Bedrohte Arten Illegaler Handel mit Buschfleisch nimmt zu

Wenn die Wirtschaft wächst, floriert auch der illegale Handel mit Buschfleisch. Das stellten US-Forscher in einer Langzeitstudie in Äquatorialguinea fest. Sie monieren vor allem zu lax umgesetzte Schutzmaßnahmen.

Kadaverinventur: Ein Mitarbeiter der Organisation BBPP sammelt Wildfleischproben auf einem Markt
EurekAlert/ Javier Rivas/ BBPP

Kadaverinventur: Ein Mitarbeiter der Organisation BBPP sammelt Wildfleischproben auf einem Markt


35.000 Affen, 59.000 Huftiere, 4000 Vögel und fast 90.000 Nagetiere: Das ist die traurige Bilanz einer Kadaverinventur auf den Märkten von Malabo in Äquatorialguinea über die vergangenen 13 Jahre. Trotz staatlicher Schutzvorgaben nimmt der Handel mit illegalem Buschfleisch weiter zu, stellten amerikanische Forscher um die Biologin Gail Hearn von der Drexel University fest.

Fleisch wilder Tiere ist in vielen Regionen der Welt eine billige und häufig auch die einzige Quelle der Landbevölkerung für tierisches Eiweiß. Das Problem: Die illegale Jagd und der Handel mit Buschfleisch wird zunehmend kommerzialisiert. Dadurch sind immer mehr Tierarten, darunter Primaten und Antilopen, vom Aussterben bedroht.

Die Langzeitstudie ist eine der größten Untersuchungen in der Region. Sie ist Teil des Bioko Biodiversity Protection Programs (BBPP), in dem sich die US-Forscher gemeinsam mit der National University of Equatorial Guinea (UNGE) um den Artenschutz auf der Insel Bioko kümmern. Die vulkanische Insel liegt im Golf von Guinea, viele seltene Tiere und Pflanzen leben dort.

Maß für Jagdaktivität

Seit Beginn der Untersuchung im Oktober 1997 haben die Forscher durch ihre täglichen Kadaverzählungen auf den Märkten von Bioko ein genaues Bild von den Jagdaktivitäten der Region bekommen. Die Wildfleischverkäufe erlauben sehr genaue Rückschlüsse auf die illegalen Jagdaktivitäten. Zeitweise zählten die Forscher bis zu 30 frisch getötete Menschenaffen an den Ständen der Märkte.

Bedroht: Die Affenart Procolobus pennantii gibt es nur auf der Insel Bioko
EurekAlert/ Araks Ohanyan/ BBPP

Bedroht: Die Affenart Procolobus pennantii gibt es nur auf der Insel Bioko

Hearn und ihre Kollegen verglichen die Marktaktivitäten mit politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Faktoren in Äquatorialguinea. Dabei stellten sie einen Haupttrend fest: Die Jagd auf Buschfleisch nahm über die Jahre mit dem wirtschaftlichen Wachstum der Region zu. Ein weiteres Problem: Die in Äquatorialguinea im Jahr 2007 erlassenen Gesetze zum Schutz von Primaten, werden nicht eingehalten.

khü

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
holy10 04.08.2015
1. US-Amerikaner über Artenschutz
Schon grotesk. Ähnlich wie wenn sich US-Amerikaner zu Völkerrecht oder Menschenrechte äußern. Eigentlich keine Meldung wert. Da steck soviel Wahheit drin, als würde Putin über Demokratie reden.
Celegorm 04.08.2015
2.
Zitat von holy10Schon grotesk. Ähnlich wie wenn sich US-Amerikaner zu Völkerrecht oder Menschenrechte äußern. Eigentlich keine Meldung wert. Da steck soviel Wahheit drin, als würde Putin über Demokratie reden.
Grotesk sind eher solche Kommentare. Es sind nicht die USA, die sich da irgendwie "äussern", es geht hier um eine wissenschaftliche Studie, die halt zufälligerweise von Forschern einer US-Universität verfasst wurde. Woher die Autoren kommen und wo diese arbeiten spielt für den Inhalt aber nicht die geringste Rolle. Wobei es eh rätselhaft ist, was die USA beim Thema Artenschutz generell disqualifizieren sollte. Die USA fallen beim Schutz ihrer Biodiversität keineswegs ab, sondern waren und sind in manchen Bereichen sogar innerhalb der Industrieländer eher vorbildlich. Sowohl wissenschaftlich wie praktisch. Belehrungen aus Deutschland muten entsprechend lächerlich an..
schenkerstaat 04.08.2015
3. Der Hunger dieser Welt ist grenzenlos und...
macht auch vor Parkgrenzen geschützter Habitate leider nicht halt. Selbst jahrelang in Umweltprojekten tätig, weiß wie schwer es ist die Tierwelt vor solchen Eingriffen zu schützen. Geordnete Landwirtschaft funktioniert nur im Ansatz, Viehzucht ernährt nicht allein die maßlose Übervölkerung. Malaria, Aids, Ebola hatten eine regulierende Funktion, die schon fast vollständig bekämpft wurden. Ernsthafte Umweltprojekte bleiben beim diesem Bevölkerungs-Druck nur Makulatur.
mcvitus 04.08.2015
4. Irgendetwas müssen die Menschen
dort ja essen. Die haben keine Supermärkte mit obszöner Auswahl an billigen Nahrungsmittel. Das Problem der Artenausrottung geht einher mit der Bevölkerungsexplosion und der miserablen Wirtschaftslage unter mordenden und plündernden Stammesfürsten. Für mich eine Spätfolge der zerstörten Sozialstrukturen durch die Kolonialmächte und der missionierenden Kirchen. Die Bevölkerung in Afrika soll sich nach neuen Prognosen bis 2100 vervierfachen. Da heißt es für viele Arten: das war's. Egal wie sehr ich das bedaure.
oidahund 04.08.2015
5.
Aus der Ebola-Krise nichts gelernt - das Fleich gerade von Affen gilt schon lange als eine mögliche Übertragungsquelle von Ebola auf den Menschen. Das letzte Mal waren es zwar Flughunde, aber die werden ja auch nach wie vor gejagt und gegessen. Die nächste Seuche kommt bestimmt. Was mich sehr bedenklich stimmt ist, dass immer wieder versucht wird, das Fleich nach Europa zu schmuggeln, da auch hier das bewährte Essen nachgefragt wird.
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