Geoforschung Schmutzige Luft lässt Flüsse anschwellen

Als die Schornsteine in Europa noch ohne Filter rauchten, hatte dies auch Folgen für die Flüsse. Schmutz dimmte das Sonnenlicht - und die Pegel stiegen. Heute wirkt der Effekt umgekehrt - und auch dies beunruhigt Forscher.

Donau im Landkreis Staubing-Bogen: Wassermenge um bis zu 25 Prozent angestiegen
DPA

Donau im Landkreis Staubing-Bogen: Wassermenge um bis zu 25 Prozent angestiegen


Smog war Ende der Siebzigerjahre ein fast schon alltägliches Phänomen. Autos fuhren ohne Katalysatoren, Kohlekraftwerke schickten dunkle Rauchsäulen in den Himmel. Im Umkreis der Kraftwerke rieselte permanent Staub zur Erde. Zustände, wie man sie heutzutage nur noch aus dem von Abgasen geplagten Peking kennt.

Ein internationales Forscherteam berichtet nun über eine verblüffende Nebenwirkung der starken Luftverschmutzung in Europa und Nordamerika. Die Flüsse seien angeschwollen, berichten Nicola Gedney von der britischen Wetterbehörde Met Office und ihre Kollegen im Fachblatt "Nature Geoscience". Ursache sei die verringerte Sonneneinstrahlung gewesen, die dazu führte, dass weniger Wasser aus dem Boden verdampfte als bei klarer, sauberer Luft.

"Nach unserer Schätzung führte dieser Effekt dazu, dass in stark verschmutzten Bereichen Europas die Wassermenge um bis zu 25 Prozent anstieg", sagte Gedney. Besonders betroffen waren die Flüsse Donau, Elbe und Oder.

Das Forscherteam war dem Phänomen auf die Spur gekommen, als es meteorologische Daten des vergangenen Jahrhunderts aus Europa und Nordamerika analysierte. Ende der Siebzigerjahre war die Sonnenlichtmenge, die den Erdboden erreichte, wegen der starken Luftverschmutzung um mehr als 0,5 Prozent gefallen. "Viele haben längst vergessen, wie schlimm die Lage damals war", sagte Gedney.

Mehr Umweltschutz bedeutet weniger Frischwasser

Mittlerweile kämpfen Umweltschützer mit einem ganz anderen Problem: Mehr Umweltschutz, also sauberere Luft, kann quasi umgekehrt zu Wasserknappheit führen. Als sich die Luftqualität in Europa in den Neunzigerjahren dramatisch verbesserte, sank die Konzentration der Schwebeteilchen (Aerosole) nach Berechnungen der Forscher um mehr als ein Drittel. Mehr Sonnenlicht erreichte den Boden, mehr Wasser verdampfte. In der Folge sank die Menge verfügbaren Frischwassers.

Wie komplex die Wechselwirkungen in der Atmosphäre sind, zeigt auch das Beispiel der von Pflanzen ausgestoßenen Aerolsole. Sie können mit steigenden Aerosolemissionen der Erderwärmung entgegenwirken, hatten Forscher der Universität Helsinki 2013 berichtet. Höhere Temperaturen würden den Ausstoß sogenannter biogener Aerosole durch Pflanzen fördern. Dabei handelt es sich um flüchtige organische Verbindungen. Die Aerosole wiederum verstärkten die Wolkenbildung in der Atmosphäre und hätten somit eine kühlende Wirkung.

hda

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