziert. Nach Angaben des Instituts waren das mehr Fälle als je zuvor. Die in Süddeutschland gefangenen Insekten waren nicht von Tropenviren befallen, also keine Krankheitsüberträger.

Einfallstore werden überwacht

Um einen Überblick über zugewanderte Mückenarten zu erhalten und Einschleppungen von Krankheiten frühzeitig zu erkennen, überwacht das BNITM mit zahlreichen Kooperationspartnern mögliche Einfallstore. An Flughäfen, Bahnhöfen und Autobahnen stehen spezielle Insektenfallen. In den vergangenen Jahren seien vereinzelt Tigermücken in Baden-Württemberg gefunden worden und nun auch regelmäßig in Bayern, hieß es.

"Das zeitgleiche Auftreten dieser Mücke an mehreren Standorten und jetzt regelmäßig auch in Bayern könnte ein Hinweis sein, dass die Einschleppung von Aedes albopictus nach Deutschland immer häufiger passiert", sagte Andreas Rose von der Biogents AG in Regensburg, Leiter der Untersuchungen in Bayern. In den Monaten November bis April rechnen die Wissenschaftler nicht mit weiteren Mückenfunden.

In diesem Jahr haben Forscher zudem die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) in Niedersachsen und Ostwestfalen gesichtet, die ebenfalls eine potentielle Überträgerin von Tropenviren ist.

wbr/dpa



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