Neue Theorie Vulkanausbrüche führten zum Untergang von Kleopatras Reich

Kleopatra, letzte Königin des ägyptischen Ptolemäerreiches, regierte von 51 bis 30 vor Christus - dann unterwarf sie sich den Römern. Warum das passierte? Dazu gibt es eine neue Theorie.

Pyramiden von Gizeh am Nil in Ägypten
AP

Pyramiden von Gizeh am Nil in Ägypten


Der Untergang des Alten Ägypten unter Kleopatra könnte auch auf Vulkanausbrüche zurückzuführen sein. Das vermuten Forscher um Francis Ludlow vom Trinity College in Dublin im Fachblatt "Nature Communications".

Demnach trugen die Ausbrüche dazu bei, dass Nilhochwasser ausblieb und beeinflussten dadurch gesellschaftliche Entwicklungen in der sogenannten ptolemäischen Epoche (305 bis 30 v. Chr.)

Anhand von Aufzeichnungen aus dieser Zeit konnten die Forscher zeigen, dass nach Vulkanausbrüchen in weit entfernten Regionen die Nilflut ausblieb und überdurchschnittlich häufig soziale Unruhen begannen.

Forscher analysierten Daten zum Wasserstand des Nil

Der Wohlstand der Ägypter der ptolemäischen Epoche hing direkt mit dem Fluss Nil zusammen. Regenfälle im äthiopischen Hochland verursachten Hochwasser, das für die Landwirtschaft im Niltal lebenswichtig war.

Die Forscher um Ludlow griffen für ihre Studie auch auf Daten zum Wasserstand des Nils seit 600 nach Chr. zurück. So konnten sie bestimmen, dass in Jahren mit Vulkanausbrüchen der Nilpegel durchschnittlich 22 Zentimeter niedriger war als sonst.

Anschließend verglichen sie die Daten mit den Berichten, die über die ptolemäische Zeit vorliegen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Vulkanausbrüche häufig mit dem Beginn von sozialen Umbrüchen einhergingen.

Kurz vor der Unterwerfung Kleopatras gab es zwei Vulkanausbrüche

Das fehlende Hochwasser könnte Missernten verursacht haben, die wiederum Hungersnöte und gesellschaftliche Veränderungen hervorriefen. Außerdem endeten viele Kriege mit den Nachbarländern in dieser Zeit - möglicherweise, weil die Herrscher gezwungen waren, sich um die Unruhen und die Ernährung der Bevölkerung zu kümmern.

Um 30 vor Chr. unterwarf sich Kleopatra den Römern, nachdem Ägypten ein Jahrzehnt von wiederholtem Niedrigwasser, Hungersnöten, Seuchen, Inflation, Korruption und Landflucht durchgemacht hatte, wie Ludlow und sein Team schreiben. Kurz zuvor (44 und 46 v. Chr.) habe es zwei Vulkanausbrüche gegeben, darunter den größten Vulkanausbruch der vergangenen 2500 Jahre.

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Hängen also weit entfernte Vulkanausbrüche mit Hochwasser und Regen in Ägypten zusammen?

Wissenschaftler können ziemlich genau das Jahr eines Vulkanausbruchs bestimmen

Die Vulkane, um die es sich handelt, stehen in den Tropen, also beispielsweise in Indonesien. Brechen sie aus, schießen Schwefelgase in Atmosphärenschichten höher als zehn Kilometer. Dort reagieren sie zu Schwefelaerosolen und reflektieren die Sonneneinstrahlung, sodass die Temperatur auf der Erde sinkt.

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"Weil kalte Luft weniger Wasser aufnehmen kann, regnet es auch weniger", bestätigt der Klimatologe Ulrich Cubasch von der Freien Universität Berlin, der an der Studie nicht beteiligt war.

Nach zwei bis drei Jahren werden die Vulkanpartikel abgebaut und fallen als feiner Staub auf die Erde. In den Eisschichten an Nord- und Südpol werden die Staubschichten konserviert. Wissenschaftler könnten deshalb heute bis auf Jahre bestimmen, wann Vulkanausbrüche in der Vergangenheit stattgefunden haben und wie heftig sie waren.

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Kleopatra war die letzte Königin des ägyptischen Ptolemäerreiches und der letzte weibliche Pharao überhaupt, sie regierte von 51 bis 30 vor Chr. "Um Kleopatras Ende wurde schon viel spekuliert. Von allen möglichen Gründen würde ich einen Vulkanausbruch nicht an erster Stelle sehen", meint der Althistoriker Holger Sonnabend von der Universität Stuttgart, der an der Studie nicht beteiligt war.

Historiker finden weitere Gründe für Schwierigkeiten der ptolemäischen Herrschaft

Die Schwierigkeiten der ptolemäischen Herrschaft in Ägypten könne man auch ohne die Vulkanausbrüche erklären: eine hohe Steuerlast beispielsweise und soziale Unterschiede zwischen den Landbewohnern und der Bevölkerung florierender Städte wie Alexandria.

Die Wissenschaftler um Ludlow hätten vorwiegend statistische Verbindungen hergestellt, sagt Sonnabend. Um einen Zusammenhang nachweisen zu können, müsse man genauer hinsehen und beispielsweise für einen konkreten Vulkanausbruch auch in Ägyptens Nachbarstaaten nach Hinweisen suchen.

In einem sind sich Historiker Sonnabend und Klimatologe Cubasch einig: Die Vulkanausbrüche seien höchstens ein Faktor, um Vorgänge in der ptolemäischen Epoche zu erklären.

Von Susanne Zahn, dpa/boj

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
jewill 20.10.2017
1. Komische Theorie
Kleopatra bezirzte zuerst Caesar und nach dessen Tod Antonius. Das war den Senatoren und Augustus ein Dorn im Auge und führte zum Ptolemäischen Krieg. Am Ende siegte Augustus in der Seeschlacht bei Actium und Kleopatra und Antonius nahmen sich das Leben. Verantworlich für den Untergang des Ptolemäischen Reichs war meinetwegen die Frauenfeindlichkeit der Senatoren oder die Lipido von Caesar und Antonius, aber sicher kein Vulkanausbruch.
LucyWatson 20.10.2017
2. Expansion der Römer
Der Eroberungsdrang der Roms dürfte die größere Rolle gespielt haben. Es ging darum, das gesamte Mittelmeer und weitere Gebiete zu kontrollieren. Eine wirtschaftliche Schwächung Ägyptens hat da Kleopatra vielleicht etwas schneller in die Arme der Römer getrieben. Eigentlich nimmt man an, dass ihre Macht mit Hilfe Cäsars und Marc Antons sogar zunahm und erst durch Augustus zerstört wurde. Somit wäre die Unterwerfung doch zu hinterfragen.
ford_mustang 20.10.2017
3. Wie erklärt sich...
dann, dass Ägypten die Kornkammer Roms war? Kleopatra hat sich verzockt und auf die falschen Römer gesetzt.
opti_mist 20.10.2017
4.
Zitat von jewillKleopatra bezirzte zuerst Caesar und nach dessen Tod Antonius. Das war den Senatoren und Augustus ein Dorn im Auge und führte zum Ptolemäischen Krieg. Am Ende siegte Augustus in der Seeschlacht bei Actium und Kleopatra und Antonius nahmen sich das Leben. Verantworlich für den Untergang des Ptolemäischen Reichs war meinetwegen die Frauenfeindlichkeit der Senatoren oder die Lipido von Caesar und Antonius, aber sicher kein Vulkanausbruch.
Libido..
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 21.10.2017
5. Ne
Zitat von jewillKleopatra bezirzte zuerst Caesar und nach dessen Tod Antonius. Das war den Senatoren und Augustus ein Dorn im Auge und führte zum Ptolemäischen Krieg. Am Ende siegte Augustus in der Seeschlacht bei Actium und Kleopatra und Antonius nahmen sich das Leben. Verantworlich für den Untergang des Ptolemäischen Reichs war meinetwegen die Frauenfeindlichkeit der Senatoren oder die Lipido von Caesar und Antonius, aber sicher kein Vulkanausbruch.
Mit Ihrer Geschichtsaufassung sind sie der Boulevard-Berichterstattung, Hollywoodfilmen und den Vertretern politischer Macht gehörig auf den Leim gegangen. Denn diese Versuchen mit derartig auf einzelne Akteure fokussierte Geschichtsverklärungen ihre eigene Position zu legitimieren. In Wahrheit waren und sind sie aber alle ersetzbar: Könige, Diktatoren, Heilsbringer, Unternehmer, Banker, etc. Ihre Position ist stets zufällig erreicht und kann jederzeit in Frage gestellt werden. Und das ist es was passiert, wenn der faule Zauber auffliegt auf dem sie ihre Herrschaft begründen. Das können die unkontrollierbaren, gravierenden Folgen einer wissenschaftlichen Entdeckung/Entwicklung sein, aber eben auch Naturgewalten. Aus historisch-materialistischer Sicht ist der Zusammenhang von Vulkanausbrüchen und dem Ende einer Dynastie, so wie es hier dargestellt wird, durchaus plausibel.
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