Veränderte Lebensräume: Europa verliert seine schrägsten Vögel

Mehr Spatzen, Stockenten und Kohlmeisen - weniger Rebhühner und Pirole: Der Mensch hat die Vogelwelt gravierend verändert. Vögel, die sich gut anpassen können, breiten sich aus. Spezialisten hingegen sind auf dem Rückzug. Die Natur verarmt.

Pirol, auch Goldamsel genannt: Auf dem Rückzug Zur Großansicht
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Pirol, auch Goldamsel genannt: Auf dem Rückzug

Hamburg/London - In Europas Vogelwelt haben es Spezialisten schwer. In den vergangenen knapp 20 Jahren ging die Zahl der nur an bestimmte Lebensräume angepassten Vogelarten rapide zurück. Durchgesetzt haben sich stattdessen die Generalisten - diejenigen, die in fast jeder Umgebung überleben können. Das hat ein internationales Forscherteam in einer Studie in sechs europäischen Ländern und an 234 Vogelarten festgestellt.

Die Ergebnisse zeigten deutlich eine rapide Verschiebung in den Vogelgemeinschaften. Typische Wald- oder Feldvögel verschwänden zunehmend, dafür breiteten sich vielseitige Arten in ganz Europa stärker aus, berichten die Forscher im Fachmagazin "Biology Letters". Die Vogelwelt verschiedener Gebiete gleiche sich dadurch immer stärker an, die Artenvielfalt sinke.

"Dies ist die erste Studie, die eine so fundamentale und schnelle Umverteilung auf kontinentaler Ebene quantitativ erfasst", schreiben Isabelle Le Viol vom Muséum national d'Histoire naturelle in Paris und ihre Kollegen. Ursache dieser Entwicklung sind ihrer Ansicht nach hauptsächlich der Mensch und seine Aktivitäten.

Ein Grund sei die veränderte Landnutzung - beispielsweise durch intensive Landwirtschaft, Rodungen und dichtere Besiedlung. Aber auch der Klimawandel verändere die Landschaft und die Lebensbedingungen und wirke sich damit auf die Artenverteilung aus.

Zu den Vogelarten, die in einer großen Spannbreite von Lebensräumen vorkommen und sich gut auch an die Stadtumgebung anpassen konnten, gehören beispielsweise Spatzen, Stockenten und Kohlmeisen. Spezialisten in Bezug auf ihren Lebensraum sind dagegen beispielsweise Rebhühner, die in Feldern brüten, oder der in Wäldern lebende Pirol.

14 Millionen Beobachtungsdaten

Besonders stark seien die spezialisierten Vogelarten in Schweden, Frankreich und Großbritannien zurückgegangen, wie die Forscher berichten. In Tschechien und den Niederlanden sei der Trend ähnlich negativ, aber nicht signifikant gewesen. Nur im spanischen Katalonien hätten die Spezialisten sogar leicht zugenommen. Unterschiedlich starke Veränderungen in der Landnutzung könnten für die verschiedenen Entwicklungen verantwortlich sein.

"So war zum Beispiel zwischen 1990 und 2000 die Urbanisierung in den Niederlanden am stärksten, Veränderungen in der Waldbedeckung gab es dagegen vor allem in Frankreich und Großbritannien und in Frankreich intensivierte sich auch die Landwirtschaft", berichten die Forscher.

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler die Zusammensetzung von Vogelgemeinschaften von 1990 bis 2008 an mehr als 10.111 Standorten erfasst. Diese lagen in sechs europäischen Ländern: in Schweden, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Tschechien und in Spanien. Insgesamt werteten sie fast 14 Millionen Beobachtungsdaten von 234 Vogelarten aus.

Jede der erfassten Vogelarten stuften die Forscher nach ihrem Grad der Spezialisierung auf einen bestimmten Lebensraum ein. Arten, die nur in einem Habitat, beispielsweise Laubwäldern, vorkamen, erhielten einen höheren Spezialisierungsindex als weit verbreitete und wenig anspruchsvolle Arten. Die Biologen werteten dann aus, wie sich dieser Index im Laufe der Jahre für die verschiedenen Standorte veränderte.

boj/dapd

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insgesamt 20 Beiträge
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1.
superstrom 18.07.2012
Zitat von sysopMehr Spatzen, Stockenten und Kohlmeisen - weniger Rebhühner und Pirole: Der Mensch hat die Vogelwelt gravierend verändert. Vögel, die sich gut anpassen können, breiten sich aus. Spezialisten hingegen sind auf dem Rückzug. Die Natur verarmt. Änderungen bei Vögeln in Europa: Weniger Spezialisten bei Vogelarten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,844964,00.html)
Die Angepassten kommen durch. Warum sollte es im Tierreich anders sein als bei uns Menschen?
2. optional
spon-facebook-10000339225 18.07.2012
Und was ist mit den zahlreichen Stadttauben?
3. Nachtigall ick hör Dir trapsen.
gadus 18.07.2012
Zitat von superstromDie Angepassten kommen durch. Warum sollte es im Tierreich anders sein als bei uns Menschen?
Naja, der Erfolg dieser Arten besteht ja in Anpassung an spezielle Lebensräume! Besetzung spezieller Nischen durch Anpassung... Ihre eher allgemein gehaltene Feststellung wird der traurigen Tatsache, dass nun speziell solche Nischenbewohner durch anthropogene Einflüsse zu Gunsten der Generalisten verdrängt werden, leider nicht gerecht.
4.
man_vs_ape 18.07.2012
Zitat von superstromDie Angepassten kommen durch. Warum sollte es im Tierreich anders sein als bei uns Menschen?
Bei den Menschen ist es anders! Wieso sonst überleben soviele hungerleidende Menschen in unwirklichen Gebieten? Ach ja, durch Nahrungsmittellieferungen!
5. Unsinnige Arbeiten
picard95 18.07.2012
Zitat von superstromDie Angepassten kommen durch. Warum sollte es im Tierreich anders sein als bei uns Menschen?
Es gibt überall Beispiele, wie völlig unsinnige Arbeiten vorgenommen werden, die auch z.B. bodenbrütenden Vögeln Schaden. Beispielsweise gibt es hier einen Teich, der an den Rändern mitten im Juli komplett niedergemäht wird, bis nur noch Erde zu sehen ist. Diese unmittelbare Umgebung vom Teich ist so ziemlich das letzte Stück Natur, nachdem sie hier einen kompletten neuen Stadtteil hochgezogen haben (Lübeck an der Fachhochschule). Oder diese ganzen 2Takt Stinker (1Euro Jobber mit 2Takt Handmähern), die überall das Unkraut mähen. Bevor sie hier die ganzen Funktionsgebäude hochzogen hatten, gab es auf der Brachfläche eine unglaubliche Vielfalt an Pflanzen, teilweise mit Blüten die ein Stadtmensch gar nicht kennt. Man konnte dort sogar einen Stieglitz beobachten. Direkt nebenan wurde ein "Park" designed. 5 rechteckige Rasenflächen, wo man gnädigerweise 2 alte Bäume hat stehen lassen. Die "Unkrautwiese" gibt es nun leider nicht mehr weil 5 Gebäude hochgezogen wurden. Und auf dem Rasen des "Parks" gibt es genau drei Vogelarten: Amsel, Krähe und auf den Sandwegen Bachstelzen (die man langsam in Asphaltstelzen umbenennen sollte weil die schon auf dem Bürgersteig und den Strassen leben können). Und solch einen Schwachsinn kann man überall sehen. Dass jede kleine Gemeinde Gewerbeflächen bis zum Abwinken ausweist ist auch so eine Sache, die nicht wirklich etwas bringt. Ziehen 3 Firmen ein, ist bei der vierten Firma schon eine der alten Firmen Pleite. Trotzdem werden natürlich für jede Firma neue Gebäude gebaut. ÖPNV Anschluss nicht/kaum vorhanden; sollen die Arbeitnehmer halt sehen wie sie dorthin kommen. Schwalbennester werden mitten in der Brutzeit zerstört, wo man zwar nachträglich eine Anzeige vornehmen kann, es den Jungvögeln aber auch nicht hilft. Es wäre wünschenswert, "Betonrasen" nicht als erstrebenswerte Grünfläche zu sehen, sondern die Pflanzen auch einfach mal wachsen zu lassen. Es spricht ja nichts dagegen, einmal im Jahr (im Herbst) die betreffenden Wiesen einmal zu mähen damit es eine Wiese bleibt. Aber doch nicht dauernd während der Brutzeit. Fazit: Es wird viel Geld ausgegeben (Arbeitskräfte, 2-Takt-Gemisch) damit ja keine Pflanzen wachsen.
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