Ärger mit Frühwarnsystem Deutsche Tsunami-Bojen sollen verschwunden sein

Sie sollen die Bevölkerung in Indonesien rechtzeitig vor einer Katastrophe alarmieren, doch das Tsunami-Frühwarnsystem ist angeblich nur bedingt einsatzbereit. Mehrere mit deutscher Hilfe entwickelte, auf dem Meer stationierte Bojen sind laut einem TV-Bericht verschwunden.


Singapur - Das mit deutscher Hilfe entwickelte Tsunami-Frühwarnsystem in Indonesien ist nicht voll funktionsfähig. Einem ARD-Bericht zufolge sind von den sieben Bojen, die auf dem Meer Strömung und Wellenhöhe messen, vier verschwunden. Dabei handele es sich um zwei indonesische und zwei amerikanische Bojen. Zwei weitere aus deutscher Produktion seien vorübergehend nicht lokalisierbar gewesen, jedoch wieder aufgetaucht, heißt es in dem Beitrag, den die ARD in ihrer Sendung "Weltspiegel" am Sonntag ausgestrahlt hat.

Tsunami-Bojen: Nur bedingt einsatzbereit
REUTERS

Tsunami-Bojen: Nur bedingt einsatzbereit

Insgesamt sind 23 Bojen geplant. Zehn davon werden aus Deutschland geliefert. Das System sei wegen der verschwundenen Bojen "noch nicht voll optimiert", sagt die Generaldirektorin der zuständigen Behörde für Meteorologie und Geophysik, Sri Woro Harijono, in dem Fernsehbeitrag. "Wir müssen eine Lösung finden. Aber wir wissen noch nicht, wie wir das machen sollen", sagte der für die Wartung zuständige Ingenieur Wayan Wira Yogantara.

So machten Fischer auf hoher See ihre Boote an den Bojen mit hochsensiblen elektronischen Mess- und Kommunikationsinstrumenten fest, weil sich daran Muscheln ansiedelten, die Fische anzögen.

Das Bundesforschungsministerium dementierte dagegen, dass das Warnsystem nicht einsatzbereit sei: "Es ist keine deutsche Boje verschwunden." Das allerdings wurde in dem ARD-Beitrag auch nicht behauptet. Seit 2006 arbeiteten zwei deutsche Bojen zuverlässig, so das Ministerium. Vier weitere befänden sich im Hafen von Merak auf Java und warten darauf, von einem indonesischen Forschungsschiff auf See gebracht zu werden. Die letzten zwei der zehn Bojen aus Deutschland sollen demnach wie geplant 2009 ausgesetzt werden.

Der Unterschied des deutschen zu anderen Systemen bestehe darin, "dass unterschiedliche Messsysteme zur Tsunami-Frühwarnung beitragen", erklärten Thomas Rachel, Staatssekretär im Forschungsministerium, und Reinhard Hüttl, Vorstandschef des Geoforschungszentrums Potsdam, in einer gemeinsamen Mitteilung. "Damit arbeitet diese Technologie auch bei Ausfall einzelner Komponenten immer noch zuverlässig."

Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono will die Leitzentrale des Warnsystems am Dienstag in Jakarta feierlich einweihen. Dazu ist auch , eingeladen.

als/mbe/dpa



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